Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Nitricum acidum (Nit‑ac.)
Nitricum acidum (Nit‑ac.) steht im Repertorium in 1.149 Rubriken. Davon sind 65 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 83 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, der Angst, den Wahnideen, den Beschwerden durch und der Furcht, dazu bei Traurigkeit, Weinen und Empfindlichkeit. Das Bild ist das eines verbitterten, nachtragenden und unzufriedenen Menschen, der ständig klagt, Trost und Mitgefühl abweist, in Streit und Prozessen lebt und sich um seine Gesundheit sorgt.
Verbitterung und Nachtragen
Der Kern liegt in einer lange festgehaltenen Kränkung. Das Repertorium nennt Hass auf Menschen, die gekränkt haben, wobei Entschuldigungen ungerührt lassen, ein bitteres Gefühl aufgrund leichter Kränkungen und die Boshaftigkeit lange nach Beleidigungen, eine Single-Rubrik. Die Person fühlt sich leicht beleidigt, selbst wenn sie es nur glaubt. Dazu gehören Neid, Habgier und Hass, das Tadeln anderer, in einer Single-Rubrik der Ärztin oder des Behandlers, die Traurigkeit, die andere beschuldigt, und die kleine Rubrik: „Froh, fröhlich – glücklich, niemals“. Mitgefühl fehlt, wie die Single-Rubrik „Einfühlsamkeit – Mangel an“ zeigt; bei Kindern dagegen steht Mitgefühl, aber auch Verbitterung. Im Verhältnis zur Mutter steht der Hass auf die Mutter, ebenfalls Single-Rubrik.
Klagen und Trostverweigerung
Die Person beschwert sich ständig. Verzeichnet sind ständiges Klagen, Klagen mit Drohungen, Kummer mit Klagen, Ärger über alles und Ärger bei Lärm. Trost und freundliche Worte werden abgelehnt, wenn sie das eigene Unglück betreffen. Sie spricht über Unglück und gibt eine Besserung der Beschwerden nicht zu. Die Unzufriedenheit bezieht sich auf die Gesundheit, die Ungeduld auf die Heilung, denn der Behandler soll sie sofort heilen. Die Verzweiflung grenzt an Raserei mit Fluchen und Verwünschungen, und das Fluchen kommt abends, abends daheim und bei Mutlosigkeit. Das Weinen bessert die Entmutigung und die Unzufriedenheit.
Streit und Prozess
Eine eigene Gruppe verknüpft das Gemüt mit Streitigkeiten. Die Person führt Streitgespräche mit abwesenden Personen, ist angriffslustig im Sprechen und kommt bei Debatte und Streitgespräch in Erregung. Die Wahnidee, an einem Gerichtsverfahren beteiligt zu sein, ist nur diesem Mittel zugeordnet, ebenso die Angst, wie in ein Gerichtsverfahren oder eine Streitigkeit einbezogen zu sein, und die Furcht vor einem Prozess. Dazu fügen sich die Rubriken zum Meineid: betrügerisch, hinterhältig, begeht Meineid. Auch nachts richtet sich die Aggression nach außen; eine kleine Rubrik beschreibt das Schlafwandeln, um aus Rache andere Schlafende zu schlagen. Ein Hinweis auf die Härte gegenüber sich und anderen ist die Rubrik „Beschwerden durch – Bevormundung – Kindern, bei – elterlicher Bevormundung, bei langer Geschichte übermäßiger – harte, rauhe Erziehung“.
Gesundheitssorge
Hypochondrie und Furcht um den Körper sind zahlreich. Verzeichnet sind die Wahnidee einer unerkannten und einer unheilbaren Krankheit, die Hypochondrie mit Furcht vor dem Tod, die Furcht vor Haarausfall und ihr Wahnbild, ausfallende Zähne beim Zusammenbeißen und die Furcht, die homöopathischen Arzneimittel zu antidotieren. Auch Furcht vor Anusprolaps und vor Schlafmangel, vor dem Steigen und die Angst beim schnellen Gehen stehen hier. Die Angst richtet sich auf das Herz: Blutandrang zum Herzen, Angst in Brust und Herz, Zusammenziehung in der Herzgegend. Eine verheerende Angst und eine untröstliche Angst sind eigene Rubriken, und beim Verlust eines Freundes entsteht qualvolle Angst, bei Kindern ebenso.
Empfindlichkeit und Fahren
Die Empfindlichkeit zeigt sich gegenüber Schmerz, bereits leichte Schmerzen machen außer sich; gegenüber Erschütterung, gegenüber vorüberfahrenden Autos, Männerstimmen und Lärm. Kennzeichnend ist die Besserung im Wagen: Gemütssymptome bessern beim Fahren, Autofahren und im Wagen, die Stumpfheit bessert im Wagen. Eine Besonderheit ist der Bezug auf einen Schmerz in der rechten Lumbalregion, der Arbeit unmöglich macht, Faulheit, Traurigkeit, Reizbarkeit und geistige Anstrengung verschlimmert. Dazu der Missbrauch von Quecksilber als Ursache von Beschwerden und Erregung und die Verlagerung des Uterus als Ursache von Aphasie und Sprachverlust.
Wahnideen und Wahrnehmung
Die Wahnideen sind besonders mit Bildern verbunden: Man sieht Bilder, die größer und kleiner werden, rennen, sich schnell bewegen, verschwinden und wieder erscheinen, abends im Bett, ferner Gespenster im Frost. Hunde würden sie angreifen und Fleisch und Knochen abnagen. Das Kind sei nicht das eigene. Die Person spricht irrational oder geisteskrank und im Delirium in einer fremden Sprache oder von fremden Ländern. Kunst und gestaltende Talente stehen neben dem Nihilismus.
Zusammenfassung
Nit‑ac. zeigt im Repertorium einen Menschen, in dem Kränkung fortwirkt. Verbitterung, Hass, Nachtragen, Klagen, Fluchen und Streit prägen das Bild, Trost wird abgewiesen, Mitgefühl fehlt, die Gesundheit beunruhigt und das Heilwerden soll sofort geschehen. Auffallend sind der Bezug zu Gerichtsverfahren und Meineid, die Besserung im fahrenden Wagen und die Bilder, die sich bewegen und verschwinden. Die Rubriken zu harter Erziehung, zur Verbitterung bei Kindern und zum Hass auf die Mutter fügen dem Bild eine biografische Seite hinzu.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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