Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Stannum metallicum (Stann.)
Stannum metallicum (Stann.) steht im Repertorium in 561 Rubriken. Davon sind 21 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 18 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei der Angst, der Furcht, den Rubriken zu Kindern, der Stimme und dem Sprechen, dazu bei Traurigkeit, Ruhelosigkeit und Überempfindlichkeit. Es entsteht das Bild eines schwachen, leicht erschöpften Menschen, der von Angst und Unrast getrieben wird, vieles beginnt und nicht zu Ende bringt und dessen Sprache und Stimme unter der Schwäche leiden.
Angst und Furcht
Die Angst ist die größte der Hauptrubriken mit spezifischen Einträgen. Sie knüpft an den Körper an: Eine Single-Rubrik hält die Angst bei Schweratmigkeit fest, bei der die Kleidung gelockert werden muss. Eine weitere nennt die anhaltende Angst während der Schwangerschaft, und die Furcht erscheint im selben Zusammenhang noch einmal als eigene Single-Rubrik. Besonders auffällig ist der Bezug zur Menstruation. Die qualvolle Angst ist vor den Menses verzeichnet, sie bessert sich zu Beginn der Blutung, und eine kleine Rubrik beschreibt, dass die Angst nachlässt, wenn die Blutung einsetzt. Ähnlich ist die Geisteskrankheit vor den Menses angelegt, auch in erotischer Form. Daneben steht die Angst, aus dem Bett zu springen, und eine Furcht vor Beschwerden durch Würmer, die nur diesem Mittel zugeordnet ist.
Beten, Klagen und Flehen im Schlaf
Auffallend viele Single-Rubriken betreffen das Verhalten im Schlaf. Verzeichnet sind das Beten im Schlaf, das Bitten und Betteln im Schlaf, das Sprechen im Schlaf in der Form „flehentlich, zaghaft“ und das kläglich wehleidige Klagen im Schlaf. Auch die Rubrik zum Beten selbst kennt nur dieses Mittel in den Ausprägungen schüchtern und zaghaft. Das Bild ist das eines bittenden, leisen, wenig durchsetzungsfähigen Menschen, dessen Hilflosigkeit sich im Schlaf ungehindert äußert. Zu ihm passt die kleine Rubrik, die das Klagen nachts im Schlaf nennt.
Schwäche, Stimme und Sprache
Die Schwäche zieht sich durch mehrere Bereiche. Die Sprache ist schwierig aus Schwäche, und zwar jeweils aus Schwäche der Brust und aus Schwäche des inneren Halses, beides Single-Rubriken. Die Stimme zählt mit 17 Rubriken zu den häufigsten Hauptrubriken; als Single-Rubrik steht das Stimmeinsetzen beim Singen: „Stimme – Singen – beginnt, wenn sie/er zu singen“. Eine Rubrik verknüpft die Musik mit Schläfrigkeit. Das Essen erscheint ebenfalls als Handlung aus Schwäche, und die Schwäche reicht bis zur dunkelsten Rubrik: „Suizidneigung, Neigung zum Selbstmord – Schwäche, durch“ ist nur diesem Mittel zugeordnet. Die Schwäche ist hier offenbar nicht bloß ein körperlicher Zustand, sondern eine Grundlage des Erlebens.
Arbeiten ohne Abschluss
Das Arbeiten ist in drei kleinen und einer Single-Rubrik gefasst. Die Single-Rubrik lautet „Arbeiten – fängt vieles an, ohne es abzuschließen“; eine kleine Rubrik beschreibt die ineffektive Arbeit. Dazu fügt sich die Wahnidee, ein Gedankenandrang hindere daran, die Arbeit zu vollenden. Die Gedanken stehen der Tat im Weg, die Tatkraft reicht nicht für den Abschluss. Hinzu kommt, dass die Person nicht weiß, was sie mit sich anstellen soll. Auch das ist eine Single-Rubrik zur Ruhelosigkeit, die zeigt, dass die Unrast ohne Richtung bleibt. Bessern kann sich das Stillsein im Freien.
Wahnideen und Verwirrung
Die Wahnideen sind schwach ausgeprägt, aber eigenartig. Gegenstände erscheinen zu weit weg, und es ist immer Nachmittag, in zwei Rubriken: als Wahnidee und als Fehler, den Nachmittag für die Zeit zu halten. Hinzu kommen ein Murmeln von Absurdem, eine fehlende Betroffenheit und eine absichtliche Boshaftigkeit, die als kleine Rubriken verzeichnet sind. Die Stimmung bleibt wechselhaft, dazu gehört ein nervöses Weinen: Man möchte den ganzen Tag weinen, was aber verschlimmert.
Kinder und Würmer
Mit 34 Rubriken stehen die Kinder an der Spitze der Hauptrubriken. Spezifisch ist die schwierige Zahnung bei Wurmerkrankung, und auch die Erregung bei Wurmerkrankung ist verzeichnet. Zusammen mit der Furcht vor Beschwerden durch Würmer ergibt das einen eigenen kleinen Zusammenhang zwischen Würmern und Gemütszustand.
Zusammenfassung
Stann. zeigt im Repertorium einen Menschen, dessen Kraft nicht ausreicht. Die Angst ist an Körper, Schwangerschaft und Menses gebunden, die Sprache und die Stimme versagen aus Schwäche, die Arbeit bleibt unvollendet, und im Schlaf äußern sich Bitten, Flehen und Klagen, die am Tag leiser bleiben. Das Bild ist weniger das einer ausgeprägten Persönlichkeit als das einer erschöpften, bittenden und ruhelosen Verfassung, die im Schwäche-Erleben ihren Kern hat.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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