Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Cuprum metallicum (Cupr.)
Cuprum metallicum (Cupr.) steht im Repertorium in 1.183 Rubriken. Davon sind 77 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 81 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, bei Furcht und Angst, bei den Wahnideen, dem Delirium und der Geisteskrankheit sowie bei Weinen, Schreien und Sprache. Zusammengenommen zeichnen sie das Bild eines Menschen, der unter Krampf und Schreck steht, dessen Angst keinen bestimmten Gegenstand braucht und dessen Gemütszustand im Anfall in Tierlaute, Wahn und Grausamkeit umschlagen kann.
Kinder und Anfall
Die Rubriken zu Kindern bilden mit 142 Einträgen die größte Gruppe. Viele von ihnen sind mit Krämpfen und ihren Folgen verbunden. Das Repertorium verzeichnet Furcht vor fremden Menschen bei Fieber und Furcht vor Fremden überhaupt, den Wunsch zu fliehen, eine unerträgliche Annäherung, Abneigung gegen Zärtlichkeit und gegen das Näherkommen anderer. Ein Kind, das getragen wird, wird steif und tritt. Daneben stehen periodische Phasen von Bösartigkeit und eine listige, gewitzte Art. Auffällig ist die Rubrik der Keuchhustenfurcht: Das Kind versucht, den Hustenanfall zu vermeiden, und die Single-Rubriken halten fest, dass die Angst vor den Anfällen nicht von der Angst im Anfall zu trennen ist. Auch die Stimmung folgt dem Husten, denn Fröhlichkeit und Traurigkeit wechseln einander bei Keuchhusten ab. Die kindlichen Rubriken enden damit weniger in einem Charakterbild als in einer Reaktionsform: Der Körper reagiert mit Spannung, und das Gemüt reagiert mit Abwehr gegen jede Annäherung.
Angst und Furcht
Die Angst ist mit 58 Rubriken, die Furcht mit 89 vertreten. Sie knüpft sich häufig an das Ereignis des Anfalls selbst: Verzeichnet sind Angst vor Konvulsionen und Furcht vor ihnen, ebenso Angst zwischen epileptischen Anfällen, Angst im Bett bei Krämpfen nach Schreck, Angst vor dem Anfall des Keuchhustens und Angst bei der asiatischen Cholera. Eine Single-Rubrik nennt die Angst unüberwindlich. Daneben stehen Ängste vor dem Auftreten in der Öffentlichkeit, vor Krieg, vor Autos und Autofahren, vor Wasser beim Haarewaschen und vor drohender Krankheit, bei der man von anderen abhängig würde. Eine eigene Gruppe gilt dem Versagen: Die Furcht vor Misserfolg verlangt ständige Bestätigung. Aus diesen Rubriken ergibt sich ein Bild, in dem die Angst nicht von außen kommt, sondern aus dem Gefühl, dass der Körper jederzeit die Kontrolle verlieren kann; sie hält sich an Schreck, Verletzung und Anstrengung.
Wahnideen
Die Wahnideen (57 Rubriken) zeigen zwei Richtungen. Die eine ist die Selbstüberhöhung, verzeichnet als Befehlshaber, als Person von Rang und als General; die Single-Rubrik „Multiple Persönlichkeitsstörungen – Identität, Fehler bezüglich der eigenen – General, hält sich für einen“ führt diese Linie bis zum Verlust der Identität. Die andere Richtung ist die Untauglichkeit: Die Person hält sich für unfähig zur Arbeit, fürchtet ein nahendes Unglück und glaubt, sie müsse leicht auftreten, um die Begleiter nicht zu verletzen oder zu stören und sich selbst nicht zu verletzen. Daneben stehen alltägliche, fast handwerkliche Bilder: Die Person meint, grünes Gemüse zu verkaufen, Kräuter zu sammeln oder alte Stühle und Sessel zu reparieren. Eine Single-Rubrik verzeichnet Polizisten, die sie zur Rede stellen, eine andere das Gefühl, nach vorne zu fallen, als würde sich etwas im Kopf drehen. Die Wahnideen verbinden damit Rang und Beruf, Schuld und Gleichgewicht.
Delirium, Wahnsinn und Manie
In Delirium (33 Rubriken), Geisteskrankheit (23) und Manie finden sich die drastischen Ausprägungen. Das Delirium tritt abends in der Dunkelheit auf, spricht vom Feuer, kommt mit Kollaps oder bei Gehirnerkrankungen. In zwei Single-Rubriken erscheint die Tierstimme: Das Delirium „blökt (brüllt) wie ein Kalb“; ihr entspricht die Rubrik „Stöhnen, Ächzen, Wehklagen – Kuh, wie eine“. Die Geisteskrankheit ist verzeichnet mit wildem Gesichtsausdruck, mit Beschwerden der Augen und des Blutkreislaufs, mit unerträglichem Bauchschmerz und mit Schweiß nach dem Anfall; eine Single-Rubrik hält fest, dass die Person ihren Stuhl auf den Boden entleert. Die Manie tritt klonisch, mit kaltem Schweiß und mit Herzbeschwerden auf. Hier zeigt sich, dass das Gemüt im Anfall die Zügel verliert und der Körper mit Schweiß, Zuckung und Lautäußerung folgt.
Stimme, Laute und Gesten
Die Rubriken zu Sprache, Schreien und Stimme sind für Cuprum ungewöhnlich dicht. Es gibt Aphonie bei Sängern, in zwei Single-Rubriken als „Aphonie – Aussetzen der Stimme bei Sängern, vorübergehendes“ und als intermittierende Aphonie festgehalten. Der Verlust der Sprache tritt durch Krämpfe oder Spasmen im Hals ein, und Aphasie folgt auf Angst und Furcht. Die Laute werden tierhaft: Die Person krächzt oder quakt wie ein Frosch, schreit wie ein Kind, spricht heiser und schrill. Ein Schreien tritt nach Konvulsionen auf, bei unterdrückten Menses und bei Beschwerden des Magens. Ebenso eindeutig sind die Gesten: Die Hände ballen sich zur Faust, die Daumen krümmen sich ein, besonders nach einem Schreck oder einem Sturz auf den Kopf. Dazu passt die Single-Rubrik zu Grimassen, die man zu verbergen sucht. Der Körper verrät in diesen Rubriken, was das Gemüt verbergen möchte.
Boshaftigkeit und Härte
Neben der Krampfneigung steht eine zweite, unerwartete Seite. Das Repertorium verzeichnet Boshaftigkeit in den Formen brutal, grausam, nach Konvulsionen und mit Lachen. Die Rubrik „Boshaft – grausam“ und die Härte gegen sich selbst („Hartherzig, unerbittlich – sich selbst, gegenüber“) stehen als Single-Rubriken nebeneinander; auch Hartherzigkeit gegenüber anderen ist verzeichnet. Dazu gehören Streitsucht in der Manie, die Neigung, Tiere zu necken und zu provozieren, und die Freude über das Unglück anderer. Eigensinn wechselt mit Milde. Die Zusammenstellung fällt auf: Wer die Kontrolle verliert, kann in Härte umschlagen, und die Härte richtet sich ebenso gegen die eigene Person.
Ehrgeiz, Arbeit und Unterdrückung
Nicht zu übersehen ist ein Zug von Leistung und Beharren. Verzeichnet sind der Wunsch, der Beste zu sein, die Rubriken zu effektivem und zu vielem Arbeiten, das Verlangen, die Arbeit zu beenden, und das Planen für den ganzen Tag. Die Rubrik „Fanatismus – gibt niemals auf“ fasst das zusammen. Dem steht die Unfähigkeit zur Anstrengung gegenüber, und das Überarbeitete lacht. Ebenfalls verzeichnet sind Folgen von Unterdrückung: Betäubung durch unterdrückte Hautausschläge, Schreien nach unterdrückten Menses und Hysterie mit Zuckungen nach der Menses. Das Gemüt scheint sich hier auszudrücken, wenn der Körper Abfuhr verweigert; die Stimmung steht in Verbindung mit dem, was nicht herauskommen kann.
Zusammenfassung
Cuprum metallicum zeigt im Repertorium ein Bild von Spannung und Entladung. Angst, Schreck und Anfall verketten sich; das Gemüt tritt im Delirium, im Wahn und im Tierlaut aus der Ordnung heraus, und die Härte, die dabei hervorbrechen kann, trifft andere und die eigene Person. Dem steht ein ausgeprägter Wille zu Leistung und Durchhalten gegenüber, den der Körper mit Krampf und Stimmverlust zu begrenzen scheint. Besonders dicht sind die Rubriken zu Kindern, in denen sich Angst, Abwehr jeder Annäherung und Anfallsneigung überlagern.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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