Repertorium › Arzneimittel im Repertorium

Thuja occidentalis (Thuj.)

Thuja occidentalis (Thuj.) steht im Repertorium in 1.329 Rubriken. Davon sind 80 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 100 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Der Schwerpunkt liegt bei den Kindern (138) und den Wahnideen (127), dazu bei Furcht, Angst, Gedanken, Reizbarkeit und Traurigkeit. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines Menschen, der sich in seinem Körper nicht sicher fühlt, ihn als zerbrechlich, fremd oder getrennt vom Geist erlebt, vieles verbirgt, vor Entlarvung Angst hat und in dessen Wahrnehmung die Grenze zwischen Selbst und Welt unscharf wird.

King-Pin-Symptom

Für das Mittel ist ein King-Pin-Symptom verzeichnet: die Benommenheit mit dem Zustand, nicht zu wissen, wo man ist. Gemeint ist ein Zustand, in dem die Wahrnehmung vernebelt ist und die Person nicht genau begreift, was mit ihr geschieht und wie ihr Zustand ist; sie ist unfähig, die Realität zu erkennen und weiß nicht, wo sie in Bezug auf ihre Erkrankung steht. Die vielen Rubriken zu Verwirrung, ausweichenden Antworten und Gefühlen von Unwirklichkeit lassen sich als Ausfächerung dieser Grunderfahrung lesen.

Der gläserne, dünne Körper

Die ausgeprägteste Gruppe von Wahnideen betrifft den Körper. Verzeichnet sind die Vorstellung, aus Glas zu sein, die Beine seien aus Glas, der Körper sei zart, empfindlich, dünn oder immateriell, die Haut sehr dünn, und er laufe Gefahr, in Stücke zu fallen oder sich aufzulösen und auszuhöhlen. Dazu passen das Gefühl, brüchig, abgemagert und innerlich aufgeweicht zu sein, die Furcht vor Osteoporose, vor schwachen Gelenken und davor, dass der Körper verfaulen werde. Gegenbilder sind Leichtigkeit und Schweben: das Gefühl, beim Gehen auf Flügeln getragen zu werden, den Boden kaum zu berühren, aus der eigenen Haut fliegen zu wollen, und der Eindruck, beim Gehen leicht zu sein. Das Fehlen von festem Boden unter den Füßen und das Gefühl, abgeschnitten vom Leben zu sein, ergänzen das Bild. Der Körper erscheint hier nicht als verlässlicher Ort.

Getrennt von sich selbst

Auf der Ebene des Denkens setzt sich das fort: Geist und Körper seien getrennt, so lautet eine hartnäckige Vorstellung in zwei Rubriken. Jemand anderes denkt an der Seite der Person, die Gedanken scheinen aus dem Abdomen zu kommen, und es sind Stimmen im Abdomen zu hören. Die Person fühlt sich von etwas Fremdem besessen, beschlichen, beobachtet und glaubt, es sei jemand anwesend oder neben ihr. Im Abdomen sind Tiere, die kriechen, und nachts kriecht Lebendiges in die Vagina. Dazu gehören die Vorstellung, gedreht worden zu sein, sich hin und her zu bewegen und die Sessel würden im Bett stehen. Das Selbst ist zerlegt in Körper, Geist und etwas Drittes, das eindringt.

Verbergen und Entlarvung

Ein kennzeichnender Zug ist das Verstecken. Verzeichnet sind Furcht, durchschaut zu werden, Angst vor Entlarvung und Bloßstellung, das Verlangen, Symptome unter der Kleidung zu verbergen, verstecktes Verhalten, Heimlichkeit, die aus allem ein Geheimnis macht, Anspielungen, ausweichende, vage und unklare Antworten und das Gefühl, selbst Zweifel an allem zu haben. Eine Single-Rubrik hält fest, dass die Person nicht sagen kann, was falsch ist, eine andere, dass sie sich abschirmt. Dem steht ein Lügen gegenüber, das aus Ratlosigkeit entsteht: falsche Angaben über sich, weil nicht klar ist, was als Nächstes zu sagen wäre. Auch die Furcht vor Sünden, das Gefühl, beschmutzt zu sein, die Furcht vor Schmutz und die Heikelkeit gegenüber Sauberkeit sind verzeichnet. Bigotterie und religiöse Frömmigkeit mit geistigem Stumpfsinn kommen hinzu. Moralische Reinheit und körperliche Unreinheit stehen in Spannung zueinander.

Sexualität, Geburt und Familie

Das Mittel zeigt einen deutlichen Schwerpunkt im Verhältnis zu Sexualität und Familie. Verzeichnet sind sexuelle Phantasien im Liegen, ein Konflikt über die eigene Sexualität, Verwirrung über die sexuelle Identität, Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen Geschlecht und die Neigung zur Masturbation, auch bei Kindern. Eine Single-Rubrik nennt das Gefühl verbotener Befreiung, eine andere das Verlangen, hart und streng behandelt zu werden, sowie das zwanghafte Verlangen nach einer strengen psychiatrischen Anstalt, um die fixe Vorstellung von dem Verkehrten zu bannen. Auch Beschwerden nach Missbrauch in der Kindheit sind verzeichnet. Rund um die Entbindung finden sich Antworten ohne Bezug zur Frage, stilles Wesen, Rechenfehler, Qual und Angst nach der Geburt, der Fenstersturz im Kindbett und Abneigung gegen Gesellschaft. Im Familienleben treten Streitsucht mit der Mutter, Abneigung gegen die Mutter, Beschimpfen des Ehemanns und Reizbarkeit gegen geliebte Personen auf.

Impfung und Entwicklung

Bei Kindern verzeichnet das Repertorium Entwicklungsverzögerung und geistige Zurückgebliebenheit nach Impfung, Angst nach Impfung, Dunkelheitsangst mit dem Gefühl, jemand stehe hinter dem Kind, Angst auf dem Heimweg, ständiges Weinen bei Neugeborenen, Weinen, wenn freundlich angesprochen wird, und Verhaltensstörungen, die nur zuhause auftreten. Musikempfindlichkeit zeigt sich bei Kindern wie bei Erwachsenen, vor allem gegenüber Kirchen- und Orgelmusik; auch ein Zittern der Füße durch Musik ist verzeichnet.

Sprache und Antworten

Eine auffällige Gruppe betrifft Sprache und Antwort: nuscheln, Worte verschlucken, besonders die letzten des Satzes, das Sprechen mit Abwesenden, das Verfehlen von Antworten, die irrelevant sind oder keinen Bezug zur Frage haben, und ein rigides Denken. Der Verlust der Sprache tritt mit Schwere des ganzen Körpers auf. Bekannte werden nicht erkannt, und die Person kann am Morgen nach dem Erwachen eine Stunde lang keinen Gedanken fassen.

Zusammenfassung

Thuja occidentalis erscheint im Repertorium als ein Mittel der gestörten Selbstgrenze. Der Körper wird als gläsern, dünn oder immateriell erlebt, Geist und Körper fühlen sich getrennt, Fremdes dringt ein, und die Person verbirgt ihre Beschwerden und fürchtet, durchschaut zu werden. Das King-Pin-Symptom, nicht zu wissen, wo man ist, bündelt diese Unsicherheit. Scham, Sünde, strenge Selbstbestrafung und ein verunsichertes Verhältnis zur Sexualität bilden den moralischen Hintergrund, vor dem die Wahrnehmung der Wirklichkeit brüchig wird.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

Repertorium kennenlernenKostenlos ausprobieren

Ein Nachschlagewerk für Fachleute; ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.