Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Helleborus niger (Hell.)
Helleborus niger (Hell.) steht im Repertorium in 724 Rubriken. Davon sind 30 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 30 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Gesten, der Traurigkeit, der Gleichgültigkeit, den Wahnideen, der Betäubung und der Imbezillität, dazu bei den Kindern. Das Gesamtbild ist das eines Menschen, dessen Wahrnehmung und Geist sich nach Kummer oder Erschütterung verdunkeln.
Die verhangene Wahrnehmung
Der Kern liegt in der Abstumpfung. Verzeichnet sind Gleichgültigkeit, in der nichts bemerkt und wahrgenommen wird, Stumpfheit, bei der nicht verstanden wird, was geschieht, und eine Betäubung nach enttäuschter Liebe. Eine Single-Rubrik hält fest, dass die Sinnesorgane von Gehör, Geschmack und Sehen nicht beeinträchtigt sind, die Sinne aber dennoch abgestumpft wirken. Die Aufnahme ist demnach nicht defekt, sie wird nicht verarbeitet. Mit der Stumpfheit gehen Schwierigkeiten der Konzentration einher; wer sich sammeln will, reibt sich die Stirn.
Enttäuschung und Traurigkeit
Die Gemütsrubriken knüpfen oft an Verlust an: enttäuschte Liebe, Traurigkeit zur Zeit der Menarche, Melancholie bei Mädchen in der Pubertät, Trauer nach Fleckfieber, Typhus und Scharlach. Zwei dieser Rubriken verbinden Liebeskummer mit Amenorrhoe. Dazu tritt ein Selbstvorwurf, der bis zur Geisteskrankheit führen kann, und der Gedanke an Selbstmord aus Verzweiflung über den Verlust der geistigen Fähigkeiten. Das Mittel scheint dort zu stehen, wo ein Kummer nach innen sackt und dort das Denken verlangsamt.
Hilflosigkeit und Kindlichkeit
Die Hilflosigkeit zeigt sich im Gefühl, wie ein Kleinkind zu sein, und nach Erbrechen. Das Kind nimmt in diesem Bild viel Raum ein: 65 Rubriken, darunter Schreien im Schlaf bei Meningitis und Melancholie in der Pubertät. Der Schwachsinn tritt mit Negativismus auf oder mit Aufschreien, wenn man sich mit dem Betroffenen beschäftigt. Man kann darin eine Person sehen, die sich zurückgezogen hat und von Zuwendung gestört wird.
Bewegungen der Hände
Die Gesten sind ein eigener Schwerpunkt. Die Hände zupfen Bettwäsche und Lippen, die Daumen werden in die Handflächen gekrümmt, die Lippen werden gezupft, bis sie bluten, die Hände greifen zum Kopf. Das Bild ist das der Unruhe bei erlöschendem Bewusstsein. Dazu passen Rubriken zu Bewusstlosigkeit, die an Empfindungslosigkeit grenzt, zu Koma und zu unklarem Murmeln im Wechsel mit sensorischer Apathie und starrem Blick.
Fehler, Unrecht und Fliehen
Neben der Dumpfheit stehen Rubriken des Verfehlens: die Wahnidee, etwas falsch zu machen, die Neigung, Dinge falsch zu tun, und mangelndes Selbstvertrauen, die Absicht zu vollenden. Die Single-Rubrik „Fliehen, versucht zu – stürzen, versucht, sich in den Fluss zu“ gehört zu den schärfsten Ausschlägen. Die Furcht schlägt zudem in Manie um und umgekehrt, und die Manie lässt Tag und Nacht die Hände ringen.
Zusammenfassung
Helleborus niger zeigt im Repertorium einen Menschen, dessen Geist nach Kummer, Fieber oder Verletzung verlischt: Er nimmt nichts mehr auf, verliert sich in kindlicher Hilflosigkeit und tastet mit den Händen, wo das Bewusstsein schweigt. Der Selbstvorwurf bleibt als Stachel zurück und kann sich in Verzweiflung wenden.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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