Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

China officinalis (Chin.)

China officinalis (Chin.) steht im Repertorium in 1.202 Rubriken. Davon sind 58 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 78 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern, der Furcht, den Wahnideen, der Angst, den Gedanken und dem Delirium, dazu bei Fröhlichkeit, Hysterie und Vergesslichkeit. Das Bild ist das eines Menschen mit sehr regem, nachts besonders fruchtbarem Geist, dessen Wirklichkeit aber durch Hemmung, Entwertung und Flüssigkeitsverlust brüchig wird und dessen Gefühle zwischen überschäumender Heiterkeit und Untröstlichkeit schwanken.

Der Geist im Bett

Auffallend viele Rubriken knüpfen den Gedankenreichtum an die Nacht und das Bett. Single-Rubriken beschreiben einen Gedankenandrang am Morgen im Bett, Klarheit der Gedanken und einen Reichtum an Ideen nachts im Bett, überspannte hochfliegende Phantasien morgens im Bett und das Schmieden vieler Pläne im Bett. Kleinere Rubriken führen die Pläne auf Abend und Nacht aus, nennen eine Neigung zu albernen nächtlichen Gedanken und ein Verlangen zu denken. Hinzu kommt die Besessenheit von Philosophie, das Grübeln über metaphysische Fragen, Erfindergeist, das Talent zum Malen und die Begabung von Kindern. Die Wahrnehmung schöner Dinge ist deutlicher. Der Geist arbeitet dort am besten, wo der Körper ruht, und er arbeitet ungebremst. Gegenüber steht ein periodisches Schwinden der Gedanken und eine periodische Stumpfheit, als wäre die Energie nur zeitweise verfügbar.

Flüssigkeitsverlust und seine Folgen

Ein durchgehender Zug ist die Abhängigkeit des Gemüts von Verlusten. Mehrere kleine Rubriken verknüpfen Gedächtnisschwäche, Gedächtnisverlust, Vergesslichkeit, Stumpfheit und Hysterie mit dem Verlust von Flüssigkeiten, Körpersäften und Blut. Blutungen führen zu Erregung, zu Delirium bei drohendem Abort nach heftiger Blutung, zu Scheintod und zum Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren, auch im Wochenbett. Delirium tritt nach Aderlass und Flüssigkeitsverlust auf. Das Studieren erzeugt Schwäche, nervöse Erschöpfung macht untätig, sexuelle Exzesse führen zu Katalepsie, und eine Single-Rubrik nennt das Gefühl, durch das Kind ausgelaugt zu sein. Das Gemüt gilt hier als abhängig vom körperlichen Haushalt: Was dem Körper entzogen wird, fehlt dem Geist.

Heiterkeit und Untröstlichkeit

Die Stimmung bewegt sich zwischen Gegensätzen, die ungewöhnlich genau beschrieben sind. Fröhlichkeit tritt im Wechsel mit Kreischen, mit Schreien und Rufen und mit Trübsinn auf, und eine Single-Rubrik nennt das grundlose Schreien in fröhlicher, freudiger Stimmung. Die Fröhlichkeit zeigt sich nachts bis zwei Uhr, von Mitternacht bis zwei Uhr und morgens beim Erwachen; es besteht das Verlangen, fröhlich zu sein, aber auch Fröhlichkeit mit Ernsthaftigkeit. Auf der anderen Seite steht der Mensch, der untröstlich ist, selbst bis zum Selbstmord, und der in einer eingebildeten Not weint. Dazu gehören das Springen aus dem Bett mit Umherlaufen, in einer Rubrik mit dem Wunsch, sich umzubringen, dem aber der Mut fehlt. Gleichgültigkeit wechselt mit Zorn, Reizbarkeit mit Angst, und Weinen tritt durch Liebkosungen auf, während Mürrischkeit bei Liebkosung zunimmt.

Entwertung der Dinge

Eine Gruppe von Rubriken beschreibt eine Umwertung der Umgebung. Single-Rubriken führen Dinge an, die reizlos und unattraktiv erscheinen, wertlos scheinen und verachtenswert wirken, dazu die Verachtung allgemein anerkannter Werte. Dem entspricht die Abneigung gegen oberflächliche Gespräche, die Lakonie und die Teilnahmslosigkeit gegenüber dem Trinken. Das Beschimpfen der Umgebung und das Gefühl, die eigenen Bedürfnisse würden nicht geachtet, ergänzen das Bild. Zugleich verzeichnet das Repertorium eine Pflichtorientierung: Die Person denkt nur an ihre Pflichten. Wertung nach unten und Pflichtgefühl stehen so nebeneinander.

Hemmung und Behinderung

Ein weiteres Thema ist die Behinderung durch andere. Verzeichnet sind die Wahnideen, bei der Arbeit gehindert zu werden, blockiert und gehemmt zu sein, von allen behindert zu werden, und alle seien gegen die Person und widersetzten sich ihr. Damit verbinden sich die Wahnidee von Ärger durch Beleidigungen, ein Mangel an Abgrenzung, die Furcht, bemitleidet zu werden, und die Angst vor Mitleid als kleine Rubriken. Entscheidungsschwierigkeiten gehen mit Reizbarkeit einher. Beim Gebären wird Berührung abgelehnt, während der Entbindung ebenso. Die Person erlebt sich als eingeengt von einer Welt, die sich ihr in den Weg stellt, und wehrt Hilfe ab, die wie Bemitleidung wirken könnte.

Furcht, Angst und Tiere

Die Furcht bezieht sich auf Tiere. Verzeichnet sind die Furcht vor Hunden nachts, vor Haustieren, vor Tieren nachts, vor Kriechendem und Krabbelndem sowie vor Hühnern. Hinzu kommen die Furcht, sich am Kopf zu erkälten, und die Furcht, bemitleidet oder bedauert zu werden. Die Angst verbindet sich mit Frost, mit dem Erwachen am Morgen bei Kindern, mit zwei Uhr nachts und mit einem Ziehen quer über die untere Brust. Wahnideen erscheinen im Dunkeln: Gesichter, die man beim Schließen der Augen sieht, Gestalten beim Einschlafen. Auch ein Delirium bei Erysipel von Gesicht und Kopfhaut ist verzeichnet, ruhig und still.

Sprache, Saugen und Kinder

Eigentümlich sind die Rubriken zum Mund: Das Einsaugen von Gegenständen in den Mund tritt als Single-Rubrik bei Erwachsenen auf, sonst in einer kleinen Rubrik allgemein. Versprecher und die falsche Wortwahl sind verzeichnet, Aphonie bei Schauder, albernes Sprechen bei intermittierendem Fieber. Bei den Kindern (80 Rubriken) fallen Zorn auf die Eltern bis zum Außer-sich-Geraten, Schnarchen, Angst beim morgendlichen Erwachen und die schon genannte Begabung auf. Das Mittel zeigt eine Mischung aus Begabung und Reizbarkeit, die sich im Kindesalter ankündigt.

Zusammenfassung

China officinalis erscheint im Repertorium als ein Mittel des erschöpfbaren, aber fruchtbaren Geistes. Er plant, erfindet und philosophiert im nächtlichen Bett, verliert aber an Gedächtnis und Kraft, wenn dem Körper Säfte entzogen werden. Die Gefühle wechseln zwischen Überschwang und Untröstlichkeit, die Welt wirkt entwertet und hinderlich, und die Furcht gilt Tieren und dem Mitleid anderer. Das Bild ist das eines Menschen, dessen innerer Reichtum von der Zufuhr körperlicher Kraft abhängig bleibt.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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