Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Aconitum napellus (Acon.)
Aconitum napellus (Acon.) steht im Repertorium in 1.648 Rubriken. Davon sind 79 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 111 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei Furcht und Angst, bei den Beschwerden durch Schreck, bei den Wahnideen, dem Delirium und der Ruhelosigkeit, dazu bei den Kindern und der Entbindung. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, den ein plötzlicher Schlag getroffen hat und der in Todesangst, Unruhe und heftiger Erregung steht, ohne sich fassen zu können.
Furcht und Angst
Der Kern liegt in der Angst, die den ganzen Menschen ergreift. Das Repertorium verzeichnet sie in auffallender Breite: als Angst bei Fieber, bei Blutungen, bei Zahnschmerz, bei Säuglingen, als Angst, die den Schlaf unterbricht oder nachts plötzlich hereinbricht, und als Angst, die kalte Getränke bessern. Sie steigert sich bis zur Panik und wird in zwei Rubriken ausdrücklich als unstillbar gefasst: „Angst – untröstlich“ und „Angst – und Panik, Verzweiflung bis zur“. Die Furcht hat viele Adressaten, vor allem aber den Tod. Sie tritt bei Konvulsionen auf, bei Lungenentzündung, bei Bluthusten, nach den Menses und in der Schwangerschaft. Daneben stehen konkrete Ängste: vor Unterführungen und Untergrundbahnen, vor dem Flugzeug, vor herannahenden Fahrzeugen, vor Wölfen, vor dem Wind und davor, ins Freie zu gehen. Eine Rubrik beschreibt, wie die Furcht den Verstand ausschaltet: „Furcht, Phobie – kopflos, blind, ohne Verstand“. Auf die Angst kann Gleichgültigkeit folgen, als sei sie erschöpft.
Schreck und Nachwirkung
Der Schreck liefert den Anlass. Das Repertorium kennt Beschwerden durch heftigen Schreck, Reizbarkeit und Schüchternheit, die auf einen Schreck folgen, und bei Kindern ein schamhaftes Verhalten nach dem Erschrecken. Selbst der Anblick eines Unfalls wirkt weiter, wie die Single-Rubrik „Schreck – Beschwerden durch – Unfalls, durch Anblick eines – länger zurückliegend“ festhält. Die Schreckhaftigkeit bleibt: Die Person erwacht beim geringsten Geräusch mit Schrecken, erschrickt beim Husten und fährt aus dem Schlaf auf. Auch die Entbindung kann durch Furcht oder Schreck vorzeitig einsetzen.
Ruhelosigkeit und Raserei
Aus der Furcht wird Bewegung. Die Ruhelosigkeit tritt innerlich auf, beim Gehen, bei Schmerzen im Ischiasnerv und bei Angina pectoris, und sie zeigt sich im Bett als Umherwerfen, besonders beim Husten. Eine Gruppe von Single-Rubriken verbindet sie mit Ungeduld und Eigensinn: Die Person wirft sich ungeduldig herum, trotzig, mit roten Wangen oder im Fieber. Dort, wo sich die Erregung entlädt, steht die Raserei, die anfallsweise bei Kindern und zu Beginn der Menses verzeichnet ist und mit Lachen, Weinen oder klarem Bewusstsein abwechselt. Das Delirium trägt dieselben Züge: Die Person springt nachts aus dem Bett, spricht vom Tod, fasst sich im Delirium an die Genitalien oder schreit mit starrem Blick um Hilfe, wie es bei Gehirnentzündung verzeichnet ist.
Wahnideen und Körpergefühl
Das King-Pin-Symptom ist „Wahnideen – Körper – verunstaltet, irgendein Körperteil sei“. Die Anmerkung zur Rubrik beschreibt es als das Gefühl, ein nicht genau bestimmter Teil des Körpers habe seine ursprüngliche Form verloren. Die Rubriken in der Nachbarschaft führen das fort: Körperteile seien dick oder deformiert, Gesichter wüchsen, das Gehirn sei kleiner als der Schädel. Eine eigene Gruppe von Single-Rubriken verlegt das Denken in den Bauch. Die Gedanken kämen aus dem Magen, das Gehirn befinde sich dort, und es gilt: „Wahnideen – Magen – Geistestätigkeit findet im Magen statt“. Hinzu kommen die Täuschung, betrunken zu sein, der Wahn, jeden anzurempeln, dem man begegnet, und die Vorstellung, Schafe zu treiben. Man kann darin ein Erleben sehen, in dem der Körper fremd und das Denken ortlos wird.
Schwangerschaft und Entbindung
Die Schwangerschaft ist ein eigener Schwerpunkt. Verzeichnet sind die Furcht vor dem Tod in der Schwangerschaft, die Furcht, das Kind sei entstellt, Angst in der Herzgegend, Abneigung gegen Freunde und das Ausbleiben von Zärtlichkeit. Bei der Entbindung stehen Ruhelosigkeit, Todesfurcht und der Wahn, man werde gleich sterben, nebeneinander; eine Single-Rubrik nennt ein Zusammenschnürungsgefühl während der Geburt: „Entbindung – Zusammenschnürungsgefühl während der“. Auch die falsche Lage des Fötus und der Schreck als Auslöser sind aufgeführt.
Kinder
Unter den Rubriken zu Kindern (146) überwiegen Angst und Furcht. Kinder zeigen Panik bis zur Verzweiflung und fürchten den Wind; bei beginnenden Gehirnerkrankungen sind Furcht und Unruhe verzeichnet. Sie schreien, wenn sie bewegt werden, und zupfen an der Oberlippe. Säuglinge weinen unmittelbar nach der Geburt. Das Bild entspricht dem der Erwachsenen im Kleinen: eine Erschütterung, die sich nicht beruhigen lässt.
Wechsel der Zustände
Gegen die Erregung stehen Gegenpole, die Zustand für Zustand wechseln. Aktivität alterniert mit Schwerfälligkeit, Stumpfheit mit dem Verlangen nach geistiger Anstrengung, Verlangen nach Gesellschaft mit Abneigung, Fröhlichkeit mit Verzweiflung. In der Tiefe verzeichnet das Repertorium Koma mit halb offenen Augen und reaktionslosen Pupillen, Stumpfheit durch Rauchen und beim Eintreten in ein warmes Zimmer. Sprechen wird teils lakonisch, teils umherschweifend. Eine Rubrik fällt aus dem Rahmen: Hellsichtige Träume lösen die wichtigen Fragen des Tages.
Zusammenfassung
Aconitum napellus zeigt im Repertorium ein Mittel der Plötzlichkeit. Ein Erlebnis fährt in den Menschen hinein, und was folgt, ist Todesfurcht, Unruhe und eine Erregung, die zwischen Raserei, Delirium und Erstarrung wechselt. Das Körperbild gerät aus der Form, das Denken wandert in den Bauch, und selbst lange zurückliegende Schrecken wirken fort, als habe die Erschütterung nie aufgehört.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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