Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Lachesis muta (Lach.)

Lachesis muta (Lach.) steht im Repertorium in 2.600 Rubriken. Davon sind 160 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 250 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, dem Delirium, der Eifersucht, der Furcht, der Redseligkeit und der Sprache, dazu bei den Kindern. Aus diesen Rubriken ergibt sich das Bild eines Menschen von gesteigerter Geistestätigkeit, der redet, beobachtet und begehrt, sich verfolgt und beherrscht glaubt und in allem zum Äußersten neigt: im Arbeiten, im Lieben und im Verdacht.

Das Übermaß an Geist

Der Grundzug ist Überfülle. Die Rubriken sprechen von einem Menschen, der achtzehn bis zwanzig Stunden am Tag arbeitet, abends und vor der Menses besonders arbeitswütig wird und Arbeit nachts leicht findet: „Arbeiten – arbeitet – 18 – 20 Stunden am Tag“. Er assoziiert viel, denkt laut, diskutiert nächtelang und analysiert sich selbst ständig. Die Auffassung ist schnell, selbst von sozialen Gefügen mit treffsicherem Urteil. Eine Single-Rubrik schreibt der geistigen Aktivität eine nahezu prophetische Wahrnehmung zu, eine andere hält fest, dass die Person fühlt, was der andere denkt, und es ausspricht. Im Fieber denkt er schneller als je zuvor; nach geistiger Anstrengung folgen Redseligkeit, Delirium und Schlaflosigkeit.

Rede ohne Pause

Die Sprache ist das Ventil. Die Redseligkeit ist vielfach gegliedert: Sie kommt in gewählten Ausdrücken, nach geistiger Anstrengung, mit Ekstase, mit Schläfrigkeit und vor Mitternacht; sie schweift von einem Thema zum anderen und fließt mühelos. Hier steht allein: „Redseligkeit, Geschwätzigkeit – gewählten Ausdrücken, in“. Der Redner lässt andere nicht ausreden, spricht zischelnd oder lässt beim Sprechen die Endungen weg. Auch die Drohung hat ihre Rubrik, das Sprechen ist drohend, und die Rede kann erotisch gefärbt sein.

Eifersucht und Argwohn

Die Eifersucht ist die am feinsten gezeichnete Gemütsregung. Sie beschuldigt den Ehepartner der Untreue, tritt bei Frauen und bei Männern auf und äußert sich in Zorn mit unzusammenhängendem Reden, in Beschimpfungen mit unkeuschen Ausdrücken und in Katalepsie. Nur dieses Mittel verbindet sie mit schrecklichen Vorstellungen: „Eifersucht – schrecklichen Vorstellungen, mit“. Auch Spott und Satire können sich mit ihr verbinden, und die Person reißt sich vor Eifersucht die Haare aus. Enttäuschte Liebe führt zu Tobsucht und zu Amenorrhoe. Der Argwohn blickt sich nach allen Seiten um; die Wahnidee, bespitzelt zu werden, ist nur hier verzeichnet.

Verfolgung, Verlassenheit und Tod

Die Wahnideen sind zahlreich und von Bedrohung gefärbt. Das Bett sinkt mit der Person nach unten, „Wahnideen – Bett – sinken – sie würde sinken – mit dem Bett“, Gespenster stehen hinter ihr, Diebe zwingen zur Flucht aus dem Fenster, Freunde sprechen über sie. Morgens beim Erwachen ist die Person verlassen oder ohne Freunde. Sie glaubt, in eine Anstalt zu kommen, bestohlen worden zu sein, tot zu sein, und dass die Vorbereitungen für ihre Beerdigung getroffen würden. Das Herz hänge an einem Faden, der bei jedem Schlag reiße. Auch Visionen von Farbwolken zählen hierzu.

Bann, Begehren und Boshaftigkeit

Ein eigener Zug liegt im Verhältnis zu anderen. Eine Single-Rubrik beschreibt, dass die Person Menschen in den Bann zieht, „Bann – zieht Menschen in den“. Andere nennen sie betörend, sie nimmt andere in Besitz und fühlt sich selbst verzaubert, ohne den Zauber brechen zu können. Die Erotik gehört dazu, als Wollust, Masochismus, feuchte Küsse und erotische Redeweise, mitunter vor Konvulsionen und gefolgt von Epilepsie. Daneben stehen Boshaftigkeit im Traum, der Impuls, jemanden zu vergiften, und die Neigung zu verleumden. Die Person will bewundert werden statt geliebt.

Zyklus, Klimakterium und Rausch

Das Muster bindet sich an hormonelle Lebensphasen. Vor der Menses treten Suizidneigung, Verlangen zu töten, Beschimpfen, Alkoholsucht, Laufen und Arbeitswut auf; im Klimakterium kommen Wutanfälle, Manie, Argwohn und Vergesslichkeit hinzu. Rausch und Delirium tremens sind reich vertreten, ebenso bipolare Störungen mit Einkaufswut. Beim Alkoholiker findet sich Streitsucht, Furcht, Weinen und Sentimentalität.

Kinder und Religion

Die Kinderrubriken setzen den Zug fort: Kinder, die manipulieren, schon als Säuglinge, die sich selbst beherrschen, die schnell begreifen und altklug reden. Jugendliche lesen viel in der Bibel, beten und knien; in religiöser Manie werden Bibelstellen wörtlich genommen. Ein Rückzug zeigt sich als Weinen bei sanfter Poesie und bei Anekdoten.

Furcht, Ahnung und Körper

Die Furcht trägt ein religiöses und ein düsteres Gesicht. Verzeichnet sind die religiöse Monomanie, böse Ahnungen, das Gefühl, es sei etwas Böses geschehen, und die hartnäckigen Gedanken an Böses. Die Furcht vor dem Einschlafen wächst mit zunehmenden Schmerzen; die Angst vor dem Erwachen gilt der Vorstellung, nie wieder aufzuwachen. Der Körper antwortet auf das Gemüt: Wärme verschlimmert, warmes Baden und warme Anwendungen ebenso, und die Benommenheit bessert sich, sobald die Füße im warmen Zimmer warm werden. Regen und das Tröpfeln des Regens lindern. Die Person ist empfindlich gegen Bewegungen und Schritte im Zimmer. Dazu tritt das Verlangen, am eigenen Kragen zu ziehen und zu reißen.

Standhaftigkeit und Zerfall

Neben der Überfülle steht ein Zug des Aushaltens und des Verlusts. Die Person hält bis zur Grenze durch, lässt sich nicht korrumpieren und bleibt ausdauernd bei der Arbeit. Zugleich beschreibt das Repertorium ein chaotisches Verhalten, das nichts auf ordentliche Weise zu Ende führt, Hemmungen, eine chronische Apathie und eine Vergesslichkeit, die alles Geschehene der letzten sechs Jahre betrifft. Im Alter schwindet das Gedächtnis für jüngste Ereignisse. Der Ehemann macht der Frau und dem Sohn keine Geschenke. Es sind Einzelzüge, die zusammen eine Gestalt ergeben, die viel leistet und an sich selbst knapp bleibt.

Zusammenfassung

Im Repertorium erscheint Lachesis als ein Mittel der Steigerung: des Geistes, der Rede, des Begehrens und des Verdachts. Die Person bewegt sich zwischen Hochgefühl und Schwermut, Ekstase und Gewalt, Bann und Verfolgung, und sie rechnet überall damit, dass andere nach ihr greifen. Wo das Gleichgewicht nicht hält, äußert sich das in Nacht, Rausch und Zorn.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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