Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Anhalonium lewinii (Anh.)
Anhalonium lewinii (Anh.) steht im Repertorium in 384 Rubriken. Davon sind 28 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 33 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, die in der Gesamtzahl der Rubriken mit 96 Einträgen weit vorn stehen, sowie bei Gedanken, Denken, Licht, Musik, Zeit und dem Gefühl, wie in einem Traum zu sein. Das Bild ist das einer Wahrnehmung, die sich von der Wirklichkeit löst: Farben, Formen und Zeit verändern sich, und die Person verlässt die gewohnte Welt in Richtung einer erhabenen, traumhaften.
Verwandelte Wahrnehmung
Das Sehen steht im Mittelpunkt. Die Rubriken führen Lichter in großer Zahl und ein Übermaß an Licht an, bunte und farbige Visionen, und Klänge, die wie Farben sind. Die Dinge verlieren ihre Gestalt: Dreidimensionale Gegenstände erscheinen zweidimensional, alles wirkt durchsichtig, Gegenstände sind verformt, kleine bewegen sich, Buchstaben scheinen vergrößert. Selbst der Raum zerfällt, und es gibt ein Gefühl von der Auflösung des Raumes. Auch das Hören ist verwandelt, denn Töne scheinen gespalten, und Trommeln erzeugen Euphorie. Die Sinne arbeiten nicht schwächer, sondern anders, und die Ordnung, die sie sonst stiften, löst sich.
Verlust von Zeit und Maß
Mit dem Raum geht die Zeit. Das Repertorium verzeichnet den Verlust des Zeitgefühls, baldige Ereignisse, die weit entfernt erscheinen, und eine Single-Rubrik, die einen Fehler in Bezug auf die Zeit beschreibt: „Fehler, macht – Zeit, in Bezug auf die – Gegenwart ist vermischt mit der Ewigkeit“. Dazu passen die Wahnideen, man habe eine Ewigkeit gelebt oder sei in der Ewigkeit, ebenso die Unsterblichkeit, die nur diesem Mittel zugeordnet ist. Dinge, die heute erledigt wurden, scheinen eine Woche zurückzuliegen. Die Person verliert die Orientierung bei allem und gerät in Verwirrung über Situationen.
Gedanken und Abstraktion
Das Denken verliert seine Hebel. Einzig in diesem Mittel ist die Unfähigkeit zum abstrakten Denken und zum Denken in Konzepten verzeichnet, während umgekehrt abstrakte Konzepte wie Bilder werden. Die Gedanken sind monoton und hartnäckig; sie erscheinen vom Willen getrennt, und Geist und Körper wirken voneinander gelöst. Überwältigende visuelle Eindrücke nehmen Durchführungsvermögen und Tatkraft. Zugleich steigt die Sorgfalt, und das Orientierungsvermögen ist erhöht, wenn die Person überempfindlich gegen die Umgebung ist.
Entrückung
Aus der Fülle der Eindrücke folgt eine Entrückung. Das Repertorium verzeichnet das Gefühl, im Himmel zu sein, Verzückung, erhaben, getragen zu werden von Musik, und die Vorstellung, der Körper sei immateriell. Die Person sieht sich selbst, steht neben sich, hört liebliche Glocken zahllos läuten und erlebt etwas Überirdisches mit Vitalität und lebhaftem Bewusstsein für sonst unbemerkte Vorgänge; sie hat Kreativkraft. Eine Single-Rubrik beschreibt zugleich die Entsagung in Bezug auf die Außenwelt.
Flucht und Spaltung
Die Entrückung hat ihre Kehrseite. Verzeichnet sind die Flucht vor der Wirklichkeit, die Flucht in eine Traumwelt und die Dissoziation von der Umwelt. Die Person antwortet jeder Wahngestalt, sieht maskenhafte und durchtriebene Gesichter und schließlich eine Zerrissenheit der Person, die Persönlichkeitsspaltung. Dazu fügt sich eine Warteschleife: Eine Single-Rubrik hält fest, dass die Person das Gefühl hat, sie müsse warten. Bei Kindern stehen stereotype, ständig wiederholte Fragen.
Zusammenfassung
Das Mittel erscheint als Bild einer Entgrenzung. Die Sinne vervielfachen sich, Raum und Zeit lösen sich auf, das Denken verliert die Begriffe und gewinnt Bilder. Was erhaben beginnt, birgt die Gefahr der Zersplitterung: Die Person flieht aus der Wirklichkeit und hat Mühe, sich selbst in ihr zu erhalten.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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