Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Caladium seguinum (Calad.)
Caladium seguinum (Calad.) steht im Repertorium in 277 Rubriken. Davon sind 16 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 28 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei der Furcht, der Angst, dem Weinen, dem Auffahren, der Vergesslichkeit und den Wahnideen, dazu bei der Sexualität. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen mit auffallend schreckhaften Sinnen, dessen Furcht sich an alltäglichen Geräuschen und Handgriffen entzündet und dessen Gedächtnis im Schlaf zurückkehrt.
Geräusche und Schreck
Der Kern liegt in der Empfindlichkeit für Laute. Das Rascheln steht im Mittelpunkt: Verzeichnet sind die Furcht vor Geräuschen durch Rascheln, das Auffahren beim Rascheln von Papier und, nur für dieses Mittel, die Furcht vor dem Rascheln einer Zeitung („Furcht, Phobie – Geräusche, durch – Rascheln – Zeitung, der“). Dazu gehört das Zusammenfahren, wenn eine Tür heftig zugeschlagen wird. Auch im Schlaf bleibt die Person erreichbar: Sie wird durch Geräusche geweckt, reagiert gereizt oder zornig. Selbst der eigene Schatten kann erschrecken, so die Single-Rubrik „Erschreckt, leicht – Schatten, vor ihrem/seinem eigenen“.
Das Rasieren
Ein zweites, ebenso abgegrenztes Thema ist das Rasieren. Single-Rubriken verzeichnen die Angst beim Rasieren, die Furcht, sich dabei zu schneiden, und die Furcht, dabei verletzt zu werden; selbst das Rasieren als Anlass einer Verschlechterung der Gemütslage steht für sich („Rasieren – agg.“). Daneben steht, als kleine Rubrik, die Vorstellung, ein Friseur wolle seinen Kunden töten („Töten, Verlangen zu – Friseur will seinen Kunden töten, der“). Die Klinge in fremder Hand und an der eigenen Haut ist demnach der Punkt, an dem die Furcht sich verdichtet.
Tabak und Vergesslichkeit
Mehrere Single-Rubriken führen zum Tabak: geistige Erschöpfung durch Tabak, Ruhelosigkeit nach dem Rauchen, Vergesslichkeit durch Nikotin- und durch Tabakvergiftung. Das Gedächtnis zeigt dabei ein eigenes Muster. Was vergessen wurde, fällt im Schlaf wieder ein, wie die kleine Rubrik „Vergesslich, Vergesslichkeit – Vergessenes fällt ihr/ihm im Schlaf wieder ein“ festhält. Das lässt sich lesen als ein Gedächtnis, das tagsüber durch Reizung blockiert und nachts freigegeben wird.
Sexualität und Wahnideen
Die Sexualität erscheint in lüsternen Rubriken, die vom Blick auf Frauen auf der Straße handeln, und in einer Eifersucht, die mit Impotenz verbunden ist. Die Wünsche wirken also lebhaft, die Fähigkeit bleibt dahinter zurück. Unter den Wahnideen finden sich das Gefühl, die Finger seien vergrößert, das Gefühl, geschaukelt zu werden, und die Vorstellung, der Kopf falle beim Gehen nach vorn. Alle drei betreffen das Körpergefühl im Raum und die Sicherheit der Lage.
Krankheit und Unbehagen
Das Weinen gilt zum Teil der eigenen Gesundheit: Verzeichnet ist das Weinen bei fortschreitender Krankheit und das kindliche Weinen über eine Krankheit mit sinnlosem Geplapper („Weinen – Kind, wie ein – Krankheit mit sinnlosem Geplapper, über die“). Ein ungewöhnlicher Nebenzug sind die Rubriken zum Unbehagen nach gepökeltem und sauer eingelegtem Fisch.
Zusammenfassung
Caladium seguinum zeigt im Repertorium einen Menschen, den das Alltägliche in Schrecken versetzt: das Rascheln, das Zuschlagen, das Rasiermesser. Dahinter stehen Erschöpfung durch Reizmittel, ein Gedächtnis, das im Schlaf zurückkehrt, und eine Sexualität, in der Verlangen und Vermögen auseinandertreten. Das Bild gewinnt seine Schärfe aus den Single-Rubriken zu Rascheln und Rasieren.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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