Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Coffea cruda (Coff.)

Coffea cruda (Coff.) steht im Repertorium in 977 Rubriken. Davon sind 54 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 84 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern, der Entbindung, der Erregung, der Überempfindlichkeit, der qualvollen Angst und dem Weinen. Das Gesamtbild ist das eines Menschen, dessen Nerven jeden Reiz verstärkt zurückgeben: Er wird erregt, wo andere sich freuen, und er verliert den Schlaf an der Fülle seiner eigenen Gedanken.

Überreizung durch Freude

Der Kern liegt in einer Umkehrung. Das Angenehme wirkt hier wie sonst das Bedrohliche. Verzeichnet sind die Beschwerden durch plötzliche Freude, die qualvolle Angst durch übermäßige Freude und die Furcht vor angenehmen Überraschungen. Zwei Single-Rubriken gehen noch weiter: „Fröhliche Nachrichten – agg.“ und „Katalepsie – Freude, Vergnügen agg.“. Die Freude wird dabei nicht schwächer empfunden, sie überfordert. Auch Lachen verschlimmert, übermäßiges Lachen löst Konvulsionen aus, und die Fröhlichkeit wechselt mit Heulen und Jammern, die Furcht mit Hochgefühl. Man kann das lesen als eine Empfänglichkeit, die keine Dämpfung kennt: Was hereinkommt, trifft ungemildert.

Geistige Regsamkeit und Schlaflosigkeit

Dem entspricht ein überwacher Geist. Das Repertorium kennt Auffassungsgabe und Wahrnehmung von seltener Schnelligkeit, schnelles Erfassen sozialer Gefüge mit treffsicherem Urteil, enthusiastisches und erregtes Sprechen und einen Gedankenandrang beim Lesen. Der Geist läuft bis Mitternacht, und die Folge ist in einer Single-Rubrik ausgesprochen: „Aktivität – geistige – schlafen, kann deshalb nicht“. Im Fieber denkt die Person schneller als je zuvor; die Sorgfalt ist gesteigert, und eine Single-Rubrik nennt die Sorgen in der Stille. Zur Regsamkeit gehört auch ein Fieber der Gemütslage: In Hast und Eile, bei vehementem Wesen, beim Umherlaufen im Zimmer, wild, entlädt sich die Spannung körperlich.

Empfindlichkeit

Die Sinne sind aufgeschlossen bis zur Qual. Geräusche steigern den Schmerz, wie eine Single-Rubrik festhält: „Empfindlich, überempfindlich – Geräusche, gegen – Schmerz agg. durch Geräusche“; stark riechende Gerüche, Berührung im Schlaf und das Getragenwerden mit seitlicher Bewegung werden nicht ertragen. Ähnlich reagiert die Person auf Schmerz: Zahnschmerz bringt Raserei, Zahnung bringt Angst, und das Stöhnen und Weinen hängt oft an den Zähnen. Die Empfindlichkeit reicht in die Seele hinein. Das Weinen entsteht bei geringster Vernachlässigung: „Weinen – Vernachlässigung, durch die geringste“. Verzeichnet sind außerdem Untröstlichkeit, Jammern über Kleinigkeiten und ein Wechsel zwischen Weinen und Jammern, der auf eine Person weist, die ihre Erschütterung nicht abstellen kann.

Entbindung und Wochenbett

Die Entbindung bildet eine eigene Gruppe von acht spezifischen Rubriken. Gemütssymptome während der Entbindung erscheinen als Erregung, Klagen, Jammern, Verzweiflung und Weinen, mit Schlaflosigkeit durch äußerst quälende Schmerzen und mit Furcht vor dem Tod. Nach der Entbindung kommt das Delirium im Fieber hinzu, ferner funkelnde Augen und die Furcht, geisteskrank zu werden. Schreien bei drohendem Abort und Überempfindlichkeit bei reichlichen Lochien ergänzen das Bild. Der Körper in seiner stärksten Beanspruchung wird offenbar von der Seele mit derselben Überreizung beantwortet.

Kinder

Mit 84 Rubriken ist die Gruppe der Kinder die größte. Neugeborene schreien durch Überreizung, Säuglinge fahren leicht auf, Kinder begreifen schnell und sind erregbar in der Schwäche, in der Zahnung ängstlich und furchtsam. Auch das Zwicken und Kneifen vor Freude findet sich, eine kindliche Entsprechung der Überreizung durch Freude. Eine Single-Rubrik gehört zum Familienbild: „Eltern – Mutter – Mutterbindung, enge“, daneben steht die Abhängigkeit von der Mutter.

Zusammenfassung

Coff. beschreibt im Repertorium eine Person, deren Wahrnehmung schneller und weiter reicht, als ihr Nervensystem trägt. Aus der Offenheit für Eindrücke folgt die Unfähigkeit, Freude zu ertragen, Lärm zu dulden und nachts abzuschalten. Dass die Rubriken bei Entbindung und bei Kindern so dicht stehen, deutet darauf, dass der Zustand dort am deutlichsten hervortritt, wo ein Körper sich im Umbruch befindet und noch keine Schutzschicht gebildet hat.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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