Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Alumina (Alum.)
Alumina (Alum.) steht im Repertorium in 1.139 Rubriken. Davon sind 79 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 92 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, der Furcht, der Suizidneigung, der Angst und den Rubriken zu Kindern, dazu bei Antworten, Eile und Langsamkeit. Das Bild ist das eines Menschen, dessen Selbst unsicher geworden ist: Er erlebt sich als fremd, handelt zu langsam, schwankt zwischen Zaghaftigkeit und Zuversicht und wird vom Anblick von Blut und Messern in suizidale Gedanken getrieben, die er verabscheut.
King-Pin-Symptom: Schüchternheit im Wechsel mit Selbstsicherheit
Das King-Pin-Symptom des Mittels ist der Wechsel von Schüchternheit und Selbstsicherheit: „Schüchternheit, Zaghaftigkeit – abwechselnd mit – Selbstsicherheit“. Es steht als Single-Rubrik im Repertorium und wird durch Gegenstücke ergänzt: Schüchternheit wechselt mit Zuversicht, Zuversichtlichkeit wechselt mit Entmutigung und mit Schüchternheit, Furcht wechselt mit Mut, und der Mut wechselt mit Furcht. Die Haltung hat keinen festen Stand, sie pendelt. Dazu passt der Mangel an Selbstvertrauen, der sich im Gebrauch der willkürlichen Muskeln zeigt: Die Person kann nicht beenden, was sie beabsichtigte. Auch der Wille verliert die Kontrolle, mit einem dumpfen Gefühl im Kopf.
Messer, Blut und Suizid
Eine Gruppe von Rubriken gilt dem Anblick von Messern und Blut und ist die auffälligste des Mittels. Als Single-Rubriken stehen: der Mensch kann kein blutiges Messer sehen, beim Anblick eines Messers entsteht die Suizidneigung, auch wenn die Person den Gedanken verabscheut, und der Wunsch, sich die Kehle durchzuschneiden. Der Anblick von Blut oder einem Messer löst Lebensüberdruss und schreckliche Gedanken aus; eine Wahnidee zum Selbstmord beim Anblick eines Messers, die Furcht vor dem Selbstmord mit einem Messer und, in kleinen Rubriken, das Verlangen zu töten beim Anblick eines Messers oder Gewehrs gehören dazu. Es besteht der Wunsch, sich mit scharfen Waffen zu töten, auch in der Manie. Zugleich verzeichnet das Repertorium die Furcht, Wunden zu sehen, und die Furcht vor Selbstmord. Die Spannung zwischen innerem Impuls und Abscheu davor ist das Kennzeichen.
Fremdheit des Selbst
Zahlreiche Wahnideen betreffen die Identität. Das Bewusstsein befinde sich außerhalb des Körpers oder gehöre jemand anderem; jemand anderer würde außerhalb für sie sehen und sprechen; sie sehe durch die Augen eines anderen, und sie könne nur sehen, wenn sie sich in einen anderen verwandle. Die eigene Stimme klingt fremd und scheint wie Donner zu hallen, Stimmen erscheinen sonderbar, und beim Sprechen scheint es, als würde jemand anderes sprechen. Im Spiegel sieht die Person jedermanns Gesicht außer dem eigenen. Dazu das Gefühl der Dualität: Nicht sie, sondern jemand anderes sei krank. Weitere Wahnideen: gefühllos, taub, glatt, betrunken mit Benommenheit, drehend, der Boden sei elastisch.
Furcht und Angst
Die Furcht richtet sich auf Epilepsie und Apoplexie am Morgen, auf Rotes, auf Vergiftung mit Aluminium, darauf, von Hinterhergehenden geschlagen zu werden, auf Bewusstlosigkeit, auf Bettnässen und auf das Schwachsinnigwerden. Sie gilt Unfällen, vor allem einem tödlichen, und dem Unheil, das sie überwältigt. Die Angst tritt beim Eintreten in ein Zimmer und beim Eintreten ins Haus auf, vom Aufstehen vom Liegen, in der Nacht zwischen vier und fünf Uhr, bei drohendem epileptischem Anfall und mit dem Gefühl, die Pflicht nicht erfüllt zu haben. Das Auffahren geschieht vor dem Einschlafen, aus dem Schlaf und zu Beginn des Urinierens.
Langsamkeit und Antworten
Alum. besitzt eine bemerkenswerte Tempo-Gruppe. Die Person ist langsam in der Ausführung von Dingen, aber hastig: „Eile, Hast, Hektik – langsam in der Ausführung von Dingen, aber“. Sie kann nicht zur Eile angetrieben werden, empfindet, dass sich die Dinge nicht schnell genug bewegen, und ist bei Eile gereizt. Die Antworten sind schwerfällig, unbestimmt, unklar und vage. Die Langsamkeit steigt mit Heimweh und besteht in der Schmerzreaktion. Geistesabwesenheit wechselt mit Lebhaftigkeit, Fröhlichkeit und Verwirrung.
Kinder, Körper und Weiteres
Die Gedeihstörung betrifft Flaschenkinder mit trockener, runzeliger Haut, und es gibt eine Pubertätsbleichsucht mit Verlangen nach unverdaulichen Substanzen. Lachen wechselt mit Konvulsionen und Krämpfen. Eine Rubrik verknüpft Beschwerden mit der Unterdrückung der Linkshändigkeit. Der Mond verschlimmert bei zunehmendem Mond, saure Gerüche stören, und Sänger leiden an schwacher Stimme und Sprache. Das Gesicht wird gerieben oder gewischt, was bessert. Eifriges, inbrünstiges Beten und Mutlosigkeit gehören ebenfalls dazu.
Zusammenfassung
Alum. zeigt im Repertorium ein Selbst, das seinen festen Stand verloren hat. Die Person wechselt zwischen Zaghaftigkeit und Zuversicht, handelt zu langsam und kann nicht angetrieben werden, erlebt Bewusstsein, Stimme und Blick als fremd und sieht im Spiegel jedes Gesicht außer dem eigenen. Der Anblick von Blut oder Messern löst Impulse zu Selbsttötung und Tötung aus, die sie zugleich verabscheut. Das King-Pin-Symptom, der Wechsel von Schüchternheit und Selbstsicherheit, drückt die Unbeständigkeit der Haltung in einer einzigen Rubrik aus.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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