Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Carcinosinum (Carc.)
Carcinosinum (Carc.) steht im Repertorium in 1.731 Rubriken. Davon sind 119 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 153 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, bei den Beschwerden durch äußere Einwirkung, bei Angst und Furcht, dazu bei Empfindlichkeit, Zorn und Pedanterie. Im Gesamtbild steht ein Mensch, der sich früh angepasst, vieles ausgehalten und eigene Gefühle zurückgestellt hat, der aber unter dieser Fassung empfindsam, leistungsbereit und innerlich unversöhnt bleibt.
Anpassung und Selbstverleugnung
Der Kern liegt in der Unterordnung. Die Rubriken zeigen ein Kind, das es allen recht machen will und mit zunehmendem Alter mehr und mehr zur Anpassung und Selbstverleugnung neigt. Es möchte besonders den Vater und die Eltern zufriedenstellen, nimmt die eigenen Bedürfnisse nicht wahr und stellt sie zurück. Aus dem Erwachsenen spricht dieselbe Haltung: Er erduldet alles, was ihm zugemutet wird, und die Single-Rubrik „Aushalten – alles“ trifft das Muster ohne Rest. Er belastet andere nicht, macht sich keinen Ärger und darf nicht böse sein; es fehlt das Aufbegehren, und ebenso fehlt die Fähigkeit, sich auseinanderzusetzen. Ein Mangel an Aggression geht auf die Angst vor Liebesverlust zurück („Aggression – Mangel an – Liebesverlust, Angst vor, aus“). Man kann darin ein erlerntes Bündnis sehen, in dem die Liebe der anderen mit der Preisgabe des eigenen Willens bezahlt wird. Dazu passt die Rubrik, in der die Bedürfnisse zurückgestellt werden: „Bedürfnisse – zurückstellen, eigene“.
Verantwortung und Leistung
Die Anpassung verbindet sich mit Pflichtgefühl. Das Repertorium verzeichnet Verantwortung, die schon in zu jungem Alter übernommen wird, und Beschwerden durch zu hohe Erwartungen der Eltern. Der Betroffene ist perfektionistisch und zu selbstkritisch, heikel in Bezug auf Arbeit, Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit; er gibt sich selbst die Schuld für alles, was in seinem Leben falsch läuft, und fürchtet, Fehler zu machen. Er ist ausdrücklich sehr begabt, intelligent und künstlerisch veranlagt, und doch fürchtet er zu viel Verantwortung wie auch um seine Karriere. Die Erschöpfung durch zu harte Arbeit gehört folgerichtig zum Bild, ebenso das Gefühl, das Leben sei bisher ein langer, harter Kampf gewesen: „Leben – Kampf gewesen, das Leben ist (bislang) ein langer, harter“.
Kränkung, Druck und unterdrückter Zorn
Eine große Gruppe von Rubriken beschreibt, was dieses Bild hervorbringt. Beschwerden stehen nach Demütigung und Bestrafung, nach harter, rauer Erziehung bei langer Geschichte übermäßiger Bevormundung, nach Missbrauch in der Kindheit und nach Vergewaltigung, wobei das Bild des Täters immer wiederkehrt. Der Zorn folgt auf die Demütigung, doch er wird nicht erlebt; gefürchtet wird sogar der eigene Zorn. Eine Milde, die Gewalttätigkeit maskiert, und eine latente, verdeckte Aggression stehen daneben, bei Kindern die Neigung, im Zorn Gegenstände zu zerstören. Die Rubrik „Wahnideen – Märtyrer zu sein, ein“ lässt sich lesen als Selbstbild eines Menschen, der sein Dulden zur Rolle gemacht hat. Die Wahnidee, schutzlos zu sein und sich nicht verteidigen zu können, schließt sich an („Wahnideen – schutzlos zu sein, sich nicht verteidigen zu können“), und Gefühle lassen sich leicht unterdrücken.
Weinen, Rührbarkeit und Sinn für das Schöne
Das Weinen ist gehemmt: Eine Rubrik nennt das Weinen als schwierig, eine andere die Person, die niemals weint („Weinen – niemals, weint“). Zugleich weint sie, wenn sie sieht, wie andere verletzt werden, und nach Demütigung. Die Empfindlichkeit richtet sich auf Musik, Rhythmus, Kunst und Unordnung. Das Mittel steht für ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl, einen Sinn für Blumen und schöne Dinge und die Liebe zu Natur, Meer, Musik, zum Gewitter und zu stürmischem Wetter. Grausamkeit dagegen, ob im Fernsehen als Mord oder als Operation, ist unerträglich. Die Liebe selbst kann überströmend werden, gerichtet auf die ganze Menschheit, während die Person von sich aus keine Liebe erwartet. Dass sie Trost durch liebevolle, freundliche Worte findet, passt zu diesem Bild.
Kummer, Tod und Krebs
Kummer ist in den Rubriken ein tragender Faktor. Verzeichnet sind der Kummer, der die Konstitution untergräbt, der Tod geliebter Menschen, ein Todesfall nach dem anderen, die lange Krankenpflege geliebter Menschen und der Haarausfall durch Kummer. Hier treten Rubriken auf, in denen Krebs als Hintergrund erscheint: die Furcht vor dem Tod durch Krebs, die Angst bei Schmerzen im Zusammenhang mit Krebs und eine Suizidneigung bei Krebs oder Krebs in der Familie. Die Traurigkeit wechselt mit Spannkraft und körperlicher Energie, bessert sich beim Gewitter und stellt sich ein bei traurigen Geschichten.
Körper, Tics und Rastlosigkeit
Die Spannung sucht Wege über den Körper. Verzeichnet sind Tics, auch bizarre, bei Kindern ein sanftes Klopfen mit den Fingerspitzen auf den Schädel, das Beißen in die Fingerspitzen und das Abziehen der Haut um die Nägel. Die Wahnideen betreffen den Körper: Hand und Füße gehörten nicht dazu, der Körper sei ausgeräumt. Daneben steht ein Bedürfnis nach Veränderung, nach Reisen und Abenteuer, und eine Entwicklungsverzögerung, die dem Repertorium zufolge nach Impfung auftreten kann.
Zusammenfassung
Carc. zeigt einen Menschen, der durch Anpassung, Pflichterfüllung und Duldsamkeit zusammenhält, was ihm von früh an auferlegt wurde. Hinter dieser Haltung liegen verdeckter Zorn, ein unterdrücktes Verlangen und eine Empfindsamkeit für Schönheit, Musik und Natur, die er sich kaum erlaubt. Wo der Druck zu lange anhält oder ein Verlust die Abwehr bricht, bahnt er sich seinen Weg über Kummer, Furcht und körperliche Zeichen. Das Bild bleibt das eines Menschen, der gelernt hat, sich selbst zu übersehen.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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