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Lac caninum (Lac‑c.)

Lac caninum (Lac‑c.) steht im Repertorium in 581 Rubriken. Davon sind 42 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 48 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, den Rubriken zu Kindern, der Furcht, den Fehlern und den Beschwerden durch Verachtung und Verlust. Es entsteht das Bild eines Menschen, der sich beschmutzt, ausgeschlossen und verlassen fühlt, sich selbst nicht traut und von Visionen und Körperwahn geplagt wird.

Wahnideen

Die Wahnideen sind mit 89 Rubriken die größte Hauptrubrik und mit 28 spezifischen Einträgen auch die differenzierteste. Eine Gruppe betrifft das Bett: Es würde sich bewegen, hochgehoben werden, das Kopfbrett würde wackeln, und das Gefühl von Bewegung des Bettes ist eine eigene Rubrik. Eine zweite Gruppe betrifft Visionen von Ungeheuern, Schlangen, Spinnen und entstellten Gesichtern; ein grauenhaftes Monster würde unter dem Stuhl hervorkommen, man liege auf einer großen Schlange, und kriechende, krabbelnde Dinge werden nur bei Licht gesehen, nicht im Dunkeln. Zugleich fürchtet sich die Person erschreckt von einer Maus, die unter dem Stuhl hervorrennt. Eine dritte Gruppe richtet sich auf den Körper. Er würde in Stücke zerfallen, man würde aus dem Körper herauskommen müssen, um nicht verrückt zu werden, und man sei eine ekelhafte, schreckliche Krankheitsmasse, kurz oder verkleinert. Auch die Vorstellung, die Nase eines anderen zu haben, ist nur diesem Mittel zugeordnet.

Ausgeschlossen, mutterlos, verachtet

Das Selbstbild ist von Wertlosigkeit gezeichnet. Single-Rubriken halten fest, dass alles, was die Person sagt, eine Lüge sei, und dass sie eine Prostituierte sei; sie fühlt sich ausgeschlossen, führungslos, beschmutzt und machtlos. Die Wahnidee, man würde auf sie herabsehen, und die Beschwerden durch Verachtung gehören dazu: „Beschwerden durch – Verachtung, verachtet zu werden – herabsehen, Gefühl als würde jeder auf sie/ihn“. Bemerkenswert ist die Gruppe zur Mutter. Zwei Single-Rubriken sprechen vom Gefühl, mutterlos und mutterseelenallein zu sein, die Musik dient als Ersatzmutter, und Beschwerden treten nach Adoption eines Neugeborenen später auf. Die Furcht vor der Trennung von Freunden steht daneben.

Beziehung und Männlichkeit

Die Beziehungsfähigkeit ist gestört. Single-Rubriken verzeichnen die Unfähigkeit zur Beziehung und das Fähigsein zum Alleinleben, eine kleine Rubrik die Unfähigkeit zu einer langandauernden Beziehung. Die Männlichkeit erscheint in zwei kleinen Rubriken: Mangel an Männlichkeit und die Notwendigkeit, die eigene Männlichkeit ständig zu beweisen. Eine Single-Rubrik zeigt den Ekel vor der Sexualität, und die Hysterie tritt im Koitus und beim Höhepunkt auf, ebenso die Geisteskrankheit beim Höhepunkt des Orgasmus. Ein feindseliger Zug äußert sich im Schreiben von Gemeinheiten an Freunde und in einer anfallsweise auftretenden Raserei beim geringsten Anlass.

Furcht

Die Furcht richtet sich auf das Dunkle und Unheimliche mit einer Wendung, die nur dieses Mittel zeigt: „Furcht, Phobie – Dunkelheit, aber merkwürdigerweise nicht in der“ und die Furcht vor Monstern, nicht im Dunkeln, sondern im Hellen. Hinzu kommen die Furcht vor giftigen Tieren nachts, vor Erdbeben, vor einer Erkrankung der Atmungsorgane und davor, den Pflichten nicht nachkommen zu können. Eine Single-Rubrik verbindet die Wahnidee, geisteskrank zu werden, mit Stillsitzen und Nachdenken. Bei Kindern gehört die Angst, in Ohnmacht zu fallen, dazu.

Unvollendetes und Fehler

Mehrere Single-Rubriken betreffen das Unvollendete: Man will alles liegen lassen, sobald es begonnen ist, und kann begonnene Dinge nicht zu Ende bringen. Beim Lesen fügt die Person Worte hinzu oder lässt Worte aus. Das Sprechen stottert, wenn die Person schnell spricht; die Aphonie verschlimmert sich durch Anstrengung, und die Stimme ist bei Kindern nasal.

Körper und Tier

Auffällig sind Rubriken, die an das Tierische erinnern: das unablässige Bellen, wenn die Person allein im Auto sitzt oder allein zu Hause ist, der Widerwille gegen Körpergerüche anderer bei gleichzeitiger Liebe zum eigenen Körpergeruch und das Verlangen zu beißen, dem die Person nicht nachkommen kann. Die Augen erscheinen groß, und das Gefühl, abgegrenzt zu sein, kennzeichnet auch den kleinen Rubrikenbestand.

Zusammenfassung

Lac‑c. zeigt im Repertorium ein Bild tiefer Selbstentwertung. Die Person fühlt sich beschmutzt, ausgeschlossen, mutterlos und verachtet, ihre Worte erscheinen ihr als Lüge, ihr Körper als Krankheitsmasse, die in Stücke zerfallen könnte. Visionen von Monstern, Schlangen und Gesichtern, das schwankende Bett und die Furcht gerade im Hellen bilden die Gegenwelt zu dieser Selbstwahrnehmung. Beziehungen gelingen kaum, begonnene Dinge bleiben liegen, und die Gewalt richtet sich oft in Worten nach außen.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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