Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Ruta graveolens (Ruta)
Ruta graveolens (Ruta) steht im Repertorium in 570 Rubriken. Davon sind 17 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 34 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei Furcht und Angst, bei den Wahnideen, der Ruhelosigkeit, dem Gedächtnis und den Fehlern, dazu bei der Stumpfheit. Das Bild ist das eines geistig ermüdeten, ängstlich grübelnden Menschen, der sich selbst nicht genügt, an seiner Zukunft und seiner Gesundheit zweifelt und zugleich unruhig bleibt.
Angst mit körperlichem Bezug
Die Angst ist die am feinsten gegliederte Hauptrubrik. Sie ist vielfach an Körperempfindungen gebunden: Single-Rubriken nennen die Angst bei stechendem Schmerz in der Brust, bei stechendem Schmerz in der Wirbelsäule im Sitzen und bei Überhitzung; die Furcht tritt plötzlich bei Überhitzung auf. Hinzu kommen die Angst durch Anstrengung der Augen, die Angst mit Verzweiflung und die Angst durch Zweifel am Erfolg. Zeitlich konzentriert sich die Angst auf den späten Abend und die Nacht, mit mehreren kleinen Rubriken um 23 Uhr. Auffallend ist die enge Bindung an die Mitternachtsstunde vor Mitternacht, die in dieser Genauigkeit selten ist.
Furcht vor Krankheit, Alter und Verlust
Die Furcht richtet sich auf Krankheit, Alter und Verlust. Verzeichnet sind die Furcht vor dem eigenen Alter, vor Verlusten und, als kleine Rubrik, vor einem Hirntumor. Dazu gehören Gedanken an eine unheilbare Krankheit. Eine Single-Rubrik beschreibt eine eigentümliche Betäubung in Bezug auf die eigene Krankheit, eine andere eine Unzufriedenheit mit sich selbst, die alles betrifft, was die Person tut: „Unzufrieden – selbst , mit sic h – alles was sie/er tut, in Bezug auf“. Die Gedanken wenden sich der Zukunft zu, sie versinkt in ihnen, und das Sprechen über die Zukunft ist ebenfalls verzeichnet. Das Gefühl, stets betrogen und belogen zu werden, vervollständigt die misstrauische Grundhaltung.
Ruhelosigkeit
Die Ruhelosigkeit tritt in mehreren Gestalten auf. Zwei Single-Rubriken führen sie auf einen Druck in der Leber zurück, kleine Rubriken verbinden sie mit Herzbeschwerden und mit Verzweiflung. Die geistige Aktivität wechselt mit Schwäche, und das Verlangen nach Aktivität ebenso. Daraus ergibt sich ein Rhythmus von Antrieb und Zusammenbruch. Zugleich zeigen die Rubriken zur Faulheit im Sitzen und zur geistigen Erschöpfung nach Gesprächen, dass die Kraft schnell erlahmt.
Gedächtnis, Fehler und Stumpfheit
Die Hauptrubriken zu Gedächtnis (22) und zu Fehlern (21) gehören zu den größten des Mittels. Die Stumpfheit zählt 14 Rubriken, und mehrere davon sind spezifisch: Sie tritt beim Schauder auf, in Bezug auf das, was man gehört hat, und beim Lesen in Bezug auf das, was man hört oder liest. Der Geist nimmt offenbar Gehörtes und Gelesenes nicht richtig auf. Die Betäubung nimmt in der Sonne zu. Hinzu kommt die geistige Verwirrung nach einem Abort und, als Single-Rubrik, das Delirium nach einem Abort.
Schreck, Berührung und Mitgefühl
Die Empfindlichkeit zeigt sich im Körperlichen und im Seelischen. Single-Rubrik: das Auffahren aus dem Schlaf bei geringster Berührung. Kleine Rubriken nennen leichtes Erschrecken durch Berührung, die Überempfindlichkeit gegen Geräusche am Morgen und das Schreien mit einem einzelnen Schrei beim Erwachen. Seelisch greifen schreckliche und traurige Geschichten die Person stark an, besonders das Unglück anderer Menschen. Die Wahnidee, auf eine Seite zu fallen, beim Gehen nach rechts, ist nur diesem Mittel zugeordnet.
Traurigkeit, Lebensüberdruss und Tod
Die Traurigkeit hat einen Zug zur Einsamkeit: Eine Single-Rubrik nennt die Traurigkeit durch das Gefühl der Isolation, eine weitere die Traurigkeit mit Schluckauf. Der Lebensüberdruss tritt am Nachmittag und durch Schmerzen auf; der Wunsch zu sterben am Nachmittag ist eine Single-Rubrik, am Abend eine kleine Rubrik. Vor allem die Single-Rubrik „Mattigkeit, Schwäche und intensiver Hoffnungslosigkeit, Gefühl der“ rundet das Bild ab: Es ist die Verfassung eines Menschen, dessen Kraft und Hoffnung zugleich schwinden. Eine kleine Rubrik verbindet das Entmutigtsein mit dem Beten.
Zusammenfassung
Ruta zeigt im Repertorium eine Angst, die sich in der Nacht und bei körperlichen Missempfindungen steigert, und eine Furcht, die sich auf Krankheit, Alter, Verlust und die Zukunft richtet. Der Geist ermüdet früh, nimmt Gehörtes und Gelesenes schlecht auf und macht viele Fehler; die Unruhe hält an, während die Kraft schwindet. Die Unzufriedenheit mit sich selbst, das Gefühl, betrogen zu werden, und der Rückzug in Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit machen aus dem Mittel das Bild einer Verfassung, die sich selbst und der Zukunft misstraut.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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