Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Arsenicum album (Ars.)

Arsenicum album (Ars.) steht im Repertorium in 2.872 Rubriken. Davon sind 224 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 312 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei der Angst, den Wahnideen, der Furcht und der Ruhelosigkeit, dazu bei den Rubriken zu Kindern, zur Suizidneigung und zur Bewusstlosigkeit. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der sich durch Ordnung, Genauigkeit und Vorsorge gegen eine Bedrohung sichert, die er überall vermutet, und der in Angst, Ruhelosigkeit und Verzweiflung zerfällt, sobald diese Sicherung versagt.

Die Ordnung als Mittelpunkt

Der Kern liegt in der Ordnung. Das King-Pin-Symptom lautet: „Ruhe – kann nicht ruhen (ausruhen), wenn Dinge nicht am richtigen Platz sind“. Die Anmerkung der Quelle fasst es so: Es scheinen dem Betroffenen die Dinge nicht in Ordnung, und sie müssen so sein, wie er sie sich vorstellt; Ruhe gibt es erst, wenn die Ordnung wiederhergestellt ist, und auf die Krankheit bezogen erst, wenn er geheilt oder die Krankheit unter Kontrolle ist. Um diese Mitte gruppiert sich eine große Zahl von Single-Rubriken: preußische und militärische Ordnung, das Bedürfnis, dass alles in Reih und Glied steht, Makellosigkeit, Präzision, ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein, Überkorrektheit und Überorganisation, mathematische Ausdrucksweise und sogar das Bedürfnis nach einem Marsch im Gleichschritt. Auch bei Kindern wiederholt sich das Muster, die Spielregeln müssen genauestens eingehalten werden. Die Unordnung wirkt umgekehrt als Bedrohung: Verzeichnet sind die Angst vor Chaos, die Empfindlichkeit gegen Durcheinander und das Gefühl, durch Chaos bedroht zu sein.

Strenge, Pflicht und Rang

Was nach innen Ordnung heißt, zeigt sich nach außen als Strenge. Die Rubriken nennen eine starre, stramme und strenge Haltung, eine strenge Lebensführung und den Glauben an einen strengen Gott. Zur Strenge gehört die Pflicht: Die Person handelt aus Pflichtgefühl, verwendet größte Anstrengung auf die Erfüllung ihrer Aufgaben und hat das Gefühl, ständig arbeiten zu müssen. Eine Single-Rubrik hält die Kehrseite fest: „Arbeit – Ersatz für Gefühle und Beziehungen, als“. Die Ziele sind hochgesteckt, teils unerreichbar; wer sie verfehlt, tadelt sich, nicht genug erreicht zu haben. Zugleich ordnet sich die Person ein. Sie ist aristokratisch, elitär, sieht sich als etwas Besseres, fürchtet aber, Befehle erteilen oder gehorchen zu müssen, und ist Autoritäten gegenüber unterwürfig.

Besitz, Sicherheit und Verunreinigung

Wer so viel zu bewahren hat, sorgt sich um den Besitz. Die Rubriken verzeichnen die Angst um den Besitz, die Angst vor dem Verlust der Errungenschaften, das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit und viele Sicherheitsvorkehrungen. Die Wahnideen führen die Gefahr vor Augen: Diebe, die nachts unter dem Bett lauern, ein Bett voller Ungeziefer und Würmer, Menschen im Haus, die einen Anschlag auf das Leben planen, die Befürchtung, vergiftet zu werden. Die Bedrohung wird stofflich gedacht, als Verunreinigung, Krankheitserreger oder Parasit. Eine Single-Rubrik nennt sogar die Angst vor Lebendigem; eine andere die vor dem Zufall, dem Ereignis, das sich nicht einplanen lässt.

Gesundheit und Tod

Dieselbe Sorge richtet sich auf den eigenen Körper. Der Mensch denkt andauernd an seine Beschwerden, spricht über seine Gesundheit, berichtet Diagnosen, wechselt den Behandler und verlangt, dass dieser ihn sofort heile. Allein zu sein verschärft die hypochondrische Angst. Die Furcht vor dem Tod hat viele Gestalten, vom nächtlichen Zeitfenster zwischen ein und zwei Uhr bis zur Atemnot mit Ruhelosigkeit, und sie kann das Heilen selbst entwerten: „Furcht, Phobie – Tod, vor dem – Medikamente zu nehmen, daher sei es nutzlos, die“. Wo die Verzweiflung überhandnimmt, melden die Rubriken Suizidneigung, durch Aufhängen, durch einen Sprung aus dem Fenster aus Furcht, durch einen Stich ins Herz; unter den Wahnbildern erscheinen Menschen, die sich erhängt haben. Auch der Tod kann als Erlösung erlebt werden.

Ruhelosigkeit und Wechsel der Zustände

Hinter der Beherrschung liegt die Unruhe. Die Ruhelosigkeit ist ängstlich, treibt die Person zu irgendeiner Tätigkeit, wirft sie im Bett umher oder lässt sie sich auf dem Boden wälzen; die qualvolle Angst findet an keinem Ort Ruhe. Sie tritt bei Asthma, Lungenentzündung und Ödemen auf und wechselt mit Schwäche, mit Bewusstlosigkeit oder mit Schläfrigkeit und Stupor im Fieber. Ebenso lösen sich seelische Zustände ab: Gleichgültigkeit mit Verzweiflung, Reizbarkeit und Hass mit Verzweiflung, Empörung mit Milde. Entmutigung und Unbehagen treten im Frost auf, das Delirium wird widerspenstig und unlenksam.

Schärfe nach außen

Die Strenge richtet sich auch gegen andere. Die Rubriken verzeichnen Lachen über die Fehler anderer, Freude über das Unglück anderer, das starke Bedürfnis, zu korrigieren, Tadelsucht, die Neigung zum Petzen und den Impuls, jemanden zu vergiften oder zu töten. Dem entspricht, dass die Person sich selbst bewertet. Eine Single-Rubrik nennt „Ausmerzen“, eine andere das Bedrängen; man kann darin eine Ordnung lesen, die das Unpassende nicht dulden will.

Kinder

Die Rubriken zu Kindern sind zahlreich. Sie zeigen den kleinen Menschen schon vom Zustand geprägt: Er hat immer etwas zu tun, hält die Spielregeln streng ein, ist voller Furcht um die Sicherheit, steigert sich bis zu Panik und Verzweiflung und lässt sich beim schwierigen Zahnen nur beruhigen, wenn er schnell getragen wird.

Zusammenfassung

Arsenicum album erscheint im Repertorium als ein Mittel der Absicherung. Der Mensch hält die Welt durch Ordnung, Strenge und Vorsorge zusammen und verliert, wenn ein Stück davon bricht, den Halt in Furcht und Ruhelosigkeit. Die Härte gegen sich und andere, die Sorge um Besitz und Gesundheit und die Angst vor Tod und Chaos erscheinen als Teile derselben Anstrengung, nichts dem Zufall zu überlassen.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

Repertorium kennenlernenKostenlos ausprobieren

Ein Nachschlagewerk für Fachleute; ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.