Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Atropinum purum aut sulphuricum (Atro.)

Atropinum purum aut sulphuricum (Atro.) steht im Repertorium in 228 Rubriken. Davon sind 26 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 18 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, der Sprache und dem Delirium, dazu bei der Furcht, den Antworten und der Raserei. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, dessen Wahrnehmung und Rede sich vom Gegenüber gelöst haben und der in einem Delirium aus Bildern, Gesten und zusammenhanglosen Worten lebt.

Wahnbilder

Die Wahnideen bilden den größten Block, und er ist alltäglich und bizarr zugleich. Die Person sieht Gestalten, riesige Gespenster am Bett und in der Nacht, sieht Menschen im Zimmer, spricht laut und zusammenhanglos zu eingebildeten Personen. Ebenso gewöhnlich sind die Einbildungen: Sie glaubt, zu nähen, zu essen, ein Kind zu stillen, mit Spielzeug zu spielen, Zeitungen zu sehen, mit der Schwester einzukaufen oder mit der Eisenbahn wegfahren zu müssen. Dazu kommen Tausendfüßler und der Glaube, ein nasses Tuch auf dem Kopf bedeute, draußen im Regen gewesen zu sein. Das Gemeinsame liegt in einem Alltag, der sich in die Vorstellung verlagert hat, ohne dass die Person den Unterschied bemerkt.

Sprache und Antwort

Die Rede folgt dem Wahn. Verzeichnet sind unzusammenhängende, verworrene und irrelevante Sprache, Murmeln beim Erwachen in der Nacht, Sprachverlust durch Trockenheit von Mund und Hals. Verwirrung und Unzusammenhang treten beim Schließen der Augen und am Morgen nach dem Erwachen hervor. Die Antworten sind fehlerhaft oder gleichgültig; wer fragt, erreicht den Kranken nur noch zufällig.

Greifen, Unruhe und Raserei

Auch der Körper beteiligt sich am Delirium. Die Hände greifen nachts unwillkürlich, ein Versuch, nach Büchern zu greifen, ist eigens verzeichnet. Ruhelosigkeit, Lachen, das als idiotisch beschrieben wird, und Raserei kommen hinzu, die bei Bauchschmerz und Peritonitis auftritt. Stupor und Delirium lösen einander ab: Die Single-Rubrik „Stupor – abwechselnd mit – Delirium“ hat im kleinen Bereich ihr Gegenstück in „Delirium – abwechselnd mit – Stupor“.

Furcht

Die Furcht richtet sich auf das Lebendigbegrabenwerden, auf Erblinden, auf Unglück in der Hitze, und bei Pankreasbeschwerden; dazu tritt die Wahnidee, das Blut zirkuliere nicht richtig. Man kann darin die Angst des Kranken vor dem Ausgeliefertsein an den eigenen Körper sehen.

Zusammenfassung

Das Repertorium zeichnet ein Delirium, in dem Bilder, Gesten und Reden einander überlagern, während die Verbindung zur Umgebung abreißt. Zwischen Erregung und Stupor wechselnd, bleibt der Mensch den eigenen Einbildungen überlassen, mit einer Furcht, die vor allem Enge, Blindheit und den Körper selbst betrifft.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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