Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Causticum Hahnemanni (Caust.)
Causticum Hahnemanni (Caust.) steht im Repertorium in 1.581 Rubriken. Davon sind 81 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 88 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern (173), der Furcht (93), der Angst (76), den Beschwerden durch bestimmte Ursachen (75), den Wahnideen, dem Weinen und der Traurigkeit; dazu fallen Kummer, Lachen und epileptische Zustände auf. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines mitfühlenden, gerechtigkeitsliebenden Menschen, der Kummer lange trägt, in der Dämmerung und beim Zubettgehen von Furcht um andere erfasst wird und dessen Anteilnahme in Verbitterung oder Auflehnung umschlagen kann.
Kummer als Wurzel
Der Kummer ist das Leitthema. Das Repertorium verzeichnet Kummer als Ursache chronischer, lang anhaltender Beschwerden, darunter Kopf-, Gesichts- und Zahnschmerz und Chorea, ferner Kummer nach dem Verlust von Haustieren, während der Entbindung und mit Klagen, dazu Multiple Sklerose durch Kummer und Agalaktie, die wiederum Kummer und Sorgen um den Milchmangel nach sich zieht. Eine Single-Rubrik beschreibt Kummer mit Verbitterung, eine andere Alkoholismus nach Kummer; Traurigkeit ist bitter oder verbittert und besteht Tag und Nacht, begleitet von Weinen. Auch eine Verzögerung ist verzeichnet: Beschwerden äußern sich erst spät. Das Mittel zeigt damit einen Menschen, der Verlust und Kränkung lange innerlich bewahrt, bis der Körper antwortet.
Furcht um andere
Die Furcht richtet sich auffallend auf das Wohl anderer. Verzeichnet sind die Furcht, Personen könnten Schaden zugefügt werden, kletternde Knaben könnten sich verletzen, Freunden könnte ein Unfall zustoßen, dazu die Furcht vor Unglück in der Dämmerung und vor dem Eintreten von etwas Schlimmem, das im Bett durch Bettwärme besser wird. Eine Single-Rubrik hält fest, dass die Furcht durch Dämmerung schlimmer wird; eine kleine Rubrik, dass Straßengeräusche Furcht auslösen. Gleichzeitig besteht die Angst um die eigene Zukunft am Abend und in der Dämmerung. Eine Single-Rubrik nennt das Gefühl der Anwesenheit von Verstorbenen. Die Furcht ist weniger an den eigenen Tod gebunden als an das Unheil, das anderen zustoßen könnte, und an die Tageszeit des Übergangs.
Zubettgehen und Nacht
Mehrere Single-Rubriken gruppieren sich um das Zu-Bett-Gehen: Das Kind fürchtet, allein ins Bett zu gehen; Angst besteht beim Zubettgehen und kann nur mit Mühe zum Gang ins Bett bewegt werden; Furcht vor dem Alleinsein beim Zubettgehen; Furcht einzuschlafen in der Dunkelheit; Angst vor dem Schlaf, als würde die Schwäche zurückkehren und die Person müsse sterben. Hinzu kommen die Angst bis Mitternacht beim Erwachen, auch bei Kindern, Ruhelosigkeit beim Erwachen und Schüchternheit in der Nacht. Abends nehmen Gewissensangst, quälende und schreckliche Gedanken, schreckliche Phantome, umherschweifende Gedanken und überspannte Phantasien in der Dämmerung zu. Der Abend wird zur Zeit, in der das Bewusstsein nicht mehr abgelenkt ist.
Gerechtigkeit, Idealismus und Politik
Eine Besonderheit unter den Single-Rubriken sind Zustände von Idealismus und Recht: Besessenheit von Gerechtigkeit, Anarchist aus Idealismus und Brutalität, gegen die die Person empfindlich ist. Kleine Rubriken ergänzen Begeisterung über Politik, ein Hochgefühl in Bezug auf Politik und eine politische Exzentrizität. Hinzu kommen Barmherzigkeit, Bedürfnislosigkeit, die Fähigkeit zum Beobachten, Bestimmtheit bei Kindern und Hass auf Menschen, die beleidigt haben. Erregung tritt bei Debatten und Streitgesprächen auf. Auch das Mitgefühl der Kinder ist verzeichnet: Sie weinen und schreien aus Sympathie. Daneben stehen Kinder, die von den Eltern immer eine Erklärung für alles fordern, mit einer eigenen Single-Rubrik unter Frechheit und Unverschämtheit. Ein starkes Rechtsempfinden tritt hier im Gewand von Mitleid wie von Forderung auf.
Epilepsie und Krampf
Mehrere Single-Rubriken führen auf epileptische Zustände zurück: Albernes Benehmen, kindisches Verhalten, Stumpfheit, Vergesslichkeit, Idiotie und Imbezillität vor dem Anfall; Lachen vor, während und nach epileptischen Konvulsionen, auch krampfhaftes Lachen; Weinen nach Konvulsionen, Krämpfen und Spasmen sowie bei Chorea. Gedächtnisschwäche bei Chorea, Lachen bei Chorea und Stottern bei Ärger, Erregung und Asthma reihen sich an. Das Gemüt wird damit durch Anfälle gerahmt: Vor dem Anfall verändert es sich, nach dem Anfall folgen Weinen oder Lachen, die offenbar die Entladung begleiten.
Lähmung und Sprache
Ein zweites körperliches Feld ist die Lähmung. Verzeichnet sind Furcht vor dem Tod bei Lähmung, Hoffnungslosigkeit bei Lähmung, Weinen bei Lähmung und Aphasie mit Lähmung der Zunge. Die Sprache ist schleppend, zäh, schwierig nach Keuchhustenanfällen, stotternd bei Ärger, Erregung und Asthma; Worte werden falsch betont oder versprochen, und beim Schreiben werden falsche Silben gesetzt. Die Stimme zu gebrauchen bessert; bei Aphonie im Asthma verstummt sie. Ein weiterer Hinweis findet sich bei der Wahnidee eines leeren Raums zwischen Gehirn und Schädel, und bei der, dass die Finger beim Berühren von etwas vergrößert seien.
Bewegung, Eile und Kinder
Gehen und Bewegung verändern den Zustand: Verwirrung bessert sich nach dem Gehen, besonders im Freien, andererseits bringt das Gehen Unbehagen, Erregung und Faulheit mit sich. Es gibt Eile mit kurzem Atem und Kurzatmigkeit. Die Person hält alles fest, und das Halten von irgendetwas verschlimmert. Kinder reiben mit den Fäusten das Gesicht bei Husten, haben schwierige Zahnung mit Intertrigo, stottern bei Ärger und werden bei Ansprache melancholisch und schreien bei Berührung.
Zusammenfassung
Causticum Hahnemanni erscheint im Repertorium als ein Mittel des getragenen Kummers und der mitfühlenden Furcht. Der Abend und die Dämmerung öffnen Ängste um andere und das Zubettgehen wird gefürchtet; der Wunsch nach Gerechtigkeit reicht vom Mitleid bis zum Idealismus der Auflehnung. Epileptische und lähmende Zustände rahmen das Gemüt mit Lachen und Weinen. Das Bild ist das eines Menschen, dessen Anteilnahme groß ist und der an der Härte der Welt leidet.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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