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Tuberculinum bovinum (Kent) (Tub.)

Tuberculinum bovinum (Kent) (Tub.) steht im Repertorium in 1.192 Rubriken. Davon sind 71 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 81 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Der mit Abstand größte Schwerpunkt liegt bei den Rubriken zu Kindern (331), gefolgt von Furcht, Wahnideen, Angst, Traurigkeit und Zorn. Aus ihnen ergibt sich das Bild eines rastlosen, wechselhaften Menschen, der Bindung und Beständigkeit nicht aushält, nach Freiheit, Abwechslung und Intensität drängt und in seinen Ausbrüchen zwischen Zerstörung und Milde schwankt.

Das Kind als Mittelpunkt

Von den insgesamt 1.188 Rubriken gehören 331 zu den Kindern, und das Mittel trägt hier ein auffallend ausdifferenziertes Bild. Die Kinder sind widerspenstig gegenüber den Eltern, unempfindlich gegen Bestrafung und provozieren Streit oder Zurechtweisung. Sie gelten als manipulierend, trickreich, listig und halsstarrig, aber unvernünftig. Verzeichnet sind Gewalt gegen die Eltern, bis hin zu der Rubrik, in der ein Sohn das Gesicht seines Vaters zerkratzt und ihn schlägt, ferner das Werfen von Speisen und das Beschimpfen der Mutter mit dem Hinauswerfen der Arznei durchs Fenster. Eine Single-Rubrik hält fest, dass das Kind in der Schule erfolgreich ist, bis eine schwere Krankheit eintritt; eine andere nennt eine Entwicklungsverzögerung im Lesen. Verhaltensstörungen treten nach einer weiteren Rubrik nur zuhause auf, während das Kind in der Schule und gegenüber Fremden normal bleibt. Hinzu kommen Musikempfindsamkeit, schrilles Schreien und der Wunsch, nach dem Stillen nicht hingelegt, sondern getragen zu werden. Das Kinderbild verbindet damit Verstand und Wildheit, Anpassung nach außen und Zerstörung im Inneren der Familie.

Zerstörung, Bosheit und Milde

Die zweite große Linie ist die Aggression und ihr Wechsel mit Sanftheit. Das Repertorium kennt Zerstörungswut, aktive Destruktivität und die Neigung, Gegenstände zu zerbrechen, mit der Besonderheit, dass es um wertvolle Gegenstände geht, die anderen gehören, oder um das Zerbrechen „mit großem Trara“. Die Wut kommt plötzlich und bei Kleinigkeiten, und beim Erwachen ist die Reizbarkeit schon da, sobald die Augen geöffnet werden. Besonders kennzeichnend sind die Single-Rubriken, in denen Bosheit und Zerstörung abwechselnd mit Milde stehen, ebenso Milde im Wechsel mit Eigensinn. Die Bosheit richtet sich gern gegen Tiere: Hunde, das Quälen und Provozieren von Tieren, bei Kindern das Treten von Haustieren aus Bosheit. Eine kleine Rubrik beschreibt Bösartigkeit, die durch Tadel noch zunimmt. Der Zorn ist damit weniger ein anhaltender Groll als eine Entladung, auf die ohne Übergang das Gegenteil folgt.

Rastlosigkeit und Freiheitsdrang

Das Mittel zeigt eine ausgeprägte Unruhe, die sich in Lebensführung und Beziehungen niederschlägt. Single-Rubriken nennen häufigen Arbeitswechsel, schnelles Arbeiten, einen großen Freiheitsdrang, das Verlangen, voll zu leben und auszukosten, und das Gefühl, atemlos zu leben. Dazu fügen sich kleinere Rubriken zu Abenteuerlust, zum anhaltenden Verlangen nach Veränderungen, zum Wunsch, immer etwas anderes zu wollen, zu Beweglichkeit, Erfindungsgeist und Avantgardismus. Das Verlangen, mit dem Zug zu fahren, das Verlangen nach Landleben im Gebirge, die Besserung durch Reisen und das Verlangen, auf die Jagd zu gehen, zeichnen dieselbe Bewegung als Sehnsucht nach Ferne und Weite. Im Gegenzug fehlt es an Durchhaltevermögen, und die Arbeit wird negativistisch abgelehnt. Wer immer weiter will, kommt offenbar nicht an; eine kleine Rubrik beschreibt folgerichtig das Gefühl, ausgebrannt zu sein.

Beziehung und Bindung

Auf der Beziehungsebene setzt sich die Rastlosigkeit fort. Verzeichnet sind kurze und lockere Beziehungen, interkulturelle Beziehungen und ausländische Partner, daneben die Unfähigkeit zu einer langandauernden Beziehung und zur Bindung überhaupt. Eine Single-Rubrik hält fest, dass die Person keinen Abschied nimmt, eine andere ein sexuelles Anmachen, und eine kleine Rubrik beschreibt das Verlangen, sich nach jemandem zu verzehren. Intensität und Flüchtigkeit stehen hier nebeneinander. Hinzu kommt ein Gefühl, adoptiert zu sein, und die grundlose Abneigung gegen bestimmte Menschen. Das Bild lässt sich lesen als Nähe, die gesucht und zugleich nicht ausgehalten wird, weil sie Freiheit kosten würde.

Furcht und Angst

Die Furcht gliedert sich nach ihren Gegenständen und zeigt eine eigentümliche medizinische Färbung. Verzeichnet ist die Furcht vor Tuberkulose im Anfangsstadium, vor Hunden bei hydrozephalischen Beschwerden und bei Kindern, nachts bei tuberkulöser Meningitis sowie vor Tieren mit Fell. Dazu kommen die Furcht, lebendig begraben zu werden, die Furcht vor Federn und die Furcht, der Familie drohe Unheil. Die Angst konzentriert sich in zwei Single-Rubriken auf die Zeit bis Mitternacht; bei Kindern tritt sie nachts ohne nachvollziehbaren Grund auf. Der Widerwille gegen Pelztiere, gegen Katzen und gegen Tiere insgesamt entspricht der Furcht vor dem Fell. Das Tier erscheint hier als Quelle von Bedrohung und zugleich als Gegenstand von Aggression, ein Doppelverhältnis, das im Repertorium selten so deutlich wird.

Wahnideen und Körpergefühl

Unter den Wahnideen sind mehrere Rubriken räumlich und auf Bewegung bezogen. Das Bett schaukelt von einer Seite zur anderen wie eine Hängematte, der Kopf dreht sich im Kreis, bei Schwindel erscheinen Personen zu groß oder vergrößert, und beim Schaukeln im Stuhl droht ein Fallen nach hinten. Das Zimmer erscheint zu groß oder sonderbar und fremd; eine Single-Rubrik beschreibt das Gefühl, von der eilenden Menge erdrückt zu werden. Die Täuschung des Schaukelns ist als Single-Rubrik auch für das Bett verzeichnet. Dazu gehört das Gefühl, nicht alt zu werden, und die Blindheit für Gefahr. Die Welt bewegt sich offenbar mit dem Menschen, und sie ist zu weit oder zu eng.

Stimme, Schmerz und Bewusstlosigkeit

Eine kleinere Gruppe betrifft Stimme und Bewusstsein. Die Aphonie ist schmerzhaft oder vorübergehend, die Stimme nasal und aussetzend, der Verlust der Sprache tritt bei Tabes mesenterica auf. Bewusstlosigkeit ist mit Aufschreien verbunden, das Koma mit Meningitis tuberculosa und mit Fieber. Besonders drastisch sind die Single-Rubriken, in denen sich die Person aus Schmerz oder bei Bewusstlosigkeit an den eigenen Haaren zieht oder reißt. Das Delirium wechselt mit Schlaflosigkeit und Traurigkeit, die Geisteskrankheit mit Entzündungsfieber und Traurigkeit. Auch hier fällt der Wechsel auf, nicht ein fester Zustand.

Zusammenfassung

Tuberculinum bovinum (Kent) erscheint im Repertorium als ein Mittel des Wechsels, des Drangs und der Grenzüberschreitung. Kinder, die sich Regeln und Strafen entziehen, Menschen, die Beziehungen kurz halten und keine Bindung ertragen, ein Leben in Hast und Reisedrang, eine Wut, die zerstört und unvermittelt in Milde übergeht, dazu die Furcht vor Fell und Tuberkulose: Diese Züge fügen sich zu einem Bild von Unbeständigkeit, hinter der das Bedürfnis nach Freiheit steht und die Angst, in Ordnung, Nähe oder Dauer eingeschlossen zu werden.

Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.

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