Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Alcoholus (Alco.)
Alcoholus (Alco.) steht im Repertorium in 260 Rubriken. Davon sind 20 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 23 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, den Gesten und Gebärden, der Leutseligkeit, dem Singen und Spaßen, der Eifersucht und dem Koma. Das Bild gleicht dem eines Menschen im Rausch: Enthemmung und Geselligkeit auf der einen Seite, Verfolgungsfurcht und Gewalt auf der anderen.
Enthemmte Geselligkeit
Der Rausch öffnet zunächst die Tür zu allen. Das Repertorium verzeichnet Leutseligkeit, Albernheit beim Reden in der Betrunkenheit, ungestümes, übermütiges Singen und ein Spaßen, das ausgelassen und zügellos wird; die letzten beiden Wendungen stehen als Single-Rubriken da. Der Wunsch nach Gesellschaft hat keine Grenze, denn die Person „Verbrüdert sich – mit der ganzen Welt“, und selbst die Feinde nimmt sie ein: „Leutseligkeit, Umgänglichkeit – Feinden, gegenüber“. Neben diese Offenheit tritt ein Spott, der sich gegen die eigenen Freunde kehrt, und ein unternehmungslustiges Wesen, das immer bereit ist. Das lässt sich lesen als eine Selbstsicherheit auf Zeit: Eine Rubrik hält fest, dass der Mangel an Selbstvertrauen durch Bier besser wird.
Verfolgung und Bedrohung
Unter dieser Geselligkeit liegt eine andere Schicht. Die Wahnideen kreisen um Verfolgung: Mörder, Einbrecher und Räuber stellen der Person nach, und ein Feind liegt ständig auf der Lauer, so die Single-Rubrik „Wahnideen – Feind – Verletzung zuzufügen, ein Feind liegt ständig auf der Lauer, um ihr/ihm eine“. Daneben stehen die Vorstellung, auf einem Schiff in einem Sturm zu sein, und die Furcht, in einen Abgrund zu stürzen. Die Angst wird nicht eingestanden, sondern überspielt, was die Single-Rubrik „Angst – verbirgt, versteckt, die sie/er vergeblich“ ausdrückt. Die Bedrohung scheint sich im Wahn ebenso einzurichten wie die Freundlichkeit im Rausch; beide gehören zum selben Zustand.
Eifersucht und Gewalt gegen die Nächsten
Der Streit sucht sich seinen Anlass. Streitsüchtig und zänkisch ist die Person, wenn sie betrunken ist, und die Rubriken zur Eifersucht beschuldigen den Ehepartner der Untreue. Daraus erwächst Gewalt im engsten Kreis: „Drohen, droht – töten, droht zu – Ehefrau und Kinder“, ergänzt durch das Verlangen, Frau und Kinder zu töten. Ungeduld entzündet sich am geringsten Widerspruch. Der Umschlag von der Verbrüderung mit der Welt zur Drohung gegen die Nächsten ist das Spannungsfeld dieses Mittels.
Unruhe der Hände
Die Ruhelosigkeit zeigt sich im Körper. Verzeichnet sind unwillkürliche Bewegungen der Hände im Zustand der Ruhe, auch greifende, beide als Single-Rubriken, und die Ruhelosigkeit, die die Person vergeblich zu verbergen sucht. Ein unkontrollierbares Verlangen gehört in dieselbe Richtung. Von hier aus ist der Weg kurz zu Fehlern im Umgang mit Gegenständen und zu absurden Einbildungen.
Koma und Zusammenbruch
Am Ende steht der Zusammenbruch. Das Koma erscheint mit herabfallenden Lidern und mit zusammengezogenen Pupillen. Das Repertorium kennt zudem Weinen durch Alkohol, Geisteskrankheit nach Kopfverletzungen und die bipolare Störung bei Alkoholikern. Der Rausch führt demnach durch Heiterkeit, Argwohn und Zorn bis in die Bewusstlosigkeit.
Zusammenfassung
Das Mittelbild folgt dem Gang eines Rausches. Am Anfang steht eine übermütige, grenzenlose Geselligkeit; unter ihr lauern Verfolgungsfurcht und verborgene Angst, und in den nächsten Beziehungen schlagen sie in Eifersucht und Drohung um. Wo das Maß verloren ist, bleibt am Ende nur noch die Bewusstlosigkeit.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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