Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Bryonia alba (Bry.)

Bryonia alba (Bry.) steht im Repertorium in 1.074 Rubriken. Davon sind 54 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 85 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen beim Delirium, bei den Wahnideen, den Rubriken zu Kindern, der Furcht, der Sprache und der Stumpfheit, dazu bei Reizbarkeit und Zorn. Das Bild ist das eines Menschen, der an seiner Lage, seiner Arbeit und seinem Besitz festhält, jede Störung und jede Bewegung scheut und dessen Gedanken auch im Fieber und im Schlaf bei den Geschäften des Tages bleiben.

King-Pin-Symptome: Leiden und Störung

Das Repertorium nennt zwei King-Pin-Symptome. Das erste ist die Furcht vor dem Leiden: „Furcht, Phobie – Leiden, vor“. Gemeint ist ein Zustand der Belastung und Strapaze, den der Patient fürchtet; die Anmerkung dazu mahnt, genau nachzufragen, weil hinter solchen Äußerungen oft andere Rubriken stehen. Das zweite ist die Abneigung gegen Störungen: Die Person will ihre gegenwärtige Lage, ihre Position oder ihren Status unverändert beibehalten und lehnt eine Veränderung ab. Beide fügen sich zu einem Bild: Wer jede Belastung und jede Störung fürchtet, hält fest und bewegt sich nicht. Single-Rubriken bestätigen es: Die Person wählt das kleinere Übel, fürchtet, blockiert oder eingeklemmt zu werden, fühlt sich blockiert und abgekapselt, und beibehalten wird alles. Kleine Rubriken ergänzen, dass alles aufbewahrt wird und das Gefühl besteht, arbeiten zu müssen.

Geschäfte und Arbeit

Die Gedanken kreisen um das Geschäftliche. Eine Single-Rubrik hält fest: „Arbeit – denkt ständig an die“. Das Delirium handelt von Geschäften, nachts spricht die Person von den Geschäften des Tages, ängstlich in Bezug auf das Geschäft. Sie redet im Schlaf und im Delirium vom Geschäft und möchte nach Hause gehen. Gleichzeitig kann die Arbeit nicht fertiggestellt werden: Es besteht das Gefühl, sie nicht beenden zu können, und die Wahnidee gleichen Inhalts. Die Arbeit ist zäh, und die Antworten sind präzise. Es spricht für eine nüchterne, tatsachenbezogene Haltung. Die Person beschwert sich über Kleinigkeiten, zeigt jedoch keinen inneren Ärger, wie zwei Single-Rubriken zu Ärger nahelegen: innerlicher Ärger und kein gezeigter Ärger. Die Charakterisierung als cholerisch, biliös, mit dunklen Haaren, dunklem Teint und straffem Gewebe ist ebenfalls eine Single-Rubrik.

Delirium

Das Delirium ist die größte spezifische Gruppe (55 Rubriken). Es ist ängstlich in Bezug auf Geschäft und Zukunft, rasend, stürmisch, mit Beachtung in der Dämmerung und am Tagesanbruch, am Mittag verschlimmert oder gebessert. Es verschlimmert im warmen Zimmer und bei Hitze und bessert im Freien. Es wechselt mit komatösem Schlaf und tritt auch bei Diarrhoe auf. Die Hände fahren in der Luft herum oder winken. Das Sprechen im Schlaf bleibt wirr und unzusammenhängend; beim Erwachen ist die Sprache delirös oder irrational, am Morgen plaudernd oder schwatzend.

Wahnideen

Die Wahnideen stehen mit der Furcht vor Veränderung im Einklang. Die Person fürchtet, nicht mehr aufstehen zu können, wenn sie sich bückt, sie würde im Bett tief nach unten sinken, die Umgebung würde sich um sie herumwirbeln, das Gehirn oder der Kopf würde sich im Kreis herumdrehen, und Gegenstände schwanken. Freunde erscheinen als Fremde, und sie sei unter der Kontrolle von Fremden. Sie würde anhaltend geschlagen, und Soldaten würden sie niederstechen, was durch Abkühlung nachlässt. Die Wahnidee, in der Nacht davor betrunken gewesen zu sein, und die Wahnidee, delirös zu werden, kehren wieder.

Furcht vor Bewegung und Berührung

Die Scheu vor Bewegung gehört zum Kern. Kinder wollen nicht hochgehoben werden, sondern ruhig liegen; die Furcht, getragen oder hochgehoben zu werden, steht als eigene kleine Rubrik daneben. Ruhelosigkeit tritt bei Bewegung auf, die Stumpfheit verschlimmert im Stehen und bei Bewegung, Tanzen verschlimmert, Erschütterung ist unerträglich. Die Furcht gilt der Bewegung und dem Sprechen, aus Angst, einen Husten auszulösen; bei Keuchhusten sind die Kinder reizbar und mürrisch und wollen allein sein. Das Sitzen bessert. Angesprochenwerden wird gehasst und macht stumpf. Das Stillsein ist ein Grundbedürfnis, auch im Frost, in der Hitze und bei Kopfschmerz.

Zorn, Reizbarkeit und Unzufriedenheit

Reizbarkeit und Zorn zählen je rund dreißig Rubriken. Sie entstehen beim Erwachen, durch Husten, durch Unterhaltung und im Fieber und Frost; Zorn tritt auf, wenn sie etwas gefragt wird. Die Unzufriedenheit tritt bei Kopfschmerzen auf. Auch Katalepsie nach Zorn ist verzeichnet. Die Verzweiflung bezieht sich auf die eigene Heilung, ein Suizidverlangen kann bei Magenbeschwerden aufkommen.

Kinder und Schlaf

Unter den Kindern finden sich der „Ars.-Zustand“ mit Umherstreifen und das Schmutzigmachen von allem; Säuglinge schreien nach dem Stillen, und es besteht eine Abneigung gegen das Gestilltwerden, die sich durch Befeuchten des Mundes bessert. Gähnen bessert Gemütssymptome. Ein Auffahren im Bett beim Wachliegen gehört ebenso dazu wie Seufzen in der Nacht und das Weinen nach Mitternacht.

Zusammenfassung

Bry. zeigt im Repertorium einen Menschen, der alles beibehält, aufbewahrt und festhält und deshalb jede Bewegung, Berührung, Ansprache und Veränderung als Störung erlebt. Die Gedanken verbleiben bei der Arbeit und den Geschäften, selbst im Delirium und im Schlaf. Die beiden King-Pin-Symptome, die Furcht vor dem Leiden und die Abneigung gegen Störungen, fassen die Haltung zusammen: Wer Belastung scheut, sucht Ruhe, hält Position und wählt notfalls das kleinere Übel. Innerer Ärger, Reizbarkeit und Zorn zeigen den Preis dieser Starre.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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