Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Silicea terra (Sil.)

Silicea terra (Sil.) steht im Repertorium in 1.763 Rubriken. Davon sind 50 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 141 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Rubriken zu Kindern, bei Furcht und Angst, bei den Wahnideen, bei Stumpfheit und geistiger Verwirrung sowie bei Weinen und Reizbarkeit. Das Gesamtbild ist das eines Menschen, der gewissenhaft und anständig sein will, dem aber die Kraft zur Durchführung fehlt, der vor Auseinandersetzung, Öffentlichkeit und Annäherung zurückscheut und dessen Anspruch an Genauigkeit sich bis in die Zwangsvorstellung steigern kann.

Kinder

Mit 278 Rubriken bilden die Rubriken zu Kindern die größte Gruppe, mit 19 spezifischen Einträgen auch den ersten Themenschwerpunkt. Das Bild ist bemerkenswert einheitlich: Annäherung ist unerträglich, jedes Zunahekommen löst Schreie aus, und das Kind weint herzzerreißend, wenn es getragen oder gehalten wird. Es schreit, wenn man es anspricht, und eine Single-Rubrik verzeichnet, dass es flüsternd der Mutter antwortet und nicht dem Behandler. Eigensinnig ist es mit Weinen, auch wenn freundlich mit ihm gesprochen wird; die Single-Rubrik hält fest, dass Kinder weinen, wenn man freundlich zu ihnen spricht. Daneben stehen Zeichen verzögerter Entwicklung: spätes Gehenlernen mit Schwäche der Beine und des Rückens, ein Entwicklungsstillstand nach Impfung und die Rubrik zu einem gut entwickelten Schädel auf einem schwächlichen, kränklichen Körper. Auf der Seite des Gemüts stehen Tagträumen mit gedankenversunkenem Kauen, nervöses Herumkrabbeln und die Schüchternheit, bei der das Kind die Hand an Kragen oder Hals hält. Merkwürdig wirkt der Wunsch, alles selbst zu machen, und mit ihm die Rubrik, dass das Kind durch systematische Unterweisung gedeiht.

Furcht und Angst

Furcht (97 Rubriken) und Angst (81) kreisen um einige wiederkehrende Gegenstände. Die Single-Rubriken nennen die Furcht vor Aufgaben, mit der gleich lautenden Angst vor Aufgaben. Auffällig ist die Furcht vor Nadeln und spitzen Gegenständen, hier in der Gestalt, dass die Person spitze Gegenstände sucht, obwohl sie sich davor fürchtet. Die kleinen Rubriken ergänzen Angst vor Auseinandersetzung, vor Chaos, vor Geräuschen im Ohr, vor Räubern beim Erwachen, vor Feinden, die verfolgen, und vor dem Treffen der eigenen Freunde. Hinzu kommen die Angst um die eigene Gesundheit, besonders im Klimakterium, und die Furcht, die Gelenke seien schwach. In der Zeit ordnet sich die Angst um Mitternacht und um 3 Uhr; die Single-Rubriken halten fest, dass sie bis Mitternacht und danach gebessert wird, wenn die Person aufsteht. Bei Kindern erscheint die Furcht vor ansteckenden, epidemischen Krankheiten. Die Angst ist in diesen Rubriken nicht diffus, sondern an Anforderungen, Konflikt, Unordnung und Verletzung gebunden.

Nadeln und Wahnideen

Die Wahnideen (76 Rubriken) enthalten die auffälligsten Single-Rubriken. Die Nadeln kehren hier mehrfach wieder: Die Person sieht Nadeln, hat Gedanken an Nadeln, die hartnäckig bleiben, und sucht Stecknadeln. Daneben stehen Spaltungen des Körperbildes: Die linke Hälfte würde nicht zur Person gehören, der Körper sei in zwei Teile geteilt, etwas ziehe beim Gehen nach rechts, die Person würde rückwärts gehen, wenn sie vorwärts geht. Hinzu kommen das Gefühl, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, es wimmle im Kopf von Lebendigem, und überall werden Bilder und Phantome gesehen, auch schreckliche beim Versuch einzuschlafen. Bei Nacht und im Halbschlaf steigern sich Gesten, Murmeln und Jammern, und Schlafwandeln tritt bei Voll- und Neumond auf. Die Wahnideen betreffen damit weniger Größe oder Verfolgung als die Ordnung des eigenen Leibes.

Genauigkeit, Ordnung und Anspruch

Die Rubriken zu Gewissenhaftigkeit bilden eine kleine, dichte Gruppe. Verzeichnet sind akkurat, akribisch, anständig, pedantisch in Kleinigkeiten, heikel bei Kleinigkeiten, die Liebe zum Detail und der Anspruch, alles perfekt zu machen. Die Single-Rubrik „Aufgeräumt – alles ist“ steht dem Chaos gegenüber, das gefürchtet wird. Auch das Reuegefühl wegen Kleinigkeiten, das Sich-selbst-Tadeln wegen Kleinigkeiten und die Sorge, überbesorgt zu sein, gehören hierher. Die Genauigkeit scheint sich nicht aus Kraft zu speisen, denn dazu passen die Rubriken „Zorn – Kleinigkeiten, über – Schwäche, durch übermäßige“ und Verschwendung aus Mangel an Ordnungssinn. Die Person verlangt viel, wird dabei schwach und reagiert auf Kleinigkeiten gereizt. Die Anerkennung anderer wird als Maßstab gebraucht, denn die Rubrik „Anerkennung – anderer, abhängig von“ gehört zu diesem Bild.

Schwäche, Anstrengung und Nachgeben

Stumpfheit (28), geistige Verwirrung (25) und Vergesslichkeit zeigen die Folge der Anspannung. Verzeichnet sind Hilflosigkeit durch geistige Anstrengung, Willensschwäche und Mangel an Durchhaltevermögen, schwache Entschlossenheit sowie geistige Erschöpfung durch wissenschaftliche Arbeit. Das Lesen und Schreiben verschlechtert, und Kinder können nicht schreiben lernen. Prüfungen verschlechtern die Vergesslichkeit, und die Verwirrung nimmt in Gesprächen zu. Die Aktivität des Geistes wechselt mit Erschöpfung. Die Rubrik „Intelligent – Schwäche der Muskeln, mit“ nennt das Missverhältnis zwischen Geist und Körper, das auch bei den Kindern auftrat. Dazu passt die nachgiebige Seite: Die Person beugt sich allem, argumentiert nicht und lässt von ihrer Überzeugung nicht ab, so die Single-Rubrik, in der trotz fester Überzeugungen nicht argumentiert wird. Das Nachgeben und das Festhalten stehen unvermittelt nebeneinander.

Öffentlichkeit, Schüchternheit und Rückzug

Die Rubriken zum öffentlichen Auftreten ergeben ein eigenes, scharf gezeichnetes Stück. Verzeichnet sind Angst und Panik vor öffentlichem Sprechen und Schüchternheit beim Auftreten, jeweils mit dem Zusatz, dass die Person dazu fähig ist. Die Selbstsicherheit wechselt mit Zaghaftigkeit, die Person erröten leicht, spricht ungern laut und ist gewandt im Sprechen, wenn sie spricht. Eine Single-Rubrik hält fest, dass andere sich nicht trauen, die Person anzusprechen; eine andere, dass sie nicht bedrängt werden möchte. Die Schüchternheit tritt auch allein auf. Hinzu kommen das Verlangen nach Ruhestand, die Gleichgültigkeit und die Stumpfheit durch Gespräche. Die Person scheut offenbar die Begegnung, bleibt dabei aber fähig, wenn es darauf ankommt.

Gereiztheit, Sexualität und Farben

Neben dem Rückzug stehen Ungeduld, Reizbarkeit am Nachmittag um 17 Uhr, verborgene Aggression und Heftigkeit, wenn sie gereizt ist. Das Weinen tritt auf, wenn man freundlich spricht, und nachts beim Erwachen. Auf der Seite der Sexualität stehen morgens im Bett die Wollust, Wollust nach Träumen, platonische Liebe und das unterdrückte Verlangen. Auch Hysterie folgt auf Pollutionen. Ein kleines Randthema sind die Farben: Abneigung gegen helle Farben, ein Verlangen nach dunklem Braun, schlechtes Gedächtnis für Farben und der Wunsch, sich lächerlich anzuziehen. Zeitlich gebunden ist die Suizidneigung während der Menses.

Zusammenfassung

Silicea terra zeigt im Repertorium eine Person, die viel verlangt und wenig durchhält. Gewissenhaftigkeit, Detailliebe und Furcht vor Chaos und Aufgaben ziehen eine geistige Erschöpfung nach sich, in der Gedächtnis, Wille und Entschlossenheit nachlassen. Auf Annäherung, Ansprache und Öffentlichkeit reagiert sie mit Rückzug, Schreien, Weinen oder Schüchternheit, bleibt aber fähig, wenn es darauf ankommt. Die Rubriken zu Kindern, die Nadeln als Furcht und Zwangsgedanke und die gespaltenen Wahnideen zum Körper geben dem Mittel sein unverwechselbares Profil.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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