Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Graphites naturalis (Graph.)
Graphites naturalis (Graph.) steht im Repertorium in 940 Rubriken. Davon sind 36 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 67 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei Traurigkeit, Angst und Furcht, bei den Gedanken, dem Frohsinn, dem Lachen und der Ruhelosigkeit, dazu bei Stöhnen, Stimme und Kindern. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines schlichten, derben Menschen, dessen Stimmung zwischen Frohsinn und Schwermut schwankt, dem Tadel nichts anhaben zu können scheint und der von Furcht, grübelnden Gedanken und nächtlicher Unruhe geplagt wird.
Wechsel von Frohsinn und Schwermut
Der Orientierungspunkt ist der Tageslauf der Stimmung. Frohsinn am Morgen und Traurigkeit am Abend folgen einander, in mehreren Fassungen: „Traurigkeit – abwechselnd mit – Fröhlichkeit – abends“, Fröhlichkeit am Vormittag, Kummer am Abend, Kummer nachts im Bett. Auch Reizbarkeit wechselt mit Weinen und mit Lachen über Kleinigkeiten. Die Traurigkeit ist dabei körperlich getönt: Sie hat Schwere in den Füßen und im Körper, kommt mit Druck in der Brust und bessert sich vormittags. Die Verzweiflung gilt in einer Single-Rubrik Kleinigkeiten, die Entmutigung der Nacht und dem Erwachen.
Lachen bei Tadel
Eine besondere Gruppe von Single-Rubriken betrifft den Umgang mit Kritik. Die Person lacht bei Tadel („Lachen – Tadel, bei“), lacht bei Zurechtweisung und lacht, wenn man ihr Vorwürfe macht. Die Rubrik zum Sich-selbst-Tadeln hält fest, dass das Lachen den Vorwurf begleitet („Tadelt sich selbst, macht sich Vorwürfe – lacht, wenn man sie/ihn tadelt, ihr/ihm Vorwürfe macht“). Kleine Rubriken ergänzen Unverschämtheit und eine Neigung zu provozieren, die in dieselbe Richtung gehen. Das lässt sich lesen als Unempfindlichkeit oder als Abwehr durch Heiterkeit.
Schlichtheit und Derbheit
Mehrere Rubriken zeichnen den Charakter: derb, bedenkenlos, unkultiviert, grob und ungeschlacht, antiintellektuell. Eine kleine Rubrik nennt „Einfache Menschen mit einfachem Gemüt“, eine weitere das Aushalten von viel. Damit verträgt sich der Dialekt, der unterdrückt wird, und das Verlangen zu lernen. Wissenschaftliche Arbeit erschöpft. Es entsteht ein Mensch, der körperlich und im Gemüt Belastung trägt, aber geistig wenig Raffinement sucht.
Furcht und nächtliche Gedanken
Furcht und Angst sind zu vielen Tageszeiten verzeichnet: Furcht am Morgen, Angst um zwei Uhr nachts, Furcht vor dem Geschäft, Panik und Verzweiflung bei Kindern. Auffällig ist die Rolle des Essens: Die Furcht vor dem Ersticken bessert sich beim Essen („Furcht, Phobie – Ersticken, vor dem – Essen amel.“), weitere Furchtrubriken bessern sich nach dem Essen. Die Gedanken sind hartnäckig, besonders vor Mitternacht, und bessern sich beim Gehen im Freien. Die Ruhelosigkeit steigt nach Mitternacht und beim Erwachen, auch bei lasziven Gedanken und nach Träumen.
Stimme, Töne, Geruch
Die Stimme zeigt eigene Zeichen. Beim Singen ist sie aussetzend, versagend oder resonanzlos („Stimme – resonanzlos – Singen, beim“), vor und während der Menses fällt sie aus. Orgelmusik verschlimmert und löst Weinen aus. Lärm und Geräusche bessern dagegen, während der Geruch von Blumen und von Holz abgelehnt wird („Blumen, Blumenduft – Abneigung gegen“). Das Stöhnen ist aus Schwäche und im Schlaf bei schrecklichen Träumen verzeichnet.
Kinder
Unter den Kinderrubriken (69) steht das Necken von Kindern als Single-Rubrik. Die Neigung, Kinder zu necken, passt zu der derben Heiterkeit, die das Bild durchzieht.
Zusammenfassung
Graphites naturalis erscheint im Repertorium als Mittel eines derben, einfachen Gemüts, das zwischen Frohsinn am Morgen und Schwermut am Abend wechselt, auf Tadel mit Lachen antwortet und nachts von Furcht und kreisenden Gedanken bedrängt wird. Der Körper schwingt mit: Schwere in den Gliedern, das Versagen der Stimme und die Besserung durch Essen.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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