Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Camphora (Camph.)

Camphora (Camph.) steht im Repertorium in 729 Rubriken. Davon sind 54 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 46 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, die mit 79 Rubriken die größte Gruppe bilden, ferner bei Angst, Delirium, Raserei und Furcht; Kinder und die Wochenbettmanie treten deutlich hervor. Es ergibt sich das Bild eines Menschen, der sich von der Welt löst, in Tobsucht oder Trance verfällt und sich selbst nicht ertragen kann.

Das Ablösen vom Boden

Eine Reihe von Wahnideen beschreibt das Abheben. Die Person berührt kaum den Boden beim Gehen, sie sei leichter oder so leicht, dass sie schweben könne; zugleich sei sie hoch, höher als die Häuser. Das Gehirn balanciere auf einer feinen Spitze und könne jeden Augenblick herunterkippen. In der Single-Rubrik heißt es sogar, sie habe gerade in diesem Augenblick ihr Dasein begonnen. Die Person lebt in ihrer eigenen kleinen Welt oder bewegt sich in einer neuen. Man kann diese Rubriken lesen als den Verlust des Bodens, wörtlich und im übertragenen Sinn.

Furcht vor dem Spiegel, Wunsch nach Zerstreuung

Eine zweite Gruppe betrifft das Selbst. Kleine Rubriken verzeichnen Angst vor Spiegeln im Zimmer, aus Angst, sich selbst zu sehen, und das Verlangen, von den Gedanken an sich selbst abgelenkt zu werden. Eine Single-Rubrik stellt Schwindel beim Blick in den Spiegel fest. Die Furcht gilt weniger einem Gegenstand als dem eigenen Anblick und dem eigenen Denken.

Raserei und Wochenbettmanie

Raserei und Manie sind kräftig vertreten. Verzeichnet sind Schaum vor dem Mund, das Zerreißen der Kleidung und der Wunsch, anderen die Schuld zu geben; es gibt Raserei nach der Entbindung und Wochenbettmanie mit entblößter Brust, mit anstößigem Reden und mit dem Verlangen zu beißen. Das Nacktsein und das Wälzen im eigenen Schmutz stehen als Single-Rubriken: „Rollt, wälzt sich – Schmutz, Kot“. Daneben gibt es das Gegenbild, Manie mit Gleichgültigkeit und mit kaltem Schweiß. Auffällig ist, dass der Zustand im Wochenbett eintritt, in der Zeit nach der Geburt.

Kinder

Bei den Kindern bildet sich ein eigenes Bild. Kinder kriechen in die Zimmerecke und heulen und schreien dort, so die Single-Rubriken, und kleine Rubriken ergänzen, dass sie sich selbst auf die Brust schlagen oder wahnsinnig lachen. Säuglinge zeigen tetanische Konvulsionen, und die Furcht vor Strafe ist für das Kind verzeichnet.

Trance und Schlaf

Zuletzt zeigen Single-Rubriken Zustände zwischen Schlaf und Wachheit: Katalepsie mit Gedächtnisverlust danach, ein Trancezustand, in dem die Person bei geschlossenen Augen Klavier spielt und Briefe in einer erlernten Sprache schreibt, Sprechen im Schlaf mit sanfter Stimme die ganze Nacht und Wahnbilder von Geistern im Schlaf. Hinzu kommen Delirium, in dem ständig derselbe Satz wiederholt wird, und Ängste durch schreckliche Erscheinungen im Wachen.

Verzerrte Wahrnehmung

Mehrere Rubriken beschreiben, dass sich die Wahrnehmung verschiebt. Gegenstände erscheinen glänzend und zu hell, sie seien durcheinander oder beim Schließen der Augen im Schlummer manchmal dick und manchmal dünn. Dinge würden größer werden im Takt des Pulsschlags. Eine kleine Rubrik nennt die Empfindlichkeit gegen Gerüche, genauer gegen Kampfer. Die Person erlebt die Umgebung als unzuverlässig, was zum Bild des fehlenden Bodens passt.

Sprache, Stimme und das Rohe

Sprache und Stimme sind gestört. In den Single-Rubriken ist die Sprache gebrochen oder unsicher, die Stimme blökt. Das Denken wird in drei sinngleichen Single-Rubriken als grob, primitiv und roh bezeichnet. Dazu passt, dass im Delirium derselbe Satz oder dieselben Wörter ständig wiederholt werden. Ausdruck und Denken wirken wie auf eine einfache, ungeformte Stufe zurückgefallen.

Furcht vor dem Hochgezogenwerden und Verlangen zu töten

Eine kleine Gruppe verbindet Furcht und Gewalt. Verzeichnet ist die Furcht, aufwärts oder hochgezogen zu werden, außerdem das Verlangen zu töten: jemanden, von dem die Person denkt, sie müsse ihn töten, oder beim Gehen im Freien und auf der Straße. In den Wahnideen steht entsprechend die Vorstellung, jemanden auf der Straße ermorden zu müssen. Diese Rubriken sind selten und stehen für sich, sie sind kein Hinweis auf eine Neigung zur Gewalt, sondern gehören zum Bild des Kontrollverlusts.

Zusammenfassung

Camphora gibt ein Bild der Entgrenzung: Die Person verliert den Boden unter den Füßen, scheut den eigenen Anblick und fällt in Tobsucht, Trance oder Starre. Besonders das Wochenbett und das Kindesalter lassen den Zustand deutlich werden.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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