Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Psorinum (Psor.)
Psorinum (Psor.) steht im Repertorium in 802 Rubriken. Davon sind 64 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 64 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, den Wahnideen, der Angst, der Ruhelosigkeit und der Furcht, dazu bei Verzweiflung, Armut und Fahren. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der sich arm, krank und dem Abstieg preisgegeben fühlt, dessen Verzweiflung sich an Haut, Körpergefühl und Nachtruhe festmacht und der selbst im Wohlstand die Not erwartet.
Armut und sozialer Abstieg
Der Kern liegt in einer Not, die nicht äußerlich sein muss. Das Repertorium verzeichnet Armut als innere, als kaschierte und als eine, die in Verzweiflung getrieben wird, dazu die Angst vor dem sozialen Abstieg. Die Sorge um den Besitz bleibt vom tatsächlichen Stand unberührt: Als Single-Rubrik steht „Angst – Geschäfte, über – florierender Geschäfte, trotz“. Die Wahnideen führen es weiter, die Person werde ihr Vermögen verlieren oder verhungern müssen, und die Rubriken nennen das Darben, das Gefühl, verhungern zu müssen, und die Neigung, zum Landstreicher zu werden. Selbst bei Kindern ist das sparsame Ausgeben des Taschengelds verzeichnet. Das lässt sich lesen als ein Gefühl des Mangels, das mit dem Besitz nicht abnimmt.
Verzweiflung an der Heilung
Die Verzweiflung bindet sich an die Krankheit. Die Wahnidee, sehr krank zu sein, steht als Single-Rubrik, daneben die Verzweiflung in Bezug auf die eigene Heilung und die Gewissheit des eigenen Todes. Auffallend häufig ist der Zusammenhang mit der Haut: Jucken, besonders unterdrücktes Jucken, macht traurig und verzweifelt; unterdrückte Hautausschläge lösen Traurigkeit und Angst aus; Ruhelosigkeit tritt mit Hautausschlägen und Jucken auf, bei Kindern ebenso. Bei Fieber, Fleckfieber und Nasenbluten geben die Rubriken Hoffnungslosigkeit und Todesgewissheit an, die nach dem Nasenbluten gebessert sind. Selbstmordgedanken sind mit üblem Geruch des Körpers oder der Absonderungen verknüpft. Man kann darin eine Krankheit sehen, die als Makel erlebt wird.
Körpergefühl und Wahnbilder
Die Wahnideen kreisen um den eigenen Körper. Verzeichnet sind das Gefühl, keinen Körper zu haben, ein betäubter oder geteilter Kopf, vom Rumpf getrennte Arme, Stiche im Herzen, die den Betroffenen umbringen würden, die Vorstellung, mit den eigenen Ohren nicht zu hören, und das Gefühl, die Kleidung sei zu groß. Dazu gehören die Wahnidee, nach Ausschweifung berauscht zu sein, und die Betäubung wie nach einem Gelage. Eine Single-Rubrik hält fest, dass die Sonne die Person niederdrücke und sie im Schatten ruhen müsse, um weitergehen zu können.
Furcht und Bewegung
Die Furcht richtet sich auf Bestimmtes: Leichen, Gehirnentzündung, den Sturz ins Feuer und das Schwimmen, aber nur in tiefem Wasser. Dazu kommen Angst beim Fahren und Reiten bergab und die Angst um das Seelenheil am Morgen. Das Fahren ist ein eigener Schwerpunkt, mit Verlangen im Wagen und zugleich Abneigung gegen das Fahren. Die Ruhelosigkeit steigert sich vor Gewitter und Sturm und im warmen Zimmer. Die Angst häuft sich in den frühen Morgenstunden, um fünf Uhr.
Kinder und Nacht
Die Rubriken zu Kindern (116) bilden den größten Block. Sie zeigen das Kind, das tagsüber brav, gutmütig und angenehm ist und nachts gereizt, schlaflos, zornig und weinend wird; es schreit im Schlaf, wirft sich die ganze Nacht umher und ist doch am Morgen munter. Eine Single-Rubrik nennt: „Kinder, allgemein – Schreien – spielt tagsüber, aber“. Fröhlichkeit und Traurigkeit lösen einander ab, und der Eigensinn reizt und ärgert die Umgebung. Die Kinder sind mürrisch mit ungesundem Aussehen und unangenehmem Geruch.
Zusammenfassung
Psorinum zeichnet im Repertorium Mangel und Preisgabe: Das Gefühl der Armut, der Krankheit und des drohenden Abstiegs wirkt unabhängig vom wirklichen Zustand fort. Die Verzweiflung bleibt an Haut, Körpergefühl und Nacht gebunden, und das Kind zeigt dasselbe in kleinem Maß, tagsüber tragfähig, nachts ohne Ruhe.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
Repertorium kennenlernenKostenlos ausprobierenEin Nachschlagewerk für Fachleute; ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.