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Cantharis vesicatoria (Canth.)

Cantharis vesicatoria (Canth.) steht im Repertorium in 640 Rubriken. Davon sind 35 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 36 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, der Ruhelosigkeit, dem Bellen, der Raserei und dem Schreien, dazu bei Bewusstlosigkeit, Delirium und Tollwut. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der von einer inneren Brunst getrieben wird, in Raserei umschlägt und in der Not nach Hilfe schreit.

Das Schreien um Hilfe

Als King-Pin-Symptom ist „Delirium – Schreien mit – Hilfe, um“ verzeichnet. Gemeint ist ein Mensch, der außer sich ist und um Hilfe ruft, ohne sich selbst noch helfen zu können; im Vordergrund steht nicht der Schmerz, sondern das Bedürfnis nach Rettung. Unter den kleinen Rubriken steht dazu das Delirium, das um Hilfe ruft. Als zweites King-Pin-Symptom nennt das Repertorium die Reizbarkeit durch Beleidigungen, also durch Worte, die als Kränkung aufgefasst werden.

Raserei und Unruhe

Die Ruhelosigkeit ist angstvoll und endet im Tobsuchtsanfall oder in Raserei. Die Single-Rubriken führen diesen Ausgang mehrfach vor, ebenso die Raserei bei Meningitis und die erotische Raserei. Es gibt Stupor und Bewusstlosigkeit, die plötzlich einsetzen, mit kalter Haut, und ein Delirium, das plötzlich wild wird. Nach Schmerz verzeichnet das Repertorium Wahnsinn bei unerträglichem Schmerz im Kehlkopf oder im Abdomen, Kratzen an den Wänden und das Zerreißen der eigenen Haut mit den Fingernägeln.

Kehlkopf, Wasser und Bellen

Eine auffällige Gruppe betrifft den Kehlkopf und das Trinken. Bellende Geräusche treten anfallsweise auf, bei Berührung des Kehlkopfes und beim Trinken: „Bellen, bellende Geräusche, macht – Trinken von Wasser agg.“. Beim Versuch zu trinken oder den Kehlkopf zu berühren, verfällt der Kranke in Raserei, und das Schreien beim Trinken von Wasser ist eigens verzeichnet. Hinzu tritt der Blick auf Wasser, der Schwindel macht. Das Bild entspricht der Tollwut, in der Stöhnen und Schreien mit Bellen wechseln.

Glanz und Täuschungen

Helle Gegenstände wirken auf Canth. gesondert: eine Affinität zu glitzernden Gegenständen, eine Raserei, die durch glänzende Gegenstände erneuert wird, und Wahnideen, die durch leuchtende Dinge entstehen. Daneben stehen Wahnideen des Ausgeliefertseins: Man werde von eiskalten Händen am Hals gepackt, „Wahnideen – erwürgt von eiskalten Händen, wird“, das Bett werde hochgehoben oder jemand werfe es auf und ab.

Kinder und Nachmittag

Unter den Kindern nennt das Repertorium solche, die sich schnell verlieben und ständig an Liebeskummer leiden. Mehrere Single-Rubriken konzentrieren Frechheit, Unverschämtheit, Widerspenstigkeit und Widerspruch auf den Nachmittag. Ebenso steht eine manische Arbeitssucht unter den Single-Rubriken.

Zusammenfassung

Canth. zeigt im Repertorium einen Menschen in akuter Not, dem Schmerz und innere Unruhe die Selbstbeherrschung nehmen. Er schreit um Hilfe, wird von Täuschungen der Kälte und der Gewalt bedrängt, reagiert auf Wasser und Glanz mit Raserei und fühlt sich durch Worte leicht verletzt.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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