Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Calcium carbonicum (Calc.)

Calcium carbonicum (Calc.) steht im Repertorium in 2.525 Rubriken. Davon sind 123 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 217 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern, den Wahnideen, der Angst und der Furcht, dazu bei Delirium, Gesten und Schreckhaftigkeit. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der früh Verantwortung trägt, sich vor dem Scheitern seiner Aufgaben fürchtet und vor allem verbergen will, dass es ihm schlecht geht.

Kinder

Die Rubriken zu den Kindern sind mit 362 Einträgen die umfangreichste Gruppe. Gezeichnet wird ein helles, plumpes Kind, das zu Fettsucht und Starrköpfigkeit neigt und für das Gedeihstörung, eine Entwicklungsverzögerung der Muskeln und spätes Gehenlernen mit Schwäche der Beine verzeichnet sind. Als Single-Rubrik steht die Vergesslichkeit, bei der das Kleinkind vergessen hat, wie man läuft, und das Kind sitzt zufrieden und ruhig in Gesellschaft und spielt. Auffällig sind die Zeichen der Verlassenheit: Nägelkauen bei Verlassenheitsgefühl, Angst, aus der Wiege gehoben oder geschaukelt zu werden, Angst durch den Verlust des Freundes. Ein übermäßiges Beschützen durch die Eltern findet sich unter den Ursachen ebenso wie eine zu früh übernommene Verantwortung.

Pflicht und Verbergen

Zwei Rubriken sind als King-Pin-Symptome verzeichnet. Die erste lautet „Angst – Geschäfte, über“; sie umfasst Beruf, Schule und jedes Ziel, an dem das Auskommen hängt. Die zweite fasst die Haltung dazu: „Furcht, Phobie – bemerken, man würde ihren/ seinen Zustand“. Der Betroffene möchte nicht, dass man ihm Krankheit oder Schwäche ansieht, und arbeitet deshalb weiter. Beides gehört zusammen: Wer den Pflichten zu erliegen fürchtet, will nicht entdeckt werden. Dazu passen eine Verzweiflung über die eigene Arbeit, eine Selbstgenügsamkeit, die keine Hilfe braucht, und ein Beharren auf der Ausführung der eigenen Pläne.

Gegenpol: Untätigkeit

Die Single-Rubriken zeigen auch das Gegenteil. „Abneigung – untätig dasitzt, sobald sie/er“ steht neben dem Verlassen eines florierenden Geschäfts, neben Traurigkeit bei Untätigkeit und Faulheit und neben dem Sitzen, um über Kleinigkeiten nachzudenken. Es ist ein Wechsel zwischen Getriebenheit und Stillstand, in dem Sorgen den Müßiggang füllen: Sorgen Tag und Nacht, Grübeln über kleine Angelegenheiten und Verzweiflung über die Arbeit.

Angst, Furcht und Schreck

Die Furcht richtet sich auf Erdbeben, Dämmerung, Ungeziefer, Schatten im Kerzenlicht, Spott und darauf, die Familie nicht großziehen zu können. Die Angst setzt abends ein, im Kerzenlicht, bei Grausamkeiten, die man hört, und nachts bei Kindern, die um zwei oder drei Uhr erwachen. Schreckhaftigkeit ist vielfältig verzeichnet: beim Schließen der Augen, beim Geweckt-Werden, beim Einschlafen, vor den Menses und schon beim Stich einer Nadel.

Wahnbilder und Delirium

Die Wahnideen haben den Charakter von Bedrohung und Auflösung. Jemand sei über dem Bett, es klappert beim Einschlafen darüber, jemand werde ermordet, der Körper sei zertrümmert, das Gehirn werde sich auflösen und die Person verrückt werden. Das Zimmer erscheint als Garten oder als Haus, und der Betroffene lebt in einer Phantasiewelt voller eingebildeter Freunde. Im Delirium kehrt dieselbe Linie wieder: Das Denken bleibt hartnäckig bei Mord, Feuer und Ratten, nach Rubrik „Gedanken – hartnäckig – Mord, Feuer und Ratten, denkt an nichts anderes als an“. Auch das Delirium tremens spricht von Feuer, Ratten, Mäusen und Mord. Die Verstörung hat damit eine feste Bildwelt, die sich zum Wahn verdichtet.

Hände und Gesten

Die Hände verraten, was das Gemüt zurückhält. Die Rubriken verzeichnen unwillkürliche Bewegungen: das Ballen der Fäuste wie in rasendem Zorn, das Zerbrechen von Nadeln und Stöckchen, das Spielen mit den Händen, bei Kindern das Greifen und Hineinstecken alles Erreichbaren in den Mund. Nur dieses Mittel kennt zudem eine Ruhelosigkeit der Handgelenke und das Kratzen am Kopf beim Erwachen. Im Zorn wird sogar der Wunsch zu spucken oder zu beißen verzeichnet. Der Ärger, der sonst unter Pflicht und Sorge liegt, findet hier einen körperlichen Ausweg.

Menses und Körper

Der Zyklus wirkt tief ins Gemüt hinein. Vor den Menses stehen Schreckhaftigkeit, Zorn und Schüchternheit, während der Menses Gedankenleere und wandernde Gedanken, danach Konzentrationsschwäche; eine Erregung kann die Menses wieder in Gang setzen. Auch Stuhlgang, Koitus und Erkältung bilden Gemütsanlässe, etwa der Zorn vor dem Stuhlgang und der Zorn nach dem Koitus. Geistige Anstrengung verschlimmert, körperliche bessert, bei Kindern ebenso.

Alter und Religion

Mit dem Alter ändert sich die Färbung. Es erscheinen Abscheu gegen das Leben, Lebensüberdruss und Verlangen nach Ruhestand. Eine Single-Rubrik beschreibt die übermäßige Beschäftigung mit Religion in metaphysischen Belangen, eine kleine Rubrik die Verzweiflung an der Erlösung. Bei Kindern findet sich die Frühreife in religiösen Dingen. Der Ernst der Pflicht wendet sich offenbar am Ende nach innen und fragt nach dem Sinn.

Verkanntes Selbst

Eine Single-Rubrik fängt eine Haltung ein, die das Bild abrundet: „Mürrisch – andere verstehen ihren/seinen wahren Wert nicht“. Daneben stehen Anspruchslosigkeit, ein Quälen anderer bei Tag und Nacht, Neugier auf Übernatürliches und eine Beschäftigung mit metaphysischen Fragen. Die Person wirkt bescheiden und schlicht; die Rubriken lassen vermuten, dass sie zugleich verkannt bleibt und darunter leidet.

Zusammenfassung

Das Repertorium zeichnet eine Gestalt, die früh Verantwortung trägt und ihre Schwäche verbirgt, bis die Furcht vor dem Aufdecken sie zum Weiterarbeiten treibt. Zwischen der Last der Pflicht und der Untätigkeit, die Traurigkeit hervorruft, bildet sich eine nächtliche Welt aus Mord, Feuer und Ratten, die in Angst und Wahn mündet. Dahinter lässt sich der Wunsch lesen, in diesem Mühen auch gesehen zu werden.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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