Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Borax veneta (Borx.)

Borax veneta (Borx.) steht im Repertorium in 633 Rubriken. Davon sind 68 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 54 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, bei der Angst vor Bewegung, beim Auffahren und bei der Empfindlichkeit gegen Geräusche, dazu beim Anklammern. Das Bild ist das eines Menschen, vor allem eines Kindes, dessen Nervensystem auf jede plötzliche Veränderung von Lage, Höhe oder Schall mit Erschrecken antwortet.

Angst vor dem Fall

Der Kern liegt in der Bewegung. Als Single-Rubriken verzeichnet das Repertorium die Angst bei der Fahrt in Aufzug, Fahrstuhl, Flugzeug, Seilbahn und Straßenbahn sowie die Angst bei jeder Aufwärtsbewegung, und die Rubrik „Angst – Schaukeln, beim“ gehört in dieselbe Reihe. Die kleinen Rubriken ergänzen die Gegenrichtung: Angst bei Abwärtsbewegung, beim Bergabfahren und auf einer Brücke, dazu Auffahren aus Angst zu fallen. Bei Kindern wird die Furcht greifbar. Es fürchtet, aus der Wiege gehoben zu werden, und schreit, als falle es, wenn es getragen wird; es klammert sich an die Pflegeperson. Auch die Angst eines Kindes, das von jemandem getragen wird, der tanzt, steht als eigene Single-Rubrik da. Das Muster ist einheitlich: Der Boden unter dem Körper gibt nach, und das Erleben ist das eines drohenden Sturzes.

Schreckhaftigkeit und Geräusch

Mit der Bewegung teilt der Schall seine Wirkung. Das Auffahren geschieht bei Erregung und bei unerwarteten Nachrichten, es wird durch das Niesen oder Räuspern anderer ausgelöst, so die Rubrik „Auffahren, Zusammenfahren – Niesen, wenn andere“, und es kehrt im Traum als Wahnidee wieder, man sei wie erschreckt. Die Empfindlichkeit gegen Geräusche ist fein gegliedert: gegen Schüsse und Knall, gegen das Niesen, aber auch gegen das leiseste Geräusch, und zwar „Empfindlich, überempfindlich – Geräusche, gegen – geringste Geräusch, gegen das – aber nicht gegen lautes Geräusch, Lärm“. Ebenfalls hier eingetragen sind der Donner und, als Furcht, „Furcht, Phobie – Kanonendonner, vor“, dazu die Furcht vor ungewohnten, ungewöhnlichen Geräuschen. Wer so reagiert, nimmt das Geringe schärfer wahr als das Laute und wird vom Unerwarteten getroffen, nicht vom Heftigen.

Säugling und Mutter

Ein großer Teil der Rubriken betrifft Säuglinge. Sie schreien ängstlich im Schlaf, lehnen das Stillen ab oder weinen beim Trinken an der Mutterbrust, und das Schreien ist kreischend, wenn gestillt wird. Zahnung verläuft schwierig, mit Speichelfluss. Besonders hervorzuheben ist der Zusammenhang mit der Geburt: Gedeihstörung und Essstörungen werden nach einem Geburtstrauma verzeichnet, „Gedeihstörung bei Kindern – Neugeborenen, bei: G – Geburtstrauma, nach“. Auch das Bild der Anhänglichkeit gehört hierher. Die Hände des Kindes greifen im Schlaf nach der Mutter, was die Rubrik „Gesten, Gebärden, macht – Hände, unwillkürliche Bewegungen der – Mutter im Schlaf, nach der“ festhält. Das Kind sucht den Halt, den es beim Tragen und im Fallen vermisst.

Reizbarkeit, Unruhe und Verwirrung

Im Gemüt fällt zunächst die Unruhe durch lebhaftes Gespräch auf: Wer viel gesprochen hat, wird ruhelos und benommen. Die geistige Verwirrung stellt sich bei Bewegung nach unten und beim Schaukeln ein, die Reizbarkeit bei einem wichtigen Geschäft. Eine Besonderheit ist der Zusammenhang mit dem Stuhlgang: Vor ihm ist die Person unzufrieden, untätig und mürrisch, nach ihm zufrieden, gelassen und fröhlich, und bei Kindern schlägt die Reizbarkeit bei Verstopfung in Freude nach gutem Stuhl um. Mit demselben Vorgang verbinden sich Gelassenheit und Hochgefühl, das Letztere nach dem Koitus.

Wechsel der Stimmung

Die Stimmung ist veränderlich und schwankt zwischen Heiterkeit und Überdruss: „Froh, fröhlich – abwechselnd mit – Lebensüberdruss“. Das Weinen morgens, die winselnde Stimme am Morgen und ein Stöhnen am Vormittag stehen gegen eine Fröhlichkeit bei Kindern, die auch nach dem Urinieren auftritt. Eine Stimmung, die mit dem Nasenbluten bessert, zeigt, wie eng das Gemüt an körperliche Vorgänge gebunden bleibt.

Zusammenfassung

Borx. beschreibt einen Menschen, dessen Sicherheit an Lage, Höhe und Stille hängt. Jede plötzliche Verschiebung, ob Fall, Lärm oder Schreck, wird als Bedrohung erlebt und mit Auffahren, Schreien und Anklammern beantwortet. Der Halt kommt von der Mutter und von regelmäßigen körperlichen Abläufen; wo diese fehlen, kippen Stimmung und Gedanken rasch. Das Bild reicht damit vom Säugling nach schwerer Geburt bis zum Erwachsenen, dessen Gemüt auf die kleinste Störung reagiert.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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