Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Cocculus indicus (Cocc.)
Cocculus indicus (Cocc.) steht im Repertorium in 954 Rubriken. Davon sind 49 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 60 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei der Angst (52 Rubriken insgesamt), den Kindern, der Furcht, den Beschwerden durch Kummer und Sorge und den Wahnideen. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der sich um andere verausgabt, durch Störung, Lärm und Schlafmangel aus dem Gleichgewicht gerät und die Wirklichkeit schließlich hinnimmt.
Sorge und Pflege
Der Kern liegt in der Hingabe an einen anderen Menschen. Das Repertorium verzeichnet Beschwerden durch die Sorge um eine geliebte Person, sowohl als Single-Rubrik unter den Beschwerden wie unter den Sorgen: „Beschwerden durch – Sorgen, Besorgtheit, Kummer – geliebte Person, um eine“. Dazu gehört der Kummer, der nach langer Krankenpflege auf den Tod eines geliebten Menschen folgt: „Kummer, Trauer – Tod geliebter Menschen oder Freunde, durch – Krankenpflege geliebter Menschen mit langer Krankheit, nach“. Auch die geistige Erschöpfung hat diese Quellen: Sorgen, Nachtwachen und übermäßiges Studieren. Wer sich so verausgabt, achtet wenig auf sich: Die Angst um die eigene Gesundheit fehlt, die Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Gesundheit ist eigens als Single-Rubrik verzeichnet.
Die Störung und die Wirklichkeit
Zwei King-Pin-Symptome stehen einander gegenüber. „Störungen – Abneigung gegen“ beschreibt einen Menschen, der seine Lage, seine Routine und seinen Alltag unverändert behalten will und sich durch jede Unterbrechung genervt fühlt. Dem steht gegenüber: „Erkennt – die Wirklichkeit und akzeptiert sie“, also die Fähigkeit, sich ohne Klagen mit Umständen abzufinden, die sich nicht ändern lassen. Zur ersten Haltung passen die Intoleranz gegen Unterbrechung, die Abneigung gegen das Fahren und die Beschwerden durch Geräusche und Lärm, die als Single-Rubriken geführt werden. Zur zweiten passt die Gottergebenheit.
Wache Starre und Betäubung
Auffallend ist die Starre bei vollem Bewusstsein. Das Repertorium verzeichnet den Menschen, der alles erkennt, sich aber weder bewegen noch äußern kann und mit offenen Augen daliegt, sowie die Katalepsie: „Erkennt – alles, kann sich aber nicht bewegen“. In der Bewusstlosigkeit bleibt zuweilen die Wahrnehmung der Umgebung erhalten. Schwäche zeigt sich auch im Denken: Unentschlossenheit mit verengten Pupillen, Stumpfheit nach dem Trinken, Sprachfehler und falsche Wörter bei Typhus oder nach Schlaflosigkeit.
Furcht und Nacht
Die Furcht hat greifbare Gegenstände: plötzliche Ereignisse, Eklampsie, Konvulsionen, Gespenster beim Erwachen und bei Schlaflosigkeit, und die Angst vor dem Tod bei einer Magenentzündung. Die Nacht mit Schlafmangel und Schlaflosigkeit ist ihr Ort, und sie schlägt auch ins Körperliche: Heimweh mit Schlaflosigkeit, ein Traumzustand wie nach einer durchwachten Nacht, im Schlaf wegstoßende Bewegungen.
Scherz und Zorn
Die Stimmung kippt zwischen Scherz und Ärger. Mehrere Single- und kleine Rubriken verbinden das Spaßen mit Reizbarkeit, Zorn oder Ärger („Spaßen – abwechselnd mit – Ärger“), ebenso den Zorn mit Lebhaftigkeit. Das lässt sich lesen als eine Heiterkeit, die der Erschöpfung abgerungen ist und rasch in Gereiztheit umschlägt.
Wahnbilder
Die Wahnideen sind sinnlich und unheimlich: Lebendiges rolle auf einen zu oder über Wände, Boden und Sessel hinweg („Wahnideen – rollen – Wand, den Boden oder überall, etwas Lebendiges rollt über die“), man sei am Meer, die Organe seien ausgehöhlt, man habe eine niederträchtige Tat begangen oder sei vergiftet worden.
Frauen und Menses
Eigene Single-Rubriken betreffen die Menses: Wahnsinn, Manie, Tanzen und Niederträchtigkeit nach Amenorrhoe, Seufzen und Stöhnen bei unterdrückten Menses, Verzweiflung bei Menorrhagie, Jammern während der Menses. Auch die Empfindlichkeit der Mädchen ist eigens aufgeführt.
Zusammenfassung
Cocc. steht im Repertorium für einen Menschen, der sich in der Sorge um andere erschöpft, den Schlaf und die Ruhe verliert und durch jede Störung gereizt wird. Er bleibt oft wach und doch gelähmt, hinterlässt die Sorge um sich selbst und nimmt zuletzt die Wirklichkeit ohne Klage an.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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