Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Aurum metallicum (Aur.)
Aurum metallicum (Aur.) steht im Repertorium in 1.646 Rubriken. Davon sind 71 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 198 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern (155), der Traurigkeit (92), den Wahnideen, den Beschwerden durch bestimmte Ursachen und der Suizidneigung (61), dazu bei Verzweiflung, Religion und Tod. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines pflichtbewussten, verantwortungstragenden Menschen, der an den eigenen Ansprüchen verzweifelt, sich selbst anklagt, in Hoffnungslosigkeit und Selbstmordgedanken versinkt und im Gebet, in der Arbeit und im Absoluten Halt sucht.
Pflicht, Verantwortung und Selbstanklage
Der Grundton ist ein überhöhter Anspruch an sich selbst. Die Rubriken verzeichnen ein starkes Ehrgefühl, die Übernahme von Verantwortung, unermüdliches Arbeiten und viel Arbeiten, ein absolutistisches Denken und einen Absolutheitsanspruch, ferner Führungsposition, Autonomie und Aufsteigertum. Single-Rubriken halten das Gefühl fest, eine untragbare, schwere Aufgabe zu haben, in der eigenen Existenz bedroht zu sein, Probleme mit der eigenen Autorität zu haben und von Hindernissen aufgehalten zu werden. Dem steht die Selbstanklage gegenüber: sich selbst anklagen, beschuldigen und tadeln, mürrisch gegenüber sich selbst sein, über vernachlässigte Pflicht trauern, über die Folgen der eigenen Handlungen Kummer empfinden und die Furcht, die Pflichten zu vernachlässigen. Bei der Wahnidee, ein Unrecht begangen zu haben, brütet die Person darüber, ebenso bei der Wahnidee, Freunde vernachlässigt zu haben. Kinder sind perfektionistisch und zu selbstkritisch. Wer sich so viel zumutet, kann sich nur schwer verzeihen.
Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit
Die Traurigkeit ist tief und äußerlich bedingt zugleich. Verzeichnet sind bittere, verbitterte Traurigkeit, Traurigkeit im Alter, bei bewölktem Wetter, im Wechsel mit Streitsucht, Energie und Geisteskrankheit, und die Trostlosigkeit des Zimmers. Die Hoffnungslosigkeit umfasst die ganze Nacht und die Zukunft; es gibt ein Gefühl der Aussichtslosigkeit, des Verlassenseins, der Freudlosigkeit. Die Person findet kein Vergnügen und verlangt, von Gedanken an sich selbst abgelenkt zu werden; Unterhaltung bessert Langeweile und Langsamkeit. Merkwürdig und für das Mittel kennzeichnend sind die Gegenbilder: eine Single-Rubrik hält fest, dass Aurum bei lang anhaltender Krankheit oder Lungenbeschwerden voller Hoffnung ist, andere nennen Ausgeglichenheit trotz der Angst, nicht wieder gesund zu werden, und Ergebenheit ins Schicksal. Auch Fröhlichkeit beim Gedanken an den Tod ist verzeichnet. Verzweiflung und Fassung liegen nah beieinander.
Suizidneigung
Die Suizidneigung ist der größte Einzelschwerpunkt mit 28 spezifischen Rubriken. Verzeichnet sind die stille Vorbereitung auf den Suizid, Gedanken, die sich immer um den Selbstmord drehen, die Frage nach der einfachsten und sichersten Methode, der Entschluss ohne Entscheidung über die Art, der Gedanke an Ertränken, auch mit Vergnügen, und der Sturz aus dem Fenster aus Schmerz. Als Auslöser stehen enttäuschte Liebe, mit Weinen, Entbindung, drohender Abort, Prolaps oder Verhärtung des Uterus, Manie mit sexuellen Symptomen und geschäftlicher Misserfolg. Einzigartig sind einige Gegenstücke: Das Denken an Selbstmord bessert den Zustand, und Lachen wechselt mit Abscheu vor dem Leben und dem Wunsch zu sterben. Weiter stehen die Todesverachtung, der Todeswunsch am Abend, Gedanken an den Tod nachts und Freude oder Vergnügen an diesen Gedanken. Die Rubriken dokumentieren, dass der Wunsch zu sterben in diesem Bild eine ruhige, durchdachte Gestalt annehmen kann.
Religion, Berufung und Erlösung
Die religiöse Linie ist stark ausgeprägt. Verzeichnet sind eifriges, inbrünstiges und nächtliches Beten, flehendes Beten im Knien mit erhobenen Händen, lautes Beten bei Traurigkeit und zwanghaftes Beten, auch im Delirium tremens. Zugleich bestehen Gottesfurcht und eine Single-Rubrik, in der die Person Gott hasst. Die Verzweiflung gilt der Erlösung: Die Person zweifelt an der Erlösung, quält sich deswegen, hält sich der ewigen Glückseligkeit für unwürdig, weil sie den Pflichten nicht nachgekommen ist, und verlangt nach Buße. Als Gegenbild finden sich Auserwähltheit, das Gefühl, berufen zu sein, und der Gedanke, die Aufgabe sei untragbar. Jugendliche lesen viel in der Bibel, beten und knien. Hinzu kommen Frömmigkeit in der Nacht und Empfindlichkeit gegen Kirchenmusik. Der Anspruch an Gott und der Anspruch an sich selbst fallen hier zusammen.
Wahnideen und Körpergefühl
Unter den Wahnideen sind einige auffallend leere oder gespaltene Bilder: Der ganze Körper sei hohl, es gebe ein Leeregefühl, das Herz würde sich drehen, es gebe eine Zerrissenheit der Person oder Persönlichkeitsspaltung. Weiter sind verzeichnet: Hindernisse liegen im Weg, die Person vor einem sei der Vater, Gesichter erscheinen größer oder blicken aus den Ecken, Gespenster schweben in der Luft, und ein monströser Kopf erscheint an der Wand. Dazu kommen die Abseitigkeit von der Welt und das Gefühl, abseits zu stehen. Das Herz ist ein eigener Bezugspunkt: Gemütssymptome wechseln mit Herzbeschwerden, Verzweiflung besteht bei Herzerkrankung, und Bewusstlosigkeit tritt bei Herzleiden auf.
Wechsel und Heftigkeit
Neben der Schwere stehen Umschläge. Fröhlichkeit wechselt mit Gereiztheit, Gewalttätigkeit, Heftigkeit, Verzweiflung und stillem Wesen; Lachen wechselt mit Gewalttätigkeit, Heftigkeit und Lebensüberdruss; Gleichgültigkeit wechselt mit Aktivität. Zorn tritt mit Verzweiflung und mit Zittern bei unterdrücktem Zorn auf, und Beschwerden entstehen durch Vehemenz und Ungestümheit. Das unwillkürliche Lachen und Lächeln beim Sprechen, die pathetische und schwärmerische Sprache und die Neigung zu endlosen Fragen runden das Bild ab. Auch eine Eile ist verzeichnet, bei der die Person nichts schnell genug tun kann.
Kinder und Knaben
Die Kinderrubriken zeigen hoffnungslosen Kummer, den Eindruck von Leblosigkeit, Traurigkeit schwächlicher, entkräfteter Knaben und Gedächtnisschwäche und Gleichgültigkeit bei ihnen, Eigensinn nach Masturbation, Weinen beim Treffen von Freunden und das Verlangen nach Musik bei Säuglingen, die gestillt werden. Das Kind trägt dieselbe Schwere wie der Erwachsene.
Zusammenfassung
Aurum metallicum erscheint im Repertorium als ein Mittel der überhöhten Pflicht und der Verzweiflung am eigenen Maßstab. Verantwortung, Arbeit und Ehre bilden das Rückgrat, Selbstanklage und Hoffnungslosigkeit die Gegenseite, und die Suizidneigung ist so ausführlich differenziert wie bei keinem anderen Thema des Mittels. Religiöses Ringen um Erlösung und das Gefühl der Berufung verschränken sich mit Leere, Zerrissenheit und Herzbeschwerden. Das Bild ist das eines Menschen, der alles trägt, bis er daran zerbricht.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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