Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Argentum nitricum (Arg‑n.)
Argentum nitricum (Arg‑n.) steht im Repertorium in 1.248 Rubriken. Davon sind 67 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 78 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Der größte Schwerpunkt ist die Furcht mit 143 Rubriken, gefolgt von den Kindern, der Angst und den Wahnideen; dazu kommen Erwartungsspannung, Panik, Impulse und Störungen des Sprechens. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines ängstlichen, überhasteten Menschen, dessen Furcht räumlich gebunden ist, der von engen, hohen und überfüllten Orten bedrängt wird, vor jedem Ereignis in Erwartungsspannung gerät und mit Eile versucht, der Angst zuvorzukommen.
Erwartungsspannung und Eile
Die Erwartungsspannung ist das auffälligste Merkmal. Verzeichnet ist sie bei jedem ungewöhnlichen Ereignis, mit der Furcht zu versagen und mit dem Gefühl drohenden Unheils. Eine Single-Rubrik hält fest, dass die Person normal ist, wenn das Ereignis vorbei ist. Hinzu tritt Eile: die Hast, die verabredete Zeit einzuhalten, und eine zweite Single-Rubrik, in der die Person am Vortag einer Verabredung besorgt ist, dann aber vorzeitig fertig wird. Auch Prüfungen gehören hierher, vor denen ein Blackout droht. Die Eile steht im Dienst der Angst: Die Person geht schneller und ist erleichtert durch schnelles Gehen; Angst entsteht dagegen gerade beim schnellen Gehen, wenn die Person glaubt, einen Anfall zu bekommen. Wer sich beeilt, will der Furcht davonlaufen, und die Hast schafft die Furcht wieder neu.
Raumangst
Eine Besonderheit des Mittels sind die Ängste vor bestimmten Orten und Räumen. Verzeichnet sind die Angst vor schmalen Brücken, vor Tunneln, Aufzügen, Fahrstühlen, vor dem Autobahnstau, im Boot, im Flugzeug als Panik, vor öffentlichen Plätzen, Agoraphobie und die Furcht vor hochgelegenen Orten, von denen die Person abzustürzen fürchtet. Eine Single-Rubrik nennt die Angst vor Beengung. Gegenüber der Bahnfahrt zeigt sich eine Zeitstruktur: Die Angst besteht bei der bevorstehenden Reise und bessert sich im Zug. Die Furcht an bestimmten Hausecken vorbeizugehen und die Furcht, vor Geschäft und Arbeit am Nachmittag sind ebenso verzeichnet. Das Gefühl, keinen Boden unter den Füßen zu haben, beschreibt dieselbe Haltlosigkeit.
Wahnideen vom Einsturz
Von den 90 Wahnideen sind 28 spezifisch, und viele gehen von Wänden, Häusern und Absturz aus. Die Häuser zu beiden Seiten kommen näher und würden die Person zerquetschen; die Wände rutschen aufeinander zu, würden zerdrücken oder stürzen nach innen ein; Hausecken scheinen hervorzutreten, sodass die Person fürchtet, beim Gehen dagegen zu rennen. Gegenstände fallen herab, Mauern stürzen ein, und die Person glaubt, an bestimmten Punkten nicht vorbeizukommen, ohne zu stürzen. Auch der Wunsch oder die Vorstellung, aus der Höhe zu springen, ist verzeichnet. Die Umwelt wirkt wie eine Gefahr, die sich zusammenzieht. Dazu kommen ungewöhnliche Bilder: Die Person sei eine Flasche mit Sprudel, von einer schwarzen Schlange bedroht, von Gedanken ergriffen, und alles zu Hause habe sich verändert.
Hypochondrie und Arbeit
Mehrere Single-Rubriken verbinden Hypochondrie mit Arbeit und Angst: das Gefühl, die Arbeit werde schaden, das Verlangen, lange im Bett zu bleiben, die Angst beim Fahren oder Reiten und die Verzweiflung. Die Wahnidee, die Arbeit würde schaden, steht in der Wahnideenrubrik und als kleine Rubrik zur Untätigkeit. Eine Single-Rubrik hält zugleich fest, dass die Person fordert, wer nicht arbeite, solle auch nicht essen, aber vom Hunger getrieben heimlich isst. Weitere Rubriken nennen Abneigung gegen die Geschäftsarbeit, Angst vor dem Geschäft und die Beschwerden durch lang anhaltende geistige Anstrengung. Die Angst richtet sich weniger auf die Arbeit als auf die Folgen der eigenen Leistung.
Impulse und Irrationalität
Eine kleine, aber auffällige Gruppe betrifft krankhafte Impulse. Verzeichnet sind der Trieb, Absurdes oder Sonderbares zu tun, eigentümliche Impulse, Handlungen aus verborgenen, irrationalen Motiven, seltsame Einwände gegen jeden Vorschlag und die unsinnigsten Einwände gegen alle Vorschläge. Dazu kommen anhaltende, wiederkehrende und eigenartige Ideen, ein Wechsel von Leichtsinn und Versunkenheit und von Bedenkenlosigkeit und Geistesabwesenheit. Auch die Wut bei Kleinigkeiten und der Zorn um elf Uhr vormittags gehören dazu. Die Handlungen folgen nicht der Überlegung, sondern einem inneren Zwang, den die Person selbst nicht deuten kann.
Sprechen, Gedächtnis und Konzentration
Das Sprechen ist angstbesetzt: Verzeichnet sind Vergessen von Worten beim Sprechen, wobei die Person sich nach Hilfe umsieht, ängstliches Sprechen über den eigenen Zustand, das Frau und Kind weckt, Sprechen mit sich selbst über Sorgen, bei Kindern Stottern mit Verschlucken von Worten. Beim Studieren und Schreiben schwinden Konzentration und Bewusstsein, es wird dunkel vor den Augen, und das Schreiben erzeugt Benommenheit. Gedächtnisschwäche entsteht durch Traurigkeit und Tanzen. Die Angst ist vormittags um elf Uhr verzeichnet und lässt sich durch eine kleine Menge Whiskey bessern. Auch ein Zusammenhang der Angst mit Schreck durch eine Prüfung des Schicksals ist festgehalten.
Kinder und Verzweiflung
Bei den Kindern (121 Rubriken) stehen Angst vor dem Ohnmächtigwerden, Abneigung gegen Arbeit, leichte Beruhigbarkeit und ein altes, welkes, vertrocknetes Aussehen im Vordergrund. Die Verzweiflung gilt anderen und sich selbst, und eine Single-Rubrik beschreibt eine abgrundtiefe, ständige Angst, über die sich die Person ärgert. Das Gefühl, ausgesetzt zu sein, die Befangenheit und scheue Gesten ergänzen das Bild. Selbstmordgedanken bei Chorea und Willensschwäche durch Melancholie sind verzeichnet.
Zusammenfassung
Argentum nitricum zeigt im Repertorium ein Muster der erwartungsvollen, räumlich gebundenen Angst. Vor jedem Ereignis steigt die Spannung, die Eile soll ihr zuvorkommen, und enge, hohe oder überfüllte Orte lösen Panik aus, die sich in Wahnideen von einstürzenden Wänden und zusammenrückenden Häusern verdichtet. Impulse und Einwände folgen keiner erkennbaren Logik, das Sprechen und Denken stocken unter Druck. Es ist das Bild eines Menschen, der von der eigenen Vorwegnahme der Gefahr getrieben wird.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
Repertorium kennenlernenKostenlos ausprobierenEin Nachschlagewerk für Fachleute; ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.