Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Ammonium carbonicum (Am‑c.)
Ammonium carbonicum (Am‑c.) steht im Repertorium in 625 Rubriken. Davon sind 31 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 33 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei der Mürrischkeit, bei Angst und Furcht, bei den Fehlern im Sprechen, bei Wahnideen und Reizbarkeit sowie bei den Kindern. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, dessen Laune vom Wetter und von der Tageszeit abhängt und der abends und nachts grübelnd bei erlittenem Unrecht verweilt.
Wetter und Stimmung
Der auffälligste Zug ist die Abhängigkeit vom Wetter. Das Repertorium verzeichnet eine Mürrischkeit bei Gewitter, bei Sturm, bei Regen und bei bewölktem Himmel, die Rubrik „Mürrisch – Wetter – schlechtes, durch“ fasst sie zusammen. Dieselbe Empfindlichkeit zeigt sich als Außer-sich-Sein bei schlechtem Wetter, als Vergesslichkeit bei Sturm und als allgemeine Verschlechterung bei nassem Wetter. Die Stimmung folgt dem Himmel, ohne dass die Person selbst eine Ursache angeben könnte. Mürrisch wird sie auch nach Fieber, und Reizbarkeit bleibt nach Hitze zurück.
Zeiten der Angst
Die Angst und die Furcht binden sich an bestimmte Stunden. Verzeichnet sind Angst am Nachmittag zwischen 17 und 19 Uhr, am Abend zwischen 19 und 20 Uhr, Furcht vor Unglück am Vormittag und am Morgen, Ruhelosigkeit um 19 Uhr sowie Reue und Gewissensangst am Nachmittag. Eine Single-Rubrik hält fest: „Angst – nachmittags – 17-19 Uhr“. Bei der Furcht bleibt oft ein Beiklang von Kälte, und der Wahn, ein Verbrechen zu begehen, ist ebenfalls an die Zeit zwischen 17 und 18 Uhr gebunden. Die abendliche Angst bessert sich im Bett.
Verweilen bei erlittenem Unrecht
Am Abend und in der Nacht wendet sich die Person nach innen. Sie denkt an alles, was andere ihr angetan haben, und liegt wach darüber, doch nimmt sie am Morgen alles wieder vergessen mit: „Verweilt – denkt an alles, was ihr/ihm andere angetan haben – liegt wach und denkt daran – vergessen, morgens hat sie/er alles wieder“. In derselben Richtung stehen die Aufregung bei dem Gedanken an Dinge, die andere zu ihrem Missfallen getan haben, das Beleidigen und Beschimpfen am Abend und eine Abneigung gegen weibliche Familienangehörige. Die Menses verändern das Wesen: Die Person ist dann zurückhaltend, still und streitsüchtig zugleich.
Sprechen und Sprache
Eine auffällige Gruppe betrifft das Sprechen. Die Fehler im Sprechen und Schreiben nehmen im Alter zu, das Sprechen fällt schwer nach dem Essen und wird als schmerzhaft empfunden. Im Schlaf spricht die Person und verrät Geheimnisse; sie spricht aus, was sie im Wachen gedacht hat, so lautet die Single-Rubrik „Sprechen – Schlaf, im – gedacht hat beim Wachsein, was sie/er“. Die Stimme wird rau, wenn sie spricht. Man kann darin ein Mitteilungsbedürfnis sehen, das sich am Tag nicht entlädt.
Wahnideen und Unruhe
Die Wahnideen sind knapp, aber eigenartig. Die Umgebung scheint sich im Kreis zu drehen, Schwierigkeiten drohen, und die Person könnte ein Verbrechen begehen. Dazu kommen Drehbewegungen, die sich verschlimmern, und unwillkürliche Bewegungen der Hände. Ruhelosigkeit, Aufschrecken und Stöhnen beim Erwachen verbinden sich mit Hilflosigkeit bei Herzbeschwerden.
Kinder
Bei den Kindern (34) steht neben der Reizbarkeit eine eigene Rubrik: Das Kind macht alles schmutzig. Sie fügt sich in ein Bild, in dem Übellaune und Unordnung zusammengehen.
Zusammenfassung
Ammonium carbonicum zeigt im Repertorium eine Person, deren Befinden von äußeren Takten bestimmt wird: vom Wetter, von der Stunde, von den Menses. Wo sie sich selbst überlassen ist, abends und nachts, grübelt sie über erlittene Kränkungen nach, spricht im Schlaf aus, was sie am Tag verschweigt, und findet am Morgen eine erleichterte Leere vor.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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