Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Olibanum sacrum (Olib‑sac.)
Olibanum sacrum (Olib‑sac.) steht im Repertorium in 376 Rubriken. Davon sind 53 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 43 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Gedanken, den Wahnideen, der Liebe und den religiösen Gemütsstörungen. Es entsteht das Bild eines Menschen, der sich nach Liebe, Reinheit und Sinn sehnt, mit offenem Bewusstsein wahrnimmt und dabei die Grenzen des eigenen Selbst leicht verliert.
Sehnsucht
Der Grundton ist das Verlangen. Die Rubriken verzeichnen Sehnsucht nach Liebe, nach lieben Menschen, nach Gesellschaft, nach Natur, nach Reisen in fremde Länder, nach Frieden, Klarheit und Seelenheil; allein hier steht „Liebe – Sehnsucht nach“. Daneben stehen der Abschied, der schwerfällt, die eingebildete Liebe zu einer Person und das Verlangen nach Verführung. Die Zuwendung wird auch nach innen gerichtet: Die Person umarmt sich selbst und übernimmt Verantwortung für sich.
Das Heilige
Das Religiöse erscheint als Stimmung und nicht als Lehre. Eine Single-Rubrik nennt die heilige Stimmung, „Stimmung, Laune – heilige Stimmung“, andere das Gefühl der Reinheit des Herzens, religiöse Lieder und das Beschäftigtsein mit religiösen Gedanken. Bilder gesellen sich dazu: Die Person ist in einer Kathedrale, sie wäre eine Nonne und müsste ins Kloster gehen, sie hat in der Kirche das Gefühl zu fliegen, „Wahnideen – Fliegens, Gefühl des – Kirche, in der“. Dem steht das Kitschige gegenüber, denn auch Kitsch erscheint schön, und die Seele fühlt sich schön.
Gedanken
Die Gedanken sind die größte Gruppe, und fast jede Single-Rubrik gibt ihnen einen Gegenstand: Beerdigung, Geburt, Elend, Drogen und Süchte, Gott und Gottvertrauen, Liebende in der Literatur, die menschliche Kommunikation, die Hilfe der Gemeinschaft, der Sinn des Lebens. Dazu passt das Lösen von Blockaden. Der Verstand bleibt dabei klar, selbst trotz Alkohol, und erfasst Zusammenhänge leicht, wechselt aber mit Mattigkeit.
Körper und Grenze
Das Bewusstsein ist gesteigert, bis hin zur Zentrierung im eigenen Körper: „Bewusstheit – erhöhte – Körpers, des – zentriert, fühlt sich im Körper“. Das Gefühl der Verjüngung, das Essen ohne Hunger und eine kleine Rubrik zum Einswerden mit dem Universum gehören hierher. Gegenläufig zeigen sich die Unsicherheit der Identität und der persönlichen Grenzen, die Wahnidee, sich aufzulösen, und die Furcht, die Selbstkontrolle zu verlieren. Ein Rückblick auf frühere Drogenerlebnisse und Reisen, die Freude, die in Traurigkeit umschlägt, und die gesteigerte Geisteskraft, auf die Schwäche folgt, zeigen eine Bewegung, die sich nicht hält.
Zusammenfassung
Wo Sehnsucht, Andacht und gesteigerte Wahrnehmung zusammenkommen, wird die Abgrenzung dünn. Die Rubriken lassen sich lesen als Zeichnung einer Empfänglichkeit, die den Menschen öffnet, ohne ihm Halt zu geben.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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