Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Sepia succus (Sep.)
Sepia succus (Sep.) steht im Repertorium in 2.191 Rubriken. Davon sind 137 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 181 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei der Angst, den Wahnideen, den Rubriken zu Kindern, den Farben, der Gleichgültigkeit, der Ruhelosigkeit, der Traurigkeit und dem Weinen. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der von Pflichten getragen wird und innerlich erlischt: gereizt und gleichgültig zugleich, auf Abstand bedacht und doch auf Halt angewiesen, und im Verhältnis zu Nähe, Körper und Sexualität auffallend zwiespältig.
Pflicht und Gleichgültigkeit
Der Kern liegt in einer Gleichgültigkeit, die sich gegen das Nächste richtet. Das Repertorium verzeichnet sie gegenüber dem anderen Geschlecht, gegenüber Liebkosungen, im Klimakterium, beim und nach dem Koitus und im Wechsel mit Traurigkeit; selbst Zuneigung wird abgewehrt: „Zuneigung, Zärtlichkeit – weist Zuneigung zurück“. Wo die Liebe bleibt, erscheint sie als Last, wie die Single-Rubrik „Liebe – Pflicht, als“ festhält. Dazu passt die Überforderung der Hausfrau, die Dinge nicht mehr bewältigt, die Abneigung gegen die gewohnte Arbeit und eine pflichtbewusste Haltung schon im Kind, das trotz Fieber zur Schule gehen will. Man kann darin einen Menschen sehen, der funktioniert, solange er muss, und dessen Gefühl dabei nachgibt.
Nähe und Grenze
Die Beziehung zu anderen ist ein Ringen um das richtige Maß. Eine Single-Rubrik beschreibt, dass die Person „Distanz und nähe – sucht das richtige Verhältnis zwischen“; eine andere hält die Unfähigkeit fest, eigene Grenzen zu wahren („Grenzen – Unfähigkeit – zur Wahrung eigener“). Die Folgen zeigen sich als Abneigung gegen alle Menschen in der Schwangerschaft, als Widerwille gegen den Geruch des Ehepartners und als Abneigung gegen die Kinder und den Ehemann zugleich. Daneben steht das Bedürfnis nach Halt: Die Person klammert sich an andere, an Personen oder Möbel, und das Gehaltenwerden bessert; bei kranken Kindern klammert sie sich an diese. Gesellschaft wird gemieden, indem sie mit geschlossenen Augen daliegt, und kehrt als Verlangen nach Einsamkeit wieder. Der Zorn bricht heftig und gestikulierend hervor, in Ausbrüchen von Wut; er trifft geliebte Personen, die Familie und die Männer, und andere werden bevormundet. Auffallend ist daneben eine scharfe Wahrnehmung: Sie durchschaut die Schwächen anderer und fühlt intuitiv, was bei anderen schwach ist.
Körper, Geschlecht und Sexualität
Die Rubriken zeichnen einen gespannten Umgang mit dem eigenen Geschlecht. Verzeichnet sind die Ablehnung des eigenen Körpers, die Ablehnung des gleichgeschlechtlichen Elternteils, die Verehrung des Vaters durch die Tochter, ein Wunsch, als Frau anerkannt zu werden („Anerkennung – Frau, als“), und die Neigung, sich wie ein Junge zu kleiden. Chauvinismus und Hass auf Frauen bei Männern stehen daneben, ebenso die Anpassung an die Männerwelt. Die Sexualität ist an Bedingungen geknüpft: Sie gelingt nur im Dunkeln, nur unter günstigen Umständen („Sexualität, sexuelle Aktivität und Verhalten – optimalen Bedingungen, nur unter“) und wird leicht gestört. Furcht, schwanger zu werden, bei Kindern eine Abneigung gegen Sexualität aus Furcht vor inzestuösem Missbrauch, schmerzhafter Koitus durch Trockenheit, Entmutigung und Erschöpfung nach dem Koitus ergänzen das Bild.
Vor den Menses
Eine geschlossene Gruppe von Rubriken ordnet sich dem Vorfeld der Menses zu. Die Person wird kritisch, beschimpft andere, ist eifersüchtig und verwirrt, schreckt aus dem Schlaf auf und neigt zur Manie. Dazu gesellen sich Putzzwang und Heikelkeit, der Reinlichkeitswahn bis zur Putzwut, die Schreie und der Impuls zu schreien. Zugleich verändert sich die Wahrnehmung: Geräusche und Gerüche reizen, und Rhythmus und Musik werden schwer erträglich. Man kann darin eine Verdichtung des Gesamtbildes sehen, in der die Reizbarkeit, die sonst unter der Gleichgültigkeit liegt, durchbricht.
Angst, Furcht und Ruhelosigkeit
Die Angst ist reich gegliedert. Sie tritt auf beim Erwachen, am Abend, beim Ausgehen, bei fixem Blick, beim Nähen und beim Warten auf einen Harndrang, bei Gedanken an die Gesundheit der Zukunft und im Zusammenhang mit Herzklopfen bei lange zurückliegenden Ereignissen. Die Furcht gilt dem Autofahren mit dem Ehemann, der Begegnung mit Freunden, dem Angesprochenwerden und dem Verletztwerden beim Nähen. Die Ruhelosigkeit nimmt den Körper in Anspruch: Zwei Single-Rubriken halten fest, dass die Person schreit oder vor Nervosität weinen möchte, wenn sie sich nicht an etwas festhält. Die Anwesenheit Fremder macht unruhig, und das Weinen ist häufig still, besonders bei Kindern: „Weinen – still – Kindern, bei“.
Farben und Wetter
Eigenartig dicht sind die Rubriken zu Farben. Dunkelblau, Rosa, Violett und Purpur werden abgelehnt, Türkis, Hellbraun und Zitronengelb ersehnt, und Schwarz steigert Erregung, Zorn, Ruhelosigkeit und Unbehagen. Auch das Wetter bestimmt die Stimmung: schwüles Wetter verschlimmert die Traurigkeit, bewölktes und nebliges Wetter löst Weinen aus, und doch „Wetter – bewölktes Wetter – liebt bewölktes Wetter“.
Die Sprache bleibt davon nicht unberührt: Sie ist kompliziert, oder sie kommt langsam, stößt einzelne Wörter hervor und verliert das Wesentliche, und umgekehrt eilig mit schnellen Handbewegungen.
Wahnbilder
Die Wahnideen beschreiben Haltlosigkeit: in der Luft aufgehängt zu sein oder zu schweben, rückwärts laufen zu müssen, weil man gejagt wird, alles neu lernen zu müssen, sich leicht überheben zu können, nichts zu verstehen. Dazu stehen die Furcht vor Hexen, drei kommende Ärzte und das Gefühl, etwas Fremdes drücke von oben auf die Brust. Die Vorstellungen des Gejagtseins und der Überforderung entsprechen den Rubriken zur Pflicht.
Zusammenfassung
Sepia zeigt das Bild eines Menschen, der erschöpft ist von dem, was er tragen muss, und deshalb die Nähe scheut, die er zugleich sucht. Gleichgültigkeit, Reizbarkeit vor den Menses, Zwiespalt gegenüber Körper und Geschlecht, eine vielfältige Angst und eine eigentümliche Abhängigkeit von Farben und Wetter fügen sich zu einem Zustand, in dem die Gefühle sich zurückziehen und nur unter günstigen Bedingungen wieder zugänglich werden.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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