Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Nux vomica (Nux‑v.)
Nux vomica (Nux‑v.) steht im Repertorium in 2.788 Rubriken. Davon sind 173 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 245 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Wahnideen, der Furcht, der Überempfindlichkeit, der Reizbarkeit und dem Zorn, dazu bei Gebärden, Farben und Alkohol; mit 273 Rubriken sind auch die Kinder stark vertreten. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der mit größter Energie arbeitet, sich selbst und andere antreibt und dessen Reizbarkeit jede Störung, jeden Widerspruch und jede Kleinigkeit mit Zorn beantwortet.
Arbeit und Antrieb
Die Arbeit ist der erste Pol. Die Single-Rubriken verzeichnen übermäßiges Arbeiten, Arbeiten an mehreren Dingen gleichzeitig, das Besessensein von der Arbeit, den Empfang vieler Aufgaben und die Beschäftigung mit Kleinigkeiten. Kleine Rubriken nennen den Arbeitsmenschen, die Arbeitssucht, die Führungsposition, die Verantwortung und das Antreiben anderer zur Eile. Daneben stehen schnelle Bewegungen, entschiedene Bewegungen und ein Wesen, das schnell im Handeln ist; zugleich fehlt aber das Interesse, und es gibt Abneigung gegen das Aufstehen, die tägliche Arbeit und die literarische Arbeit. Man kann darin ein Muster sehen, in dem Pflicht und Ehrgeiz die Kräfte aufbrauchen. Wo der Ehrgeiz enttäuscht wird, antworten Beschwerden, Stöhnen und unzusammenhängende Sprache.
Zorn und Reizbarkeit
Der zweite Pol ist die Gereiztheit. Das Repertorium kennt Zorn, der unangemessen ist, und Aggression, die plötzlich kommt, Raserei, die heftig und kurz ist, und die Neigung, sich über alles aufzuregen oder wegen Kleinigkeiten auszurasten. Der Auslöser ist oft eine Störung, denn die Person streitet, wenn sie gestört wird, und gerät in Raserei, wenn man sie weckt. Der Zorn wirkt nach: Nach ihm sind Arbeit und Tatkraft gelähmt, die Faulheit nimmt zu, und aus Ärger entsteht Verwirrung. Das Temperament wird ausdrücklich cholerisch genannt: „Temperament – cholerisch – hitzig, neigt zu Zorn, Boshaftigkeit oder Täuschung, immer reizbar und ungeduldig“. Es geht bis zum plötzlichen Impuls zu töten, wegen einer geringfügigen Beleidigung, oder zu vergiften.
Überempfindlichkeit
Was den Zorn weckt, trifft einen Menschen ohne Schutzhaut. Es gibt Überempfindlichkeit gegen die geringsten Beschwerden, gegen Gerüche, Musik und Gesang, gegen Licht vor den Menses und gegen leuchtende, glänzende Farben. Blumenduft macht ohnmächtig. Die Farbrubriken sind eine Besonderheit: Verzeichnet sind Verlangen nach türkis und nach hellbraun, dazu Abneigung gegen Dunkelgrün, außerdem Unbehagen bei dunklen wie bei hellen Farben. Das Weinen kommt beim geringsten Widerspruch.
Genuss und Zerfall
Der dritte Pol ist der Genuss. Alkoholismus ist breit verzeichnet, in der Schwangerschaft, mit Diabetes, mit nächtlichem Aufstehen zum Trinken, ferner Medikamentenmissbrauch, Maßlosigkeit, Schwelgerei und ein Luxusleben. Das Delirium tremens erscheint in mehreren Formen: bei Lungenentzündung, mit Boshaftigkeit, Raserei und bösartiger Heftigkeit, mit nervöser Erregbarkeit und überklarem Bewusstsein. Betäubung und Verwirrung folgen der Nachtschwärmerei. Zum Zerfall gehören ein hartnäckiger Wahnsinn und die Hypochondrie bei Alkoholikern und bei Beschwerden von Magen und Darm.
Wahnideen vom Bett
Die Wahnideen sind vielfältig, ein Motiv wiederholt sich: das Bett. Jemand komme in das Bett und es sei kein Platz mehr, jemand habe es verkauft, es wirble mit ihr herum. Daneben drehen sich Zimmer und Gehirn, alles gärt, man steht im Kreis. Eine Single-Rubrik meldet die Wahnidee, arm zu sein und doch reich, mit sinnlosen Käufen. Die Wahnideen vom Bett erscheinen als verdichtete Form der Störung: Der Ort der Ruhe ist nicht mehr der eigene.
Wechsel der Stimmung
Die Stimmung folgt einer Tageskurve, die in Single-Rubriken festgehalten ist: Fröhlichkeit am Abend wechselt mit Traurigkeit am Morgen. Spannkraft wechselt mit Niedergeschlagenheit. Die Person ist am Morgen oft verdrossen, nachmittags redselig und abschweifend, und die Sprache ist unverblümt, unpassend und auch hochtrabend. Selbstmord wird ausgesprochen und nicht begangen: „Suizidneigung, Neigung zum Selbstmord – spricht immer von Selbstmord, begeht ihn aber nicht“.
Zusammenfassung
Nux vomica zeichnet sich durch eine Spannung zwischen Leistungsdruck und Reizbarkeit aus. Wer unter dieser Spannung steht, treibt sich und andere voran, erträgt Störungen, Reize und Widerspruch kaum und greift zu Alkohol und Mitteln, wenn die Kraft erlahmt. Das Bild ist durchgehend, in Zorn, Hast und Überempfindlichkeit, das eines Menschen, der sich nicht schonen kann.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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