Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Pulsatilla pratensis (Puls.)

Pulsatilla pratensis (Puls.) steht im Repertorium in 2.395 Rubriken. Davon sind 130 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 190 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, den Wahnideen, der Angst und der Furcht, dazu beim Weinen, bei der Traurigkeit und bei den Beschwerden durch Kränkung und enttäuschte Liebe. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der Zuwendung braucht, sie über Weinen und Anlehnung sucht und sich äußerlich fügt, während im Inneren ein eigener Wille bestehen bleibt.

Anlehnung und Zuwendung

Der Kern liegt im Bedürfnis nach Nähe. Das Repertorium verzeichnet das Verlangen, liebkost und gestreichelt zu werden, eine Zärtlichkeit, die ganz in Anspruch nimmt, das Hungern nach Zuneigung und Anerkennung, das Sichanklammern an Personen und Möbel und die Neigung, sich anzulehnen. Kinder wollen getragen werden, aufrecht sitzend, langsam und sanft gewiegt,. Auch das Beschützen anderer gehört dazu, das Bemuttern, das Küssen von Kindern. Das Bedürfnis hat zwei Seiten: Es kann sich in Anspruch und Besitz verwandeln, in Neid, Habgier und Hass in Liebesdingen, und bei Kindern in manipulierendes Verhalten.

Abhängigkeit vom Urteil anderer

Das Selbstgefühl hängt am Blick der Umgebung. Verzeichnet sind eine von anderen abhängige Anerkennung, das Geben von allem, wenn man schmeichelt, die Hypochondrie, die darauf zielt, umhegt zu werden, und die Gewohnheit, die eigenen Probleme mit vielen zu besprechen. Eine Single-Rubrik nennt die Kleptomanie, die nur dazu dient aufzufallen. Die Furcht vor Kränkung und Demütigung entspricht dem; sie gibt der Entscheidungsschwäche ihren Grund, die sich mit Entmutigung oder Faulheit verbindet.

Kinder

Die Kinderrubriken sind mit rund 300 Einträgen die umfangreichste Gruppe. Das Mädchen erscheint blond, blass und sanft; bei sanfter Disposition ist eine übermäßig verzögerte Menses verzeichnet. Kinder spielen mit Puppen, sind in der Berufswahl den Wünschen der Eltern angepasst, werden unter plötzlicher Beachtung schlechter und reagieren mit plötzlicher Verdrießlichkeit, mit Erbrechen und Weinerlichkeit. Der Zug zum Mitleiderregenden zeigt sich schon hier, auch wenn die Ohren schmerzen.

Das Weinen

Das Weinen ist die Sprache dieses Bedürfnisses. Es ist mitleiderregend, bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen, es tritt bei Freudigem wie bei Traurigem auf, beim Beantworten einer Frage, beim Stillen, bei Unterbrechung der Arbeit und beim Schnupfen. Draußen im Freien lindert es sich. Die Stimmung ist dabei keineswegs gleichmäßig: Das Mürrische wechselt mit liebevollem Wesen und mit Weinen, und eine Single-Rubrik hält die Widersprüchlichkeit der Laune fest. Kränkung und enttäuschte Liebe führen in Amenorrhoe, in Lebensüberdruss und in Delirium.

Nachgiebigkeit mit Rückhalt

Die Person erscheint fügsam, doch die Rubriken zeigen eine zweite Schicht. Nachgiebig, unterwürfig, schüchtern, autoritätsgläubig und milde sind die eine Seite; ihnen steht eine Gruppe von Single-Rubriken gegenüber, die jeweils „Beharrlichkeit, mit untergründiger“ nennt: „Unterwürfig, servil – Beharrlichkeit, mit untergründiger“. Die Schüchternheit ist ebenfalls zweigesichtig, denn die Person bedeckt das Gesicht mit den Händen und blickt dennoch durch die Finger. Aggression wird nicht gezeigt, Bedürfnisse werden selten geäußert, dafür Besserungen übertrieben. Wird die Person plötzlich beachtet, errötet sie bis zum Knallroten.

Wärme und Luft

Ein überraschend geschlossenes Thema ist die Wärme. Die Wahnideen führen eine warme Atmosphäre auf, in die man beim Essen eintrete; Angst entsteht wie in heißer Luft, Stumpfheit beim Eintritt in ein warmes Zimmer, Bewusstlosigkeit im warmen Zimmer mit Frösteln, und die Angst drängt dazu, die Kleidung zu lockern und die Fenster zu öffnen. Die qualvolle Angst bessert sich im Freien und durch Bewegung. Man kann darin einen Menschen sehen, dem Nähe schnell zu eng wird und der Luft und Spielraum braucht.

Furcht und Wahnbilder

Die Furcht ist breit gefächert. Sie gilt der Eisenbahn und der Brücke, dem Wasser über dem Kopf, der Trennung von den Eltern, der Familie, die großzuziehen wäre, der Arbeitslosigkeit, dem Reden der Leute, der Kränkung und dem Beleidigtwerden. Ebenso steht die Angst vor dem Koitus in den Rubriken, bei Frauen eigens verzeichnet. Die Wahnbilder haben einen nächtlichen, körperlichen Zug: ein kleiner grauer Mann, der das Bein ausreißen will, ein nackter Mann im Bett, schwarze Männer, Bienen, die Welt in Flammen, das Gefühl, nicht sie selbst zu sein, oder das Ruiniertwerden. Bei Kindern erscheint ein Schutzengel.

Religion, Geschlecht und Schwangerschaft

Eine eigene Gruppe verbindet Frömmigkeit und Abneigung. Beten ist ständig, als Mittel gegen die Entmutigung; zugleich nennt das Repertorium eine religiöse Abneigung gegen das andere Geschlecht, bei Männern gegen Frauen, und einen Hass auf Frauen bei Frauen. Gegenstände, Dinge, Angelegenheiten und Sachverhalte sind Gegenstand einer Abneigung, ohne dass die Rubriken sie näher bestimmen. Rund um Schwangerschaft und Geburt stehen Argwohn und Zurückhaltung, der Wunsch, sich zu verstecken, Stolz auf die Schwangerschaft, Kummer bei der Entbindung, Weinen beim Stillen und die Wahnidee, das Baby sehe abstoßend aus. In der Puerperalmanie blickt die Person schüchtern.

Gemüt, Nacht und Stimmung

Auch der Tageslauf trägt Merkmale. Die Reue kommt abends, nachts und beim Erwachen, ebenso das Seufzen beim Erwachen; Entmutigung herrscht morgens im Bett, die Sorge um häusliche Angelegenheiten ebenfalls am Morgen. Abends verzeichnet das Repertorium dagegen Besserung des Mürrischseins und der Unzufriedenheit sowie eine veränderliche Stimmung. Die Gedanken sind hartnäckig, sie drehen sich nachts um Musik, um Wünsche und um das Verlangen. Nach Mitternacht werden die Phantasien lebhaft, und manche Beschwerden begleiten Geräusche in den Ohren oder ein blasses Gesicht. Der Zorn endet, wie er kam, plötzlich.

Zusammenfassung

Pulsatilla zeigt im Repertorium einen Menschen von weichem, bedürftigem Wesen, der Zuneigung durch Weinen, Anlehnung und Fügsamkeit erwirbt und sich zugleich unmerklich behauptet. Die Neigung zu Wärme, Nähe und Beachtung schlägt rasch in Furcht und Enge um; Frische Luft und Bewegung verschaffen Entlastung.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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