Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Tarentula hispanica (Tarent.)

Tarentula hispanica (Tarent.) steht im Repertorium in 1.172 Rubriken. Davon sind 97 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 76 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern, der Traurigkeit, den Farben, der Ruhelosigkeit, der Furcht, der Hysterie und der Musik. Aus diesen Rubriken ergibt sich das Bild eines Menschen, der nicht zur Ruhe kommt, seine Unruhe in Bewegung und Zerstörung ableitet, andere beobachtet und täuscht und nur in Musik und Rhythmus Linderung findet.

Ruhelosigkeit und Bewegung

Die Unruhe ist das durchgehende Thema. Die Rubriken verzeichnen eine Bewegungssucht, wilde Bewegungen, die Hast, mit der sich die Person beeilt und alle anderen antreibt, und den Eindruck, die Dinge bewegten sich nicht schnell genug. Die Ruhelosigkeit zeigt sich in den Gliedern und Beinen, im Magen bei Schmerzen und nachts, bei Asthma und bei Chorea; in der Nacht reicht sie von Mitternacht bis fünf Uhr. Eine Single-Rubrik hält das Paradox fest, dass die Person sich ständig bewegen muss, Gehen aber verschlimmert. Die Angst folgt demselben Widerspruch, denn schnelles Gehen und körperliche Betätigung lindern sie. Es scheint eine Unruhe zu sein, die nach Abfuhr verlangt, ohne an der Bewegung selbst zu genesen. Entsprechend sinnlos wirken die Gesten, die an Stricken erinnern, und das Springen, das bei Kindern mit einem fürchterlichen Schrei endet.

Musik

Allein die Musik stillt die Unruhe. Die Rubriken führen Musik an, die angenehm ist, die man gern hört oder spielt, die beruhigt und deren rhythmische Form lindert, auch wenn die Glieder unruhig sind. Trommeln erzeugen Euphorie, doch verzeichnet das Repertorium zugleich, dass die Ruhelosigkeit durch Musik entsteht. Bei Kindern erscheint ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl, bei hyperaktiven Kindern eine beruhigende Wirkung der Musik und bei Säuglingen das Verlangen nach Musik, wenn sie gestillt werden. Auch bei der Hysterie wirkt sie lindernd. Das Singen dagegen kann sich bis zur Erschöpfung steigern, bis die Person heiser ist, und tritt mit Tanzen und Weinen auf.

Verstellung und Beobachtung

Eine Gruppe von Rubriken deutet auf Verstellung. Die Person will zeigen, dass sie krank ist, bemitleidet sich selbst und möchte krank spielen, simuliert Ohnmacht in Anfällen und täuscht vor, die Medikamente einzunehmen, schüttet sie aber meistens weg. Bei Kindern erscheint dasselbe als trickreich, gewitzt und listig. Das Muster fasst am genauesten die Rubrik „Blicken – Richtungen, in alle – Hysterie, um die Wirkung ihrer/seiner Handlungen auf andere zu beobachten, bei“. Die hysterische Person schaut demnach nach allen Seiten, um zu sehen, was ihr Auftreten bei den anderen bewirkt. Rubriken zum Versteckten, zum Verschlossenen und zum Geheimnistuerischen im Wahnsinn passen dazu.

Zerstörung und Gewalt gegen sich selbst

Die Unruhe schlägt in Zerstörung um. Zerstörungswut zeigt sich allein, mit Gerissenheit und im Wechsel mit Furcht; sie droht mit Worten der Zerstörung, mit Tod und Zerstörung und endet in der Manie, gefolgt von Lachen und Entschuldigungen. Die Person zerreißt ihre Bücher, schneidet Gegenstände auf, beißt in die Kleidung und schlägt Freunde im Zorn. Viel davon richtet sich gegen die eigene Person: Sie schlägt sich mit den Händen an Kopf und Körper, schlägt sich in der Raserei selbst, zieht sich an den Haaren und presst den Kopf mit den Händen. Das Schlagen erfolgt, wenn sie unbeobachtet ist; das lässt sich als Gegenstück zur Beobachtung lesen, die zuvor beschrieben wurde. Die Zerstörung erscheint nicht als ungezügelter Ausbruch, sondern als Handlung mit einem Moment der Berechnung, auf die oft die Entschuldigung folgt.

Farben, Licht und Sinneseindrücke

Die Farben bilden eine eigene Gruppe und zählen zu den Themenschwerpunkten. Die Person hat eine Abneigung gegen kräftige und helle Farben und besonders gegen Rot, Gelb, Grün und Schwarz, begehrt dagegen dunkle Farben und ist von Blau, Grün und Rot entzückt. Die Widersprüche zwischen den Rubriken zeigen, dass nicht eine einzelne Farbe, sondern der Eindruck im Zentrum steht. Dazu kommt die Abneigung gegen Lichter, während glänzende Gegenstände lindern. Das Gemüt reagiert heftig auf Sinnesreize, ohne dass daraus eine einheitliche Neigung würde.

Furcht, Trauer und Verstimmung

Die Furcht bezieht sich auf körperliche Bedrohung. Die Person fürchtet, dass alles auf sie fällt, dass sie gegen etwas stößt, dass sie beim Trinken Durst hat und dennoch nicht trinken kann, und sie fürchtet sich vor dem Tod in der Rekonvaleszenz; Single-Rubriken verzeichnen die tödliche Angst und die Furcht vor Fleckfieber. Die Traurigkeit hat bestimmte Zeiten und Bedingungen: Sie tritt abends auf und bessert sich beim Essen und nach dem Abendessen, sie folgt sexueller Erregung, sie erfasst die Person beim Eintreten ins Haus, und sie sieht sich selbst im Unrecht, als wäre sie schuld. Auf der anderen Seite steht die Gereiztheit. Nach Kummer oder Schwierigkeiten mit jemandem wird die Person biliös und cholerisch, in Phasen boshaft oder bösartig, und auf Trauer oder Enttäuschung antwortet sie reaktiv mit Boshaftigkeit. Die Stimmung wechselt plötzlich, und die Lebhaftigkeit wechselt mit Kummer und mit Sorgen.

Sexualität

Die Sexualität erscheint als aggressive Annäherung, unter den Single-Rubriken sogar als aggressiv-erotische. Das Verlangen ist heftig bei Frauen und bei Männern, bei Nymphomanie und sexueller Manie. Der Koitus lindert nach einer Rubrik die Reizbarkeit, verschlimmert aber nach anderen die Nymphomanie und das heftige Verlangen der Frauen. Die Rubriken zur Hypochondrie nach Masturbation und zur Traurigkeit nach sexueller Erregung deuten darauf hin, dass eine Erleichterung nicht von Dauer ist.

Kinder

Mit 154 Rubriken stellen die Kinder das größte Themenfeld. Sie sind rhythmisch und musikalisch, hyperaktiv, trickreich, in periodischen Phasen bösartig und nach Trauer oder Enttäuschung boshaft, schlagen sich selbst, schreien als Neugeborene anhaltend mit unruhigen Beinen und spielen mit den Fingern. Das Bild der Kinder wiederholt, was bei den Erwachsenen zu lesen ist: Unruhe, Musik als Linderung, Listigkeit und die Neigung, die Wirkung auf andere zu erproben.

Zusammenfassung

Das Repertorium zeigt für Tarentula hispanica eine Unruhe, die nach Abfuhr verlangt und in Bewegung, Zerstörung und Selbstverletzung findet, was sie nicht in Ruhe löst. Dahinter steht ein Gemüt, das andere beobachtet, sich verstellt und seine Wirkung erprobt und das sich allein im Rhythmus der Musik beruhigt. Das Bild bleibt gespalten zwischen Hast und Erschöpfung, zwischen Täuschung und Reue.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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