Repertorium › Arzneimittel im Repertorium
Zincum metallicum (Zinc.)
Zincum metallicum (Zinc.) steht im Repertorium in 1.197 Rubriken. Davon sind 91 Single-Rubriken, in denen nur dieses Mittel steht, und 85 kleine Rubriken mit höchstens zwei weiteren Mitteln. Die Schwerpunkte liegen bei den Kindern, den Wahnideen, der Furcht, der Angst und der Traurigkeit, dazu bei Reizbarkeit, Gesten und Gebärden, Bewusstlosigkeit, Delirium und Stumpfheit. Daraus ergibt sich das Bild eines überreizten, erschöpften Gemüts, das zwischen Aufregung und Dumpfheit pendelt, durch Geräusch und Berührung leicht aus dem Gleichgewicht gerät und dessen Zustände auffallend an Tageszeiten und Körperabläufe gebunden sind.
Wechsel der Stimmung
Das Gemüt ist von Gegensätzen geprägt, die einander ablösen. Zahlreiche Single-Rubriken führen Traurigkeit im Wechsel mit Fröhlichkeit, Furcht, Schüchternheit und Zufriedenheit; ebenso stehen Angst, Zufriedenheit, Reizbarkeit, Hass und Rachsucht in Wechselrubriken. Die Zeitbindung ist ungewöhnlich genau: Am Mittag lebhaft und am Abend traurig, oder umgekehrt, am Mittag niedergeschlagen und am Abend froh. Das Mittag erscheint außerdem für sich in Rubriken zu Fröhlichkeit, Launenhaftigkeit, Empfindlichkeit, Mürrischsein, Zorn, Benommenheit, Bewusstlosigkeit und Stumpfheit. Eine Single-Rubrik nennt die Fröhlichkeit im Gespräch, eine andere leichtes Erschrecken im Wechsel mit Traurigkeit. Zinc zeigt damit weniger eine Grundstimmung als eine Unbeständigkeit, die dem Tageslauf folgt.
Reizbarkeit und Geräuschempfindlichkeit
Die Reizbarkeit tritt in vielen Formen auf. Verzeichnet sind Reizbarkeit im Wechsel mit Empörung, Raserei, Entmutigung, Feigheit und Schüchternheit, ebenso Zorn im Wechsel mit Schüchternheit. Zwei Single-Rubriken beschreiben Raserei beim geringsten Geräusch, eine davon als mutwillige, boshafte Raserei. Jedes Geräusch weckt aus der Bewusstlosigkeit, Blasmusik verschlimmert, und die Berührung wird bei Kopfschmerzen abgelehnt. Eine Rubrik verzeichnet, dass die Person jeden belästigt, eine andere, dass sie beim Sprechen anderer mürrisch wird und ungeduldig bleibt. Wein und Kaffee steigern die Reizbarkeit und machen geistesabwesend. Zinc wirkt wie ein Nervensystem ohne Puffer, in dem äußere Reize unmittelbar als Ärger oder Raserei ankommen.
Unruhe der Glieder und Gesten
Eine auffällige Gruppe sind die Gesten und Gebärden (31 Rubriken). Die Hände greifen unwillkürlich, zupfen an den Lippen, bis sie bluten, oder an einer wunden Stelle, bis es schlimmer wird. Besonders kennzeichnend sind Single-Rubriken, in denen sich Kinder beim Husten an die Genitalien fassen, und ihnen entspricht der Hang zur Masturbation bei Husten, Krämpfen und während der Menses. Bei Kindern treten ständige Bewegungen der Füße, unruhige Füße nach dem Aufwachen, kreischendes Schreien beim Erwachen und Zittern hinzu. Bei Erwachsenen tritt Ruhelosigkeit der Beine und der Ovarien auf. Der Körper ist offenbar in ständiger Bewegung, die der Geist nicht beruhigen kann.
Wahnideen des Schwankens und der Schuld
Die 80 Wahnideen bilden einen zweiten Schwerpunkt, mit 20 spezifischen Rubriken. Häufig geht es um Bewegung und Schweben: Das Bett schaukelt vor und zurück, der Stuhl schwankt beim Aufrichten im Bett am Morgen, der Kopf bewegt sich herauf und herab, schwebt oder schwankt, Bilder und Phantome bewegen sich auf und ab. Es gibt die Vorstellung, auf einer Seite zu fallen, an hochgelegenen Orten nach rechts, und die Vorstellung, zu stürzen. Eine zweite Linie betrifft Schuld und Bedrohung: die Täuschung, etwas Böses getan zu haben, die Vorstellung, vom Teufel verfolgt zu werden, vor Gericht geladen zu sein, was im Klimakterium auftritt, sowie schimpfende und unflätige Stimmen und Visionen beim Erwachen. Merkwürdig und nur hier verzeichnet ist die Vorstellung, einen Kropf zu haben, über den man im Sitzen nicht hinwegblicken kann. Auffallend ist, dass sich diese Wahnideen morgens beim Erwachen, im Halbschlaf und in der Menopause häufen.
Betäubung, Delirium und Bewusstseinstrübung
Das Mittel kennt viele Zustände herabgesetzten oder getrübten Bewusstseins. Verzeichnet sind anfallsweise Betäubung, Betäubung nach Nasenbluten und durch Scharlach, Stumpfheit beim Schließen der Augen und im Liegen gebessert, Stupor bei Diarrhoe sowie halbbewusste Zustände. Bewusstlosigkeit steht in Verbindung mit langsam erscheinenden oder unterdrückten Hautausschlägen, eine Beziehung, die sich im Schlafwandeln nach dem Verschwinden alter Hautausschläge und nach unterdrückten Gemütsbewegungen wiederholt. Beim Delirium ist die Erregung groß: Die Person lässt sich schwer beruhigen, will das Bett verlassen, flüstert und ist nur mit Mühe zurückzuhalten. Delirium tremens tritt bereits nach kleinen Mengen Alkohol auf, mit weißer Zunge. Die Erscheinungen laufen offenbar über das Verschwinden von Ausscheidungen und Hautausschlägen in das Gemüt.
Furcht, Angst und Tod
Die Furcht richtet sich auf die Familie und Familienangelegenheiten, auf Bedrohung und darauf, lebendig begraben zu werden; sie bessert sich abends, tritt aber auch mittags auf und wechselt mit Traurigkeit. Eine Single-Rubrik verbindet Furcht mit Hydrozephalus. Die Angst entsteht durch schreckliche Erscheinungen im Wachsein, durch Aufschrecken aus dem Schlaf während der Menses und im Wechsel mit Zufriedenheit. Der Tod ist ein eigenes Thema: abendliche Gedanken an den Tod, die gelassen hingenommen werden, die Vorahnung des Todes mit derselben Gelassenheit, und die Vorstellung, alles sei tot. Dem steht das Fliehen gegenüber, bei dem die Person nur schwer zurückzuhalten ist. Todesnähe und Unruhe finden hier nebeneinander Platz.
Sprache, Denken und Erschöpfung
Die Sprache ist gestört. Verzeichnet sind langsames Antworten, weil die Frage nicht verstanden wird, unverständliche Sprache nach dem Hinlegen am Abend, unzusammenhängendes Reden, halb lächelnd, und die Neigung von Kindern, alles zu wiederholen, was man ihnen sagt. Das Sprechen in Träumen und die halb grinsende Redseligkeit gehören dazu, ebenso die Eile beim Essen: Die Person kann nicht schnell genug essen. Geistige Erschöpfung entsteht durch Nachtwachen und übermäßiges Studieren; Gedanken bleiben hartnäckig haften, wenn die Person allein ist. Eine Single-Rubrik beschreibt Verwirrung wie nach Schlafmangel. Dazu gehören auch Anorexie aus Angst und Gasvergiftung als Ursache von Berauschtheit.
Zusammenfassung
Zincum metallicum erscheint im Repertorium als ein Mittel der Überreizung und der Erschöpfung. Die Stimmung folgt dem Tageslauf, Geräusche und Berührung lösen Wut aus, die Hände und Füße finden keine Ruhe, und im Halbschlaf und beim Erwachen drängen Schwanken, Schuld und Bedrohung ins Bewusstsein. Betäubung, Stupor und Delirium stehen dem gegenüber, und viele Zustände treten auf, wenn Ausscheidungen oder Hautausschläge unterdrückt werden oder verschwinden. Das Bild ist das eines überforderten Nervensystems, das zwischen Erregung und Dumpfheit keinen Mittelweg findet.
Alle Rubriken dieses Mittels, die Arzneimittellehre und die Fallarbeit finden Sie in Rathmer’s Repertorium.
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