Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Agnus castus (Agn.)

Agnus castus (Agn.) steht im Repertorium in 265 Rubriken. Davon sind 13 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 16 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, der Stumpfheit, der erotischen Raserei und der Verzweiflung, dazu bei Sexualität und Tod. Das Bild ist das eines Menschen, dessen Geist nach sexueller Erschöpfung und Selbstverachtung zur Leere neigt.

Sexualität, Stumpfheit und Verzweiflung

Der Kern liegt im Verhältnis von Trieb und Erschöpfung. Die kleinen Rubriken verbinden Stumpfheit mit Impotenz, mit Pollutionen und Samenabgang, Gleichgültigkeit mit Masturbation, geistige Verwirrung mit Masturbation und Verzweiflung mit heftigem sexuellem Verlangen. Daneben steht die erotische Raserei, die morgens beim Aufstehen auftritt und als Single-Rubrik verzeichnet ist. Man kann darin einen Menschen sehen, der von einem Verlangen getrieben wird, das ihn danach entleert zurücklässt.

Selbstverachtung und Widerspruch

Die Stimmung schwankt zwischen Überhebung und Niedergang. Hochmut wechselt mit Entmutigung, Exzentrizität mit Verachtung für sich selbst; beide Wechselrubriken sind Single-Rubriken. Auch die Traurigkeit hat einen eigenen Anlass: „Traurigkeit – Milch, nach Versiegen der“. Hinzu tritt die Todesahnung, die Überzeugung, bald zu sterben und nicht mehr gerettet werden zu können, sowie die Furcht vor dem Tod nach der Entbindung.

Wahnideen von Dasein und Leichtigkeit

Die Wahnideen betreffen das Dasein selbst: der Zweifel, ob irgendetwas existiert, die Überzeugung, die Umgebung existiere nicht, das Gefühl, niemand zu sein, und der Eindruck, die Luft im Zimmer sei „bedrückend und dick“. Nach dem Koitus erscheint der Körper leichter als Luft. Das lässt sich lesen als ein Schwinden von Gewicht und Wirklichkeit, das auf die Verausgabung folgt.

Zusammenfassung

Agnus castus zeichnet im Repertorium ein Bild der Entleerung: ein Verlangen, das sich verbraucht, eine Selbstachtung, die zwischen Hochmut und Verachtung wechselt, und ein Dasein, das sich ins Ungewisse auflöst. Die Rubriken zu Sexualität und Gemüt stehen dabei so dicht beieinander, dass beide Bereiche als zusammengehörig erscheinen.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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