Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Kalium carbonicum (Kali‑c.)
Kalium carbonicum (Kali‑c.) steht im Repertorium in 1.104 Rubriken. Davon sind 58 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 67 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, der Furcht, den Wahnideen und der Angst, dazu bei Traurigkeit, Gedanken, Reizbarkeit und Weinen. Das Bild ist das eines pflichtbewussten, konservativen und belastbaren Menschen, der sich an Gewohntes und an die Familie hält, nachts von Angst heimgesucht wird und die Augen vor seinen Problemen verschließt.
King-Pin-Symptom: Schließen der Augen
Das King-Pin-Symptom ist die Rubrik „Schliessen der Augen – amel.“. Sie bezeichnet die Haltung eines Patienten, der sich seiner Beschwerden und Probleme bewusst ist, aber die Augen davor verschließt; durch das Verschließen vor der Realität bessert sich der Zustand, weil er die Probleme für einen Moment nicht mehr sieht. Entsprechend steht eine Single-Rubrik zur Stumpfheit, die sich beim Schließen der Augen bessert. Das Bild einer Verdrängung, die entlastet, ist für das ganze Mittel bezeichnend: Die Person hält fest, was sie kennt, und weicht dem aus, was sie bedroht.
Pflicht, Gewohnheit und Konformismus
Eine Reihe von Rubriken beschreibt eine verlässliche, angepasste Haltung: gehorsam, beständig, konformistisch, optimistisch mit Bestimmtheit. Die Kleidung und das Ankleiden sind konservativ, die Belastbarkeit ist groß, und die Person klammert sich ans Gewohnte und bewahrt alles auf. Sie arbeitet, um etwas zu erreichen, und hat das Gefühl, arbeiten zu müssen. Die Furcht vor Arbeitslosigkeit gehört dazu. Bei Kindern ist es der Wunsch, trotz Fieber zur Schule zu gehen, und eine erhöhte Selbstkontrolle; ein dogmatisches Kindsein steht als Single-Rubrik. Dieser Eindruck von Zuverlässigkeit hat Brüche. Die Zuneigung wird nicht gezeigt, der Mensch verlangt nach Gesellschaft, behandelt aber diejenigen, die sich ihm nähern, schrecklich, und er streitet mit der Familie und sich selbst. Kinder, die Gesellschaft wollen, sind dabei unfreundlich oder abscheulich.
Angst und Furcht, besonders nachts
Die Furcht zählt 85, die Angst 54 Rubriken. Die Furcht gilt dem Alleinsein, wobei das Verlangen nach Alleinsein zugleich besteht, und sie kehrt zu festen Stunden zurück, nach Mitternacht bis 3 Uhr. Die Angst tritt nachts zwischen 2 und 4 Uhr auf, nach dem Frühstück, bei Krampf im Magen, mit Verlangen nach Aufstoßen und im Fieber zwischen 2 und 5 Uhr mit Schlaflosigkeit. Single-Rubriken führen die Angst auf Körperzustände zurück: beim Liegen auf der rechten Seite durch Blähungen, nach blutigem Stuhl. Das Stöhnen um 3 Uhr nachts ist ebenfalls nur diesem Mittel zugeordnet. Der Mensch wacht früh auf, drei oder vier Stunden nach dem Einschlafen. Er ist leicht erschreckt durch Berührung; die Furcht vor Berührung der Füße ist eine Single-Rubrik, ebenso die Abneigung gegen Liebkosung der Füße.
Wahnideen: Leere, Abgrund, Hohlsein
Die Wahnideen beschreiben ein Fehlen von Halt. Hinter der Person sei ein Abgrund oder eine Leere, sobald sie sich herumdreht; der Körper sei hohl, ein Leeregefühl herrscht im ganzen Körper. Der Nacken oder der äußere Hals seien zu groß, der Schwindel beginne im Magen, und die Gedanken seien vergangen oder würden plötzlich vergehen. Die Person glaubt zu sinken, sich hinlegen und sterben zu müssen, sieht Masken, alte, abstoßende Gestalten im Schlaf und Tauben im Zimmer, die sie fangen will. Eine Gruppe handelt vom Berauschtsein: Man sei berauscht gewesen, als erregt, und das Bett sinke beim Liegen.
Schreien, Manie und Erregung
Das Schreien umfasst fünf spezifische Rubriken, darunter Schreien über Kleinigkeiten, Schreien bei Schmerzen im Einatmen und im Schlaf um Hilfe oder Unterstützung. Die Manie tritt früh am Morgen und im Schlaf auf, und die Raserei im Bett am Morgen. Die Erregung wechselt mit geistiger Erschöpfung und ist durch Hunger verschlimmert. Ungeduld tritt mit Traurigkeit auf, und Zorn wechselt mit Gelassenheit. Beim Mittagessen kommt Zorn auf, beim Essen Reizbarkeit; Witze beleidigen. Zwei Rubriken verbinden Schüchternheit und Hoffnung im Wechsel, und das Entschlossenwerden kann panikartig sein.
Klarheit und Körper
Eine eigenartige Gruppe verzeichnet klare Gedanken und Ideenreichtum während Konvulsionen, bei klarem Bewusstsein. Hinzu kommen Gemütssymptome, die am Morgen und am Abend verschlimmern, die Stumpfheit mit Herzklopfen, die Verwirrung nach langem Schlaf und der Zerstreutheit nach den Menses. Die Wollust vor den Menses ist doppelt verzeichnet. Eine kleine Rubrik berichtet über die Diagnosen: Die Person berichtet Diagnosen und theoretisiert über Gesundheit.
Zusammenfassung
Kali‑c. zeigt im Repertorium einen Menschen, der sich an Pflicht, Gewohnheit und Familie hält und dessen Belastbarkeit nach außen groß ist. Nachts bricht die Angst durch, in festen Stunden zwischen zwei und vier Uhr, begleitet von Körperempfindungen, Hohlsein und Wahnbildern von Abgrund und Leere. Das King-Pin-Symptom, die Besserung durch Schließen der Augen, beschreibt das Muster im Kern: Das Problem wird nicht gelöst, sondern ausgeblendet. Der Mangel an Zärtlichkeit, die Konfliktbereitschaft gegenüber der Familie und die Schreckhaftigkeit gehören zum selben Bild.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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