Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Antimonium crudum (Ant‑c.)
Antimonium crudum (Ant‑c.) steht im Repertorium in 675 Rubriken. Davon sind 43 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 47 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern, der Angst und Furcht, der Traurigkeit, der Stimme und Aphonie, der Suizidneigung und einer eigentümlich schwärmerischen Empfindsamkeit. Es ergibt sich das Bild eines überempfindlichen Menschen, der Berührung und Zuwendung zugleich braucht und abwehrt, nachts von Gedanken heimgesucht wird und im Mondschein weich und verzückt wird.
Berührung und Zuwendung
Mit 105 Rubriken ist das Kind die größte Hauptrubrik, und das beherrschende Thema ist die Berührung. Das Kind ist mürrisch, und es weint, sobald man es anfasst: „Kinder, allgemein – mürrisch – weinen bei Berührung“. Dieselbe Abwehr steht in mehreren Fassungen, als Abneigung gegen Berührung und gegen Liebkosung bei Kindern, ebenso in der Rubrik, in der emotionale Belastung beim Berührtwerden bis zur Ohnmacht führt. Zugleich verlangt das Kind getragen zu werden, und zwar um getröstet zu werden („Kinder, allgemein – getragen zu werden – Verlangen – getröstet zu werden, und“). Der Wunsch nach Nähe und die Unverträglichkeit von Nähe liegen nebeneinander. Hinzu treten Abneigung gegen das Waschen und gegen Wasser, ein Kind, das nur isst, wenn man es darum bittet, und eine Abneigung gegen die Gesellschaft von Kindern, wenn das Kind gestillt wird.
Empfindsamkeit und Verzückung
Eine zweite Gruppe betrifft die Rührung. Die Person wird sentimental in der Dämmerung, vor den Menses, bei Durchfall und, wie nur dieses Mittel, „Sentimental, schwärmerisch, rührselig – Mondschein, im“. Sie gerät in Ekstase beim Gehen im Mondschein, morgens wie nachts („Ekstase, Verzückung – nachts – Gehen im Mondschein, beim“). Kleine Rubriken ergänzen das Bild um Verträumtheit mit erotischer Färbung, um übertreibende Phantasien beim Gehen im Freien, um Liebe zu einer unerreichbaren Person und um das Verlangen nach der idealen Frau und dem idealen Mann. Es ist eine Gefühlslage, die sich an Stimmungen, Licht und Klang entzündet und sich vom Greifbaren fernhält.
Zuneigung und Abweisung
Dem Schwärmen steht das Gefühl des Abgewiesenseins gegenüber. Verzeichnet sind ein Anhänglichsein, das man nicht zugeben will, die Empfindung, ohne Zuneigung auskommen zu müssen („Zuneigung, Zärtlichkeit – auskommen, müsse ohne Zuneigung, Gefühl“), und eine Hysterie bei Mädchen durch enttäuschte Liebe. Dazu passt die Überempfindlichkeit gegen laute Geräusche und gegen Licht, das durch gefärbtes Glas fällt.
Nacht, Angst und Selbstmordgedanken
Die Nacht trägt eigene Rubriken. Die Angst setzt zwischen drei und fünf Uhr ein („Angst – nachts – 3-5 Uhr“), und die Suizidneigung ist auf das Bett bezogen: Der Gedanke an Selbstmord, auch durch Erschießen, treibt die Person aus dem Bett, weil sie ihn nicht verdrängen kann. Die kleinen Rubriken verbinden die Suizidneigung mit Magenbeschwerden und Magenschmerzen, die Verzweiflung ebenfalls mit Beschwerden des Magens. Das Gemüt erscheint hier an den Körper gebunden, als Last, die der Magen mitträgt.
Stimme und Beschäftigung
Die Aphonie ist die Hauptrubrik mit den meisten spezifischen Einträgen: Sie hängt von Bewegung, Anstrengung, Erhitzung und der Wärme des Zimmers ab, begleitet von empfindlichen Nasenlöchern, aber ohne Schmerz. Die Stimme wird rau durch Überanstrengung und bessert sich beim Gebrauch. Im Handeln fällt eine Zerstreutheit auf, die gerade das Geschäftige trifft: „Vergesslich, Vergesslichkeit – alles, vergisst – beschäftigt, wenn“. Wer viel zu tun hat, vergisst, zu essen oder die Ausscheidung zu verrichten.
Zusammenfassung
Antimonium crudum zeigt im Repertorium eine Empfindsamkeit, die sich nach Nähe sehnt und sie nicht erträgt. Das Kind weint unter der Hand, die es trösten soll; der Erwachsene schwärmt im Mondlicht und fühlt sich ohne Zuneigung, nachts treibt es ihn mit Gedanken aus dem Bett. Der Körper, in Stimme, Magen und Kragen, trägt die Spuren dieser Anspannung.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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