Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Belladonna (Bell.)

Belladonna (Bell.) steht im Repertorium in 2.672 Rubriken. Davon sind 248 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 247 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, dem Delirium, der Furcht, den Kindern, den Gesten, der Raserei und der Geisteskrankheit. Es entsteht das Bild eines Menschen, in dem Erregung, Bilderflut und Wut jäh hervorbrechen und ebenso jäh in Stöhnen, Gleichgültigkeit oder Heiterkeit umschlagen; dahinter stehen eine Leichtigkeit im Umgang mit Ernstem und ein Zug zum Verbergen.

King-Pin-Symptome

Drei King-Pin-Symptome geben dem Mittel seine Mitte. „Frivol“ meint ursprünglich das Leichtfertige: Ernstes wird nicht ernst genommen, Beschwerden finden keine gebührende Beachtung, die Haltung ist eher optimistisch. „Licht – Verlangen nach“ lässt sich als Wunsch nach Helligkeit, Hoffnung und einer leichten Seite der Dinge lesen. Das dritte, „Verstecken – Gegenstände“, ist zugleich eine Single-Rubrik. Es beschreibt kein verschlossenes Wesen, sondern ein zeitweises, oft spielerisches Zurückhalten von Dingen, Absichten oder Tatsachen, das später aufgedeckt wird. In dieselbe Richtung weist die Rubrik, nach der das Verstecken dazu dient, den hohen Grad an Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, und „Verstecken – versteckt das Simulieren“.

Wahnideen

Die Wahnideen sind das umfangreichste Feld, bunt, bedrohlich und oft grotesk: Gespenster in Flammen, Tiere im Feuer, Masken, die nachts im Bett lachen, Riesen, Schildkröten im Zimmer, Fledermäuse und Stiere. Der eigene Körper erscheint braun gefleckt, Kopf und Nase durchsichtig oder zwischen den Oberschenkeln zusammensinkend. Das Bett wird zum Schauplatz der Täuschung: Jemand wolle die Decke wegnehmen oder das Bett auf und ab stoßen. Die Gefahr kommt von außen; Fremde greifen nach der Person, ein Polizist sei der Arzt, man habe jemanden erstochen. Daneben stehen heiter-phantastische Gestalten: Die Person sei ein Jongleur oder Magier, reite auf einem Ochsen oder sei „Wahnideen – arm, aber reich“. Auch der Wechsel zwischen Gesundheit und Krankheit wird zur Wahnidee, und das Gefühl, gesund zu sein, steht neben dem Gefühl äußerster Krankheit.

Delirium

Das Delirium äußert sich vor allem körperlich. Die Augen sind blutunterlaufen oder hervorstehend, das Gesicht livid, die Karotiden pulsieren, die Glieder verdrehen sich, die Arme werden umhergeworfen, es kommt zu Grimassen, wildem Lachen und Neigung zu schlagen. Der Delirierende läuft im Hemd umher, wirft sich aus der Höhe und versucht, auf den Boden oder neben die Toilette zu urinieren. In dieses Bild unruhiger Gewalt gehört die Rubrik „Delirium – klettert auf Mauern“, ebenso die Rubriken, in denen das Delirium mit Raserei, Jammern oder Lethargie abwechselt. Eine eigene Linie führt zu Segnung und Beten: Es wird um Segen gebeten oder aus Angst vor dem Getötetwerden gebetet.

Raserei, Manie und Wahnsinn

Die Wut ist von starrem, stierem Blick begleitet, sie dreht sich im Bett um, erkennt die Verwandten nicht und flammt bei der gewaltsamen Verabreichung eines Medikaments auf. Die Manie treibt zu Spucken und Beißen, zum Kratzen am eigenen Körper und zum Springen über Stühle und Tische; sie wechselt mit Abscheu. Das Verlangen zu beißen reicht vom Beißen aus Verrücktheit bis zum Beißen des Vaters, und das Zerreißen der eigenen Haut mit den Zähnen ist verzeichnet. Die Suizidneigung kommt im Freien und in der Manie vor, und die Raserei wechselt mit dem Wunsch zu sterben. Die Empfindlichkeit gegen Anrührung zeigt die Rubrik „Tollwut, Hydrophobie – Berührung erneuert den Anfall“; mit der Hydrophobie verbunden sind Greifen und Ruhelosigkeit beim Anblick von Getränken.

Furcht, Angst und Schreck

Die Furcht wendet sich gegen Tiere, auch eingebildete und schwarze, gegen die Umstehenden, gegen die Annäherung anderer, die ein Auffahren auslöst, und gegen das Verwesen des eigenen Körpers. Die Angst steht mit Druck auf der Brust in Verbindung, mit dem Gefühl, wegfliegen zu müssen, und im Wechsel mit Manie und Raserei. Der Schreck zeigt sich als jähes Auffahren und in verwirrter, irrationaler Rede. Qualvolle Angst und der Wunsch nach dem Tod gehen ineinander über.

Wechsel der Zustände

Der Wechsel durchzieht das ganze Bild. Angst und Manie, Überempfindlichkeit und Gleichgültigkeit, Stöhnen und Singen, Seufzen und Tanzen, Stumpfheit und Sehschwäche lösen einander ab. Als Gegenstück steht ein kleiner Bestand an Rubriken zur Ruhe: „Ruhe – verlangt nach Ruhe, aber nicht nach Stille und Frieden“ und das Verlangen, im Schlaf Frieden zu finden. Sie lassen sich lesen als Sehnsucht nach Erlösung von der Erregung.

Sprache, Töne und Sinne

Die Sprache ist im Delirium übertrieben und überzogen, im Schlaf delirös, am Abend unzusammenhängend und unter Schreck verwirrt; auch ein schmerzhaftes Sprechen ist verzeichnet. Die Stimme äußert sich in Krächzen und Quaken im Schlaf, Stöhnen bei jedem Atemzug und Stöhnen bei Gehirnerkrankungen. Die Sinne sind überreizt, besonders gegen Geräusche, selbst gegen die eigene Stimme. Das Koma bringt rasselnde Atmung, Hitze der Haut und unregelmäßigen Puls mit sich. Im Ganzen deutet sich ein Körper an, der von der Erregung vollständig ergriffen ist.

Kinder und Aufmerksamkeit

Bei Kindern erscheinen Besitzergreifen, Schlagen des eigenen Gesichts und Bauchs, plötzliches Zurückbeugen mit Schreien und eine Abneigung gegen Musik beim Stillen. Verwandt damit sind die Rubriken, in denen Aufmerksamkeit exzessiv verlangt und das Übertreiben von Problemen eingesetzt wird, um maximale Aufmerksamkeit zu bekommen. Dazu passt ein Zug der Selbstdarstellung: anständig, manierlich, selbstrespektvoll und nicht vulgär.

Zusammenfassung

Belladonna erscheint im Repertorium als ein Mittel der jähen Entladung, in dem Bilder, Wut und körperlicher Ausdruck aufeinanderprallen, während die King-Pin-Symptome auf eine leichte, hoffnungsvolle, zum Verbergen neigende Grundhaltung deuten. Zwischen Angst und Heiterkeit, Raserei und Ruhesehnsucht bleibt der Zustand in Bewegung, und das Verlangen nach Aufmerksamkeit tritt als eigener Faden hervor.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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