Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Adamas (Adam.)
Adamas (Adam.) steht im Repertorium in 277 Rubriken. Davon sind 36 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 13 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen (38 Rubriken insgesamt), dem Zorn und den Fehlern, die der Mensch beim Schreiben und Sprechen macht, dazu bei der Ehe und der Familie. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der sich in Erlebnisse von Weite, Vervielfachung und Erhöhung hineinträumt und im Alltag der Familie nach Klarheit und Rückzug verlangt.
Vervielfachung und Erhöhung
Der auffälligste Zug liegt in den Wahnideen. Der Mensch erlebt sich vervielfacht: Er habe vier Arme, vier Hände, vier Gesichter, er müsse für zwei arbeiten, und zwei Dinge geschähen zugleich. Er erlebt sich auch erhöht, als indischer Prinz, als im Überfluss lebend, und nur Adamas zugeordnet ist die Vorstellung „Wahnideen – Gottheit, große tibetanische“. Dazu gehören kosmische Bilder, etwa „Wahnideen – Galaxien, spiralförmig sich drehende“, das Gefühl, alles funkele, und die Gewissheit einer Harmonie, einer Ordnung und Klarheit von allem. Eine Reihe von Rubriken verschiebt dabei das Körperschema: Die rechte Körperhälfte sei größer als die linke, die rechte Seite von Körper und Kopf verlängert, man blicke mit geschlossenen Augen halb auf die Welt.
Klarheit, Rückzug und Familie
Dem Hochgefühl steht ein Wunsch nach Abstand gegenüber. Eine Single-Rubrik hält das Verlangen fest, das Haus zu verlassen, um ein klares Leben ohne das Chaos der Familie zu führen: „Hause, zu – Verlangen, das zu Hause zu verlassen – Leben ohne das Chaos der Familie zu führen, um ein klares“. Zugleich steht die überschwängliche Liebe zur eigenen Familie unter den kleinen Rubriken, und eine Single-Rubrik nennt das Verlangen, sich in der Erde zu verstecken. Beides zusammen deutet auf einen Menschen, der Nähe sucht und sie zugleich als ordnungslos und bedrängend erlebt.
Ehe und Körper
Auffallend viele Single-Rubriken betreffen die Beziehung zum Ehepartner: Abneigung gegen ihn beim Koitus und vor den Menses, Reizbarkeit ihm gegenüber vor den Menses, ein Gefühl von Distanz beim Koitus. Daneben steht das Unglück über den eigenen Körper und eine Elendsstimmung während der Menses. Das lässt sich lesen als Rückzug aus dem Körperlichen in die innere Weite der Wahnbilder.
Zorn
Der Zorn tritt mit unregelmäßigem Herzschlag auf, nach einer Erkältung und rasch. Eine Single-Rubrik verzeichnet, dass Trost ihn bessert, eine andere, dass der Zornige Unterstützung und Zuwendung möchte: „Zorn – Unterstützung, Zuwendung, möchte“. Der Zorn wäre demnach weniger Angriff als Ausdruck eines Bedürfnisses nach Halt. Ihm verwandt sind die Fehler beim Schreiben, bei denen der erste Buchstabe ausgelassen wird, und die Gedächtnisschwäche selbst für Namen enger Freunde.
Zusammenfassung
Adamas zeigt im Repertorium einen Menschen, dessen Selbsterleben sich weitet, vervielfacht und überhöht, während der Alltag in Ehe und Familie als unklar und beengend gilt. Aus dem Wunsch nach Ordnung entstehen Rückzug und Abstand, aus unterdrückter Bedürftigkeit der rasche Zorn, der Zuwendung sucht.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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