Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Barium carbonicum (Bar‑c.)

Barium carbonicum (Bar‑c.) steht im Repertorium in 1.104 Rubriken. Davon sind 38 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 80 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, die mit 176 Einträgen deutlich vor allen anderen stehen, dazu bei Furcht, Angst und Wahnideen, beim Sich-Verstecken, beim Spielen und bei der Stumpfheit. Das Bild ist das eines Menschen, der kindlich bleibt oder ins Kindliche zurückfällt: schüchtern, abhängig, vor Fremden verborgen und in seiner geistigen Entwicklung und im Gedächtnis eingeschränkt.

Kinder und Entwicklung

Die Kinderrubriken beschreiben ein kleines, zurückbleibendes Kind. Verzeichnet sind zwergenhaftes Wachstum, körperlich und geistig, Entwicklungsverzögerung der Drüsen, plötzliches Zurückbleiben in der Schule, ausbleibende oder verspätete Kinderkrankheiten, der Eindruck von Leblosigkeit und der Wunsch zu spielen mit kindischem Spielzeug, Puppen und Puppenstube. Das Kind sitzt in der Zimmerecke und spielt, oder es hat eine Abneigung gegen das Spielen. Die Rubrik „Kinder, allgemein – zwergenhaft – körperlich und geistig“ ist nur diesem Mittel zugeordnet. Gedeihen gelingt durch systematische Unterweisung, doch zugleich können Kinder nicht zu geistiger Arbeit angeleitet werden, und Schulkinder sind zerstreut und unaufmerksam. Beschwerden entstehen durch übermäßiges Beschützen durch die Eltern. Zur Kindlichkeit zählen weiter der Eigensinn mit Weinen bei freundlichem Zureden und die Empfindlichkeit gegenüber Spott.

Verstecken und Schüchternheit

Eine der charakteristischsten Gruppen ist das Verstecken. Single-Rubriken beschreiben Kinder, die sich vor Fremden verstecken, hinter der Mutter, und vor Besuchern, die über sie lachen würden, hinter den Möbeln. Die Gebärde, das Gesicht mit den Händen zu bedecken und durch die Finger zu blicken, ist in drei Rubriken verzeichnet. Bei Erwachsenen steht die Wahnidee, ausgelacht und verspottet zu werden: „Wahnideen – ausgelacht, verspottet zu werden, meint“. Sie traut sich nicht, den Blick aufzurichten, wenn sie auf die Straße geht, und versteckt sich hinter Möbeln. Hinzu kommen die Angst vor dem Auffallen, das Gefühl, bloßgestellt zu sein, und die Furcht vor neuen Bekanntschaften. Die Schüchternheit gegenüber Fremden steht neben dem Misstrauen und der Furcht vor Gesellschaft.

Gedächtnis und Verstand

Gedächtnisschwäche, Stumpfheit und Verwirrung zählen je rund 16 bis 19 Rubriken. Das Gedächtnis fehlt für Freunde; die Verwirrung hält Gegenwart für Vergangenheit. Spezifisch sind das Gefühl, die Aufgaben nicht bewältigen zu können, und das Gefühl, aufholen zu müssen. Dazu die Wahnidee, alle anderen machten es besser. Die geistige Armut, die Unfähigkeit, schwierige Wörter anders als mit geschlossenen Augen auszusprechen, und die Unfähigkeit, mit dem Löffel zu essen oder sich anzuziehen, ergänzen das Bild einer eingeschränkten Alltagskompetenz. Daneben stehen leichte Auffassungsgabe und einseitige Intelligenz. Im Alter kehrt das Kindische wieder: Single-Rubriken nennen Bewusstlosigkeit, Murmeln, Stöhnen und Stupor im Alter, kindisches Verhalten im Alter und die Unfähigkeit nachzudenken im Alter. Dazu passt die Single-Rubrik „Alten Menschen – agg., bei“.

Wahnideen und Furcht

Die Wahnideen bleiben kindlich oder körperbezogen. Verzeichnet sind kindliche Phantasien, die Vorstellung, stumm zu sein, zu Hause zu sein, obwohl man anderswo ist, auf den Knien zu gehen und beim Aufstehen hinzufallen. Menschen sehen die Person an, die Brustdrüsen seien zu groß oder zu klein, und die Beine fehlten, so die Single-Rubrik „Beine – fehlen, Täuschung“. Jedes Geräusch wird für einen Feueralarm gehalten, und ein lieber Freund liege krank im Sterben. Die Furcht trifft Fremde, neue Bekanntschaften, Geräusche auf der Straße und das Eisenbahnfahren. Sie tritt nachts plötzlich und beim Erwachen auf, als überwältigendes Unheil. Eine Single-Rubrik verbindet Feigheit mit plötzlichem Zornausbruch, eine weitere mit plötzlichem Zorn. Die Entschlossenheit ist trübsinnig. Die Person lächelt allein.

Stimme, Körper und Erscheinung

Die Aphonie wird durch Schleim im Kehlkopf und durch nasses, feuchtes Wetter verschlimmert; die Stimme ist bei Schnupfen hohl oder tief. Männer klagen über die Stimme. Bar‑c. kennt die Redseligkeit in der Schwangerschaft und die Flucht in der Schwangerschaft. Trotz der kindlichen Verfassung beschäftigt sie die persönliche Erscheinung, die ordentlich sein soll. Eine kleine Rubrik beschreibt einfache Menschen mit einfachem Gemüt. Die Trauer bezieht sich auf Kleinigkeiten, das Stöhnen auf jede Kleinigkeit, und die Person geht allein weg und weint, als habe sie keine Freunde. Der Widerwille gegen sich selbst bis zur Mutlosigkeit steht am Ende dieser Linie.

Zusammenfassung

Bar‑c. zeigt im Repertorium das Bild des Unselbständigen und Zurückgebliebenen. Die Kinderrubriken dominieren, und das Kindliche kehrt im Alter wieder: Entwicklungsstillstand, geistige Schwäche, Gedächtnisverlust, Angewiesensein auf Schutz. Das Verstecken, die Furcht vor Fremden, das Bloßgestelltsein und die Wahnidee, verspottet zu werden, zeigen die Angst, bemerkt und bewertet zu werden. Es fällt auf, dass die Person im Vergleich mit anderen immer das Gefühl hat, zurückzubleiben.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

Repertorium kennenlernenKostenlos ausprobieren

Ein Nachschlagewerk für Fachleute; ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.