Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Phosphoricum acidum (Ph‑ac.)

Phosphoricum acidum (Ph‑ac.) steht im Repertorium in 1.198 Rubriken. Davon sind 58 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 74 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern, den Beschwerden durch Kummer und enttäuschte Liebe, bei Angst, Wahnideen, Furcht, Stumpfheit, Traurigkeit, Gleichgültigkeit und Delirium. Das Bild ist das eines Menschen, der nach Kummer, Enttäuschung und Erschöpfung innerlich verlangsamt, teilnahmslos und leer wird, bei dem Denken, Sprechen und Handeln zäh werden und dessen Angst vor allem der eigenen Genesung und dem Tod gilt.

Kummer und enttäuschte Liebe

Der erste Schwerpunkt ist der Kummer als Ursache. Die Rubriken zu Beschwerden durch Kummer (60 Rubriken unter „Beschwerden durch“) und die zu Liebe und Trauer verzeichnen, welche körperlichen Folgen das Gemüt nach sich zieht: Kopfschmerzen im Hinterkopf und Nacken, am Scheitel mit dem Gefühl, das Gehirn werde zerquetscht, chronisch-kongestive Kopfschmerzen, Ikterus, Haarausfall, Schläfrigkeit und Typhus. Bei enttäuschter Liebe stehen Kälte der Extremitäten, ein fast unfühlbarer Puls, trockener hackender Husten, Abmagerung, schwacher und schneller Herzschlag, Schläfrigkeit und Schweratmigkeit nebeneinander. Das Verhalten dazu beschreiben kleinere Rubriken: ein abgestumpftes Brüten über die Liebessorgen, das Verweilen bei vergangenen Enttäuschungen und unangenehmen Ereignissen, Weinen bei schlechten oder traurigen Nachrichten. Auch das Heimweh gehört hierher, mit Schläfrigkeit, Weinerlichkeit oder stiller schlechter Laune, bei Kindern als stille Verstimmung. Der Kummer wird nicht ausgesprochen, sondern still verarbeitet und im Körper ausgetragen.

Gleichgültigkeit und Stumpfheit

Der zweite große Zug ist der Verlust an Anteilnahme. Verzeichnet sind Gleichgültigkeit nach Kummer, mit Abmagerung und Schwäche, nach geistiger Anstrengung und nach Masturbation, gegenüber den Angelegenheiten des Lebens und gegenüber widrigen Umständen. Eine Single-Rubrik beschreibt ein unverhältnismäßiges Aufbegehren gegen widrige Umstände trotz der Apathie, eine kleine das Gefühl, alles erscheine tot und leblos, eine weitere die Gleichgültigkeit in Bezug auf die Zukunft mit dem Gefühl, weit entfernt zu sein. Die Stumpfheit entsteht durch Kummer und durch geschäftliche Sorgen, tritt im Alleinsein auf und geht bei Männern mit Impotenz einher. Entmutigung zeigt sich im Freien und beim Gehen, und die Traurigkeit wird beim Gehen im Freien stärker, je länger die Person geht. Die Leere hat eine Richtung: Sie wächst mit der Bewegung nach draußen und der Länge des Wegs.

Verlangsamtes Denken und Sprechen

Eine ungewöhnlich dichte Gruppe betrifft Antworten und Gedanken. Verzeichnet sind verzögertes Antworten, langsames Antworten bei Benommenheit, widerwilliges, kurzes und unzusammenhängendes Antworten, unangemessene Antworten und die Unfähigkeit, beim Antworten die Worte zu finden. Das Gedächtnis versagt bei Namen von Familienangehörigen, die Gedanken schwinden am Morgen, bei geistiger Erschöpfung fehlen Ideen, und geistige Anstrengung ist morgens und nach sexuellen Exzessen schädlich. Beim Lesen drängen sich die Gedanken auf und schwirren durcheinander, ebenso Phantasien und Erregung; Lesen und Studieren erzeugen Schweregefühl in Kopf und Gliedern. Eine Abneigung gegen das Denken und ein gedankenloses Starren am Morgen runden das Bild ab. Es ist offenbar das Denken selbst, das erlahmt, und zugleich fließen die Gedanken unkontrolliert.

Erschöpfung durch Überforderung

Als Ursachen der Erschöpfung nennt das Repertorium Sorgen, übermäßiges Lernen und sexuelle Exzesse, aber auch die Unterdrückung von Diarrhoe. Auf geistige Erschöpfung folgt körperliche Schwäche; kleine Rubriken verzeichnen das Gefühl von Abgeschlafftheit, langsames Gehen, Arbeitsunfähigkeit am Morgen und nach sexuellen Exzessen, Schwäche der Kinder nach schnellem Wachstum und Müdigkeit nach der Schule. Das Schuldgefühl nach Masturbation tritt als quälendes Gefühl auf, ebenso die Gewissensangst. Verwirrung entsteht wie durch sexuelle Exzesse. Das Mittel zeigt damit eine enge Verknüpfung von moralischer Last, Überanstrengung und Kraftverlust.

Angst und Todesfurcht

Die Angst (59 Rubriken) gilt in besonderer Weise der Gesundheit und der Genesung. Single-Rubriken beschreiben Angst um die eigene Gesundheit in Bezug auf die Genesung, Angst mit Verwirrung und Benebelung bei Typhus, Angst bei Husten mit schaumigem hellrotem Blut und Angst bei reichlichem nächtlichem Schweiß. Kleinere Rubriken verbinden die Angst mit der Verzweiflung über die Genesung und mit dem Zwang, sich hinlegen zu müssen. Die Furcht vor dem Tod tritt mit Druck im Hypogastrium, bei Pocken und im Sitzen auf; ferner die Furcht, berührt zu werden an wund schmerzenden Körperstellen, und die plötzliche Furcht vor dem Urinieren. Leichtes Erschrecken führt zu Auffahren, als würde die Person aus der Höhe ins Wasser fallen, nachts verstärkt. Die Angst ist eng mit dem Körper verbunden, und der Zweifel an der eigenen Genesung ist der Kern.

Delirium und Bewusstseinszustände

Das Delirium (30 Rubriken) ist ruhig, leise und langsam: Die Person brummt oder flüstert langsam, ist mild mit Entkräftung bei Brightscher Krankheit, apathisch, mit Benommenheit und Schwerfälligkeit im Kopf, oder sie delirierte im Sitzen. Wer erweckt wird, ist sofort voll bei Bewusstsein, so eine Single-Rubrik. Bewusstlosigkeit tritt am Morgen auf, wenn die Person allein ist, oder als Schlafsucht ohne Schnarchen mit geschlossenen Augen. Die Geisteskrankheit geht mit Verzerrung des Mundes einher. Selten, aber bemerkenswert sind die Rubriken zum unbewussten und besinnungslosen Tanzen. Delirium und Benommenheit sind hier nicht wild, sondern leise.

Wahnideen und Empfindlichkeit

Unter den Wahnideen finden sich wenige, aber eigenartige Einzelheiten: Das Bett sei umgekippt und die Person stehe auf dem Kopf, sie müsse unter der eigenen Stirn hervorschauen, sie höre die Uhr schlagen oder Gegenstände sich bewegen, und sie sehe Zahlen, Zeichen und Ziffern. Die Empfindlichkeit richtet sich auf Musik: Jeder Ton erzeugt Stechen im Ohr und heftige Kopfschmerzen. Daneben stehen Tadeln anderer am Morgen und am späten Nachmittag um 16 Uhr, Wildheit durch Ärger und eine Pubertätsmürrischkeit.

Zusammenfassung

Phosphoricum acidum steht im Repertorium für das Muster der Erschöpfung nach Kummer. Enttäuschte Liebe, Heimweh, Sorgen und Überanstrengung führen zu Gleichgültigkeit, Stumpfheit und einer verlangsamten Sprache; die Gedanken schwinden oder drängen sich auf, der Körper antwortet mit Schwäche, Abmagerung und Herzbeschwerden. Die Angst gilt der Genesung und dem Tod, das Delirium bleibt leise. Das Bild ist das eines Menschen, der nicht aufbegehrt, sondern leerläuft.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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